Leistungen in Heimatgeschichte und Chorgesang

Bad Wildungen: Waldeck-Frankenberger Kreiskulturpreis an drei Preisträger verliehen

Kreiskulturpreis verliehen: Oben der Knappenchor des Knappenvereins Adorf mit Chorleiterin Astrid Behle, unten von links Kreistagsvorsitzender Rainer Hesse, Kreisbeigeordnete Hannelore Behle sowie die Preisträger Horst-Werner Bremmer, Bernhard Bock und Erhard Rettig, Vorsitzender des Knappenvereins.
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Kreiskulturpreis verliehen: Oben der Knappenchor des Knappenvereins Adorf mit Chorleiterin Astrid Behle, unten von links Kreistagsvorsitzender Rainer Hesse, Kreisbeigeordnete Hannelore Behle sowie die Preisträger Horst-Werner Bremmer, Bernhard Bock und Erhard Rettig, Vorsitzender des Knappenvereins.

Der Kreiskulturpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg wurde in einer Feierstunde in der Bad Wildunger Wandelhalle an drei Preisträger verliehen.

  • Der Kreiskulturpreis 2021 des Landkreises Waldeck-Frankenberg wurde am Freitag in der Bad Wildunger Wandelhalle an drei Preisträger verliehen.
  • Die Auszeichung ging an Bernhard Bock (Burgwald) für Heimatkunde und Heimatgeschichte, an Horst-Werner Bremmer aus Altenlotheim für Musik sowie an den Knappenverein und Knappenchor Adorf für Heimatgeschichte und Musik.
  • An die Preisträger des Kreiskulturpreises wurden Urkunden, Plaketten und Schecks übergeben sowie ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 2500 Euro.

Bad Wildungen - Die Auszeichnung ging an den Heimatforscher Bernhard Bock aus Burgwald für Heimatkunde und Heimatgeschichte, an Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer aus Altenlotheim für Musik sowie an den Knappenverein und den Knappenchor Adorf für Heimatgeschichte und Musik.

Besondere Leistungen im kulturellen Bereich

Mit dem Kreiskulturpreis werden besondere Leistungen im kulturellen Bereich gewürdigt. Kreisbeigeordnete Hannelore Behle und Kreistagsvorsitzender Rainer Hesse zeichneten die Preisträger aus und überreichten Urkunden, Plaketten und Schecks. Insgesamt wurde ein Preisgeld von 2500 Euro vergeben.

Alle drei Preisträger engagieren sich seit vielen Jahren mit beispielhaftem Einsatz, hieß es in der Laudatio. Während der Kontakteinschränkungen in der Pandemie entwickelten sie ideenreiche Ersatzprogramme, um das kulturelle Leben lebendig zu erhalten.

Weniger Bewerbungen als in den Vorjahren

Die Zahl der Bewerbungen um den begehrten Kulturpreis war diesmal geringer als gewohnt, bedauerte Dr. Hartmut Wecker, Sprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Er führte das auf die stark zurückgefahrenen Aktivitäten während der Corona-Pandemie zurück. „Es waren weniger Bewerbungen als sonst, aber immer noch genug, um der Jury Kopfschmerzen zu bereiten.“

Von den Jury-Mitgliedern nahmen Reinhard Mehles, Bernhard Weller, Angela Figge-Ifling, Dr. Birgit Kümmel und Susann Enß an der Verleihung teil. Glückwünsche überbrachten auch Vertreter der drei Heimatkommunen der Preisträger. Der Burgwalder Bürgermeister Lothar Koch gratulierte stellvertretend für die drei Kommunen zum Kulturpreis. „Es ist ein Dank, dass Sie sich für das kulturelle Leben einsetzen, zugleich aber auch die Bitte, weiterzumachen,“ rief er den Preisträgern zu.

Preisträger präsentieren Kostproben ihres kulturellen Wirkens

Kostproben ihres kulturellen Wirkens gaben die Geehrten in der Feierstunde. Heimatforscher Bernhard Bock skizzierte die Geschichte der Muna – Munitionsanstalt in Industriehof, dem heutigen Burgwald.

Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer stimmte mit einem Männerchor eine Auswahl von Liedern an. Der Knappenchor sang unter der Leitung von Astrid Behle, und der Vorsitzende des Knappenvereins Adorf, Erhard Rettig, berichtete aus der Geschichte.

Seit 1988 zum 20. Mal verliehen

Der Kreiskulturpreis des Landkreises Waldeck-Frankenberg wurde im Jahr 1988 erstmals verliehen. Zu Beginn fand die Verleihung im einjährigen Abstand statt, später wurde der Preis alle zwei Jahre ausgelobt. Bei der Veranstaltung in Bad Wildungen handelte es sich um die 20. Verleihung der begehrten Auszeichnung, sagte Dr. Hartmut Wecker, Leiter des Fachdienstes Öffentlichkeitsarbeit. Das Budget für das Preisgeld stellt jeweils der Kreistag zur Verfügung.

