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Bad Wildungen legt Planung für Neubau des Heloponte-Bades auf Eis

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Von: Matthias Schuldt

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Wie lange hält es noch? Die Pläne für den Helo-Neubau sind eingefroren.
Wie lange hält es noch? Die Pläne für den Helo-Neubau sind eingefroren. © Conny Höhne

Mit 28 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen froren die Wildunger Stadtverordneten am Montag die Planung „Heloponte II“ ein bis Ende 2023.

Bad Wildungen – Der Beschluss aus der Sitzung in der Wandelhalle bezieht sich ohne Wenn und Aber auf das jetzige Stadium. Es werden keine weiteren Leistungen beauftragt, entschied die große Mehrheit auf Antrag der CDU.

Zweiter Bestandteil des abgesegneten Antrages: der Magistrat erhält den Auftrag, den Schwimmbetrieb in Bad Wildungen weiterhin sicherzustellen. Er soll geeignete, finanzierbare Vorschläge unterbreiten, „und zwar auch für einen dauerhaften Schwimmbetrieb“.

Magistrat soll Sanierung und Modernisierung prüfen

Dritter Punkt des abgesegneten Antrages: auf Dringen der Freien Wähler soll der Magistrat ebenfalls prüfen, ob eine Sanierung und Modernisierung des Heloponte im Bestand machbar ist und wie viel das kostet.

Vierter Punkt auf Dringen der Grünen: vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen soll noch einmal die eigentlich verworfene Variante eines Helo-Neubaus bei deutlich reduziertem Angebot durchgerechnet werden. Was kostet sie im Bau und im Betrieb im Vergleich?

Magistrat hat für die gestellten Aufgaben zum Heloponte Zeit bis Ende März

Um die Auftragspunkte zwei, drei und vier abzuarbeiten, erhalten der Magistrat und die Stadtverwaltung Zeit bis zum 31. März 2023.

Bürgermeister Ralf Gutheil setzte den Grundtenor für den Magistrat so: „Mit ruhigem Gewissen kann ich dieser Planung nicht mehr zustimmen.“ Bis zu 50 Millionen Euro könnte der Bau kosten, der nötige Jahreszuschuss im ungünstigsten Fall rund 3,7 Millionen Euro betragen. Bad Wildungen dürfe sich nicht auf Jahrzehnte jeden Handlungsspielraum nehmen.

Beton schaut aus Teilen der Bewehrung im Heloponte heraus

Die Arbeit aus zehn Jahren vom Tisch zu wischen, sei aber auch keine Lösung, weil die Förderung verloren gehe: „Wir sollten alternative Szenarien diskutieren, die wir uns leisten können.“

Eine Sanierung gehört aus Gutheils Sicht und der Perspektive der im Publikum anwesenden Heloponte-Beschäftigten nicht zu den echten Alternativen. „Teils schaut die Bewehrung aus dem Beton heraus. Da müssen sie bis auf die Grundmauern abreißen.“ Abgängige Heizkessel müssten als Sonderanfertigung hergestellt werden, weil keine Ersatzteile mehr existierten. Die Liste ließe sich sehr lang fortsetzen, bestätigten Helo-Mitarbeiter am Montagabend auf WLZ-Nachfrage.

Jetzigem Heloponte droht täglich die zeitweise oder endgültige Schließung wegen irreparabler Schäden

Daniela Kersting vom Planungsbüro Constrata unterstrich: „Das alte Heloponte hat pro Jahr 1,1 Millionen Kilowattstunden mehr an Wärmebedarf als der Neubau.“ Unterschwellig drohe beständig die zeitweise oder endgültige Schließung auf Grund irreparabel kaputter Technik und Substanz.

Jens-Wilhelm Brand von Constrata unterbreitete den Vorschlag, für 2,5 Millionen Euro die Planung bis ins nächste Jahr weiterzuführen. „Im nächsten Jahr schreiben Sie dann auf einen Schlag 70 Prozent der Gewerke aus. Dann wissen Sie, was der Neubau kostet und es droht bei den restlichen