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Autorin Mirna Funk in Wildungen: Emanzipation nur bei finanzieller Unabhängigkeit

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Susanne Bolduan und Bettina Schrauf von Soroptimist International mit Autorin Mirna Funk (von links).
„Starke Frauen braucht das Land“: Susanne Bolduan und Bettina Schrauf von Soroptimist International mit Autorin Mirna Funk (von links). © SI Deutschland Bad Wildungen/pr

Erfolgsautorin Mirna Funk las in Bad Wildungen aus ihrem neu erschienenen, ersten Sachbuch: „Who cares! Von der Freiheit Frau zu sein“.

Bad Wildungen – Stühle mussten nachgestellt werden, so groß war der Andrang im Fürst-von-Waldeck-Saal des Maritim, als die Berliner Autorin und Journalistin dort mit ihrem neuen Buch gastierte. Sie las daraus auf Einladung des 34 Clubschwestern zählenden Wildunger Serviceclubs Soroptimist International Deutschland und aus Anlass der internationalen Orange days, der Tage gegen Gewalt an Mädchen und Frauen. Mirna Funk versteht ihr Buch als leidenschaftliches Plädoyer für die Autonomie aller Frauen, denn „selbstbestimmte, eigenständige Frauen warten nicht darauf, dass jemand gesellschaftliche Strukturen für sie ändert und stilisieren sich nicht zu Opfern.“ In sechs Kapiteln berichtet die 42-jährige Journalistin mit jüdischen Wurzeln darüber, wie sie Frauen Mut machen will, ihre längst existente Freiheit zu entdecken.

Bei der Veranstaltung las sie – unterbrochen durch kurzweilige Interviews mit der Wildunger Clubpräsidentin und Journalistin Bettina Schrauf – aus den Kapiteln „Liebe“, „Geld“ und „Sex“. Funk amüsierte das Publikum, hielt ihm den Spiegel vor, kokettierte und spaltete auch, als sie etwa aus ihrem Leben verriet: „Ich habe acht Jahre keine Steuern bezahlt. Das Geld habe ich in das Schreiben meines ersten Romans ´Winternähe´ investiert. Ich habe einfach so getan, als würde es mich nicht geben und alles später monatlich abgestottert.“

Mirna Funk: Ohne finanzielle Unabhängigkeit keine wirkliche Emanzipation der Frau

Mirna Funk unterstrich ihre Überzeugung: „Solange Frauen nicht hundertprozentig finanziell unabhängig sind, sind sie nicht wirklich emanzipiert“, denn „es ist ein emanzipatorisches Armutszeugnis, dass nur 30 Prozent der Frauen in diesem Land finanziell unabhängig sind, weil 30 Prozent von ihnen gar nicht und 40 Prozent in Teilzeitarbeiten.“

Viele Besucherinnen und Besucher ließen sich im Anschluss Bücher von der Autorin signieren. Finanziert durch den Erlös des Abends, der unter anderem aus dem Verkauf von orangefarbenen Trillerpfeifen und dem Verkauf von Losen mit einer Reise als Gewinn hervorging, wollen die Wildunger Soroptimistinnen 2023 einen kostenlosen Selbstverteidigungskursus für Frauen anbieten.

„Starke Frauen wie Mirna Funk braucht das Land“

Grüße im Namen der Stadt überbrachte Stadtrat Fritz Faupel. Susanne Bolduan, Vizepräsidentin des Bezirks 5 von SI International Deutschland, betonte: „Starke Frauen wie Mirna Funk braucht das Land.“

Das Motto des derzeitigen SI-Deutschland-Vorstandes, dem sie angehört, laute: „be empowered; dazu gehört, Frauen zu sensibilisieren, ihre Sicht der Dinge zu öffnen, manchmal auch unbequeme Fragen zu stellen und an Herausforderungen zu wachsen.“

Gewalt gegen Frauen als Leitthema über der Lesung von Mirna Funk

„Es war einmal und es ist kein Märchen, sondern bittere Wahrheit“, leitete Bettina Schrauf die Lesung ein und erinnerte an den Ursprung des Internationalen Gedenktages gegen Gewalt an Frauen, den Aktivistinnen 1981 ausriefen und den die Vereinten Nationen 1999 als Internationalen Gedenktag anerkannten. Der Tag erinnert an drei Schwestern, die 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter hingerichtet wurden – weil sie aufbegehrt hatten gegen das Regime.

Der Wildunger Soroptimist International Deutschland lud im Rahmen der Orange days und seines Projekts „GewaltFREI“ zur Lesung mit Mirna Funk ein.
Der Wildunger Soroptimist International Deutschland lud im Rahmen der Orange days und seines Projekts „GewaltFREI“ zur Lesung mit Mirna Funk ein. © SI Deutschland Bad Wildungen/pr

Es war einmal und das weit entfernt? „2021 starben in Deutschland 113 Frauen durch partnerschaftliche Gewalt“, stellte die Präsidentin der Wildunger Soroptimistinnen den fassungslos machenden Bezug des Gedenktages zur Gegenwart und zum eigenen Land her. SI International engagiere sich traditionell im Rahmen der „Orange Days“ die den Gedenktag und seinen Anlass laut und deutlich ins Bewusstsein rücken.

Wildunger Soroptimist International-Deutschland gewürdigt für Projekt „GewaltFREI“

Praktische Hilfe auf lokaler Ebene leistet der Wildunger SI-Club mit seinem Projekt „GewaltFREI“, das von SI Deutschland gerade gerade zum Sonderprojekt des Monats erkoren wurde. Selbst gestaltete Notrufkärtchen werden in diesem Zusammenhang an Schulen verteilt.

Die Kärtchen listen alle Adressen und Telefonnummern in der Region auf, unter denen Kinder, Mädchen und Frauen jeden Alters Hilfe finden, wenn sie Gewalt ausgesetzt sind. Die Lesung mit Mirna Funk war eingebettet in dieses Programm. (red)

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