Kreistagsvorsitzender Hesse: Auszeichnung ist begehrt

„Wenn schwarze Kittel scharenweis“ – mit einem Lied der Bergleute auf den Lippen eröffnet der Knappenchor des Knappenvereins Adorf musikalisch die Verleihung des Kreiskulturpreises. Weitere Beiträge aller drei Preisträger folgen im Verlauf der Feier.

Kreistagsvorsitzender Rainer Hesse verweist auf die gute Reputation der begehrten Auszeichnung. „In den 33 Jahren hatten wir mehrfach Preisträger, die auf andere öffentliche Auszeichnungen verzichteten, aber den Kreiskulturpreis gern entgegen genommen haben.“ Kultur sei ein Medium, das Gemeinschaft, Stabilität und Kommunikation ermögliche.

Kreisbeigeordnete Hannelore Behle hält die Laudatio auf die Preisträger, und die Geehrten nutzen die Möglichkeit und stellen dem Publikum ihr Engagement näher vor.

Heimatforscher Bernhard Bock ein Experte für die „Bunker der Geschichte“

Der Burgwalder gibt die Geschichte seines Heimatorts weiter und sei selbst ein Kulturförderer, denn alle Spenden seiner Bunker-Rundgänge gingen an den Kulturverein Burgwald. Behle: „Bei rund 70 Gruppen mit um die 2000 Personen ist das eine willkommene Unterstützung für die Ortsgemeinschaft.“

Inspiriert zu Recherchen über die „Bunker der Geschichte“ habe ihn ein Projekt der Jugendfeuerwehr, die ältere Einwohner nach der Entstehung ihres Orts befragt habe, sagt der Preisträger. In der Folge seien ein Kulturverein gegründet und ein Museum gestaltet worden. Der Burgwalder habe sich intensiv mit der Geschichte der Bunker befasst. Mit Fördergeld wurden Informationen aus den National Archivs in Washington und dem Militärhistorischen Museum in Koblenz zusammen getragen.

Die „Muna“ sei als Teil des Rüstungsprogramms im Frankenberger Land entstanden. Von 1936 bis 1938 sei auf 155 Hektar in einem Fichtenhochwald ein „Ort mitten im Nichts“ gebaut worden mit Gleisanschluss, 242 Gebäuden, davon 125 Bunker. Aus der Munitionsanstalt entstand das Dorf Industriehof, seit 1996 umbenannt in Burgwald. Insgesamt 16 000 Besucher lernten inzwischen die Bunker-Geschichte bei Rundgängen kennen.

Mit Kreischorleiter Horst-Werner Bremmer bis zum Meisterchor

Der Altenlotheimer ist Leiter mehrerer Chöre und Kreischorleiter im Vorstand des Sängerkreises Edertal. Für einige Chöre war er der Initiator. Durch seine mitreißende Art der Chorleitung sei es ihm gelungen, Sängerinnen und Sänger mindestens bis zum Status eines Leistungschors auszubilden, aber auch bis zum Konzertchor und in einem Fall sogar in die Eliteklasse des Meisterchors aufsteigen lassen.

Behle: „Es gibt aus den letzten Jahren und sogar Jahrzehnten kaum jemanden in Waldeck-Frankenberg, der sich auf gleiche Weise für den Erhalt des Gesangwesens eingesetzt hat.“ Als Chöre während der Pandemie als Verbreitungshotspots gesehen wurden und Singen als das „gefährlichste Hobby der Welt“ galt, habe er virtuelle Proben abgehalten und Videos erstellt.

„Mein Herz schlägt für den Chorgesang“, bekennt Bremmer. Er nehme die Auszeichnung entgegen „als Motivation für die nächsten 20 oder 30 Jahre“. Mit seinem Chor „Reine Männersache“ umrahmt er die Feier musikalisch mit einem Cross-Over mit dem klassischem Chorsatz „Im Abendrot“ über ein Spiritual bis zum italienischen „Benia Calastoria“.

Knappenverein und Knappenchor Adorf bewahren Bergmannstraditionen

Der Verein wurde 1875 erstmalig erwähnt und ist damit der älteste Kulturpreisträger des Landkreises. Ziel ist der Erhalt der bergmännischen Tradition und des Brauchtums. Ihm sei es maßgeblich mit zu verdanken, dass der Bismarckstollen im Rhenetal zum Besucherbergwerk Grube Christiane umgebaut wurde, ehrenamtlich betreut durch die Mitglieder des Knappenvereins unter Federführung der Gemeinde Diemelsee, würdigt Behle. Das Besucherbergwerk sei ein touristisches Highlight der gesamten Region.

Der Vorsitzende des Knappenvereins, Erhard Rettig, gibt einen kurzen Abriss über die Geschichte des Bergbaus, der vor über 58 Jahren in Adorf eingestellt wurde. Bergleute waren einst hoch angesehen, betont der Adorfer. „Knappe, das war im ausgehenden Mittelalter ein ehrenwerter Berufsstand, kein Dieb, kein Totschläger oder Ehebrecher durfte Bergmann werden.“

Mit Dankesworten der Preisträger und einem angeregten Austausch bei Snacks und Getränken endet die Preisverleihung im Quellencafé der Wandelhalle. (Cornelia Höhne)

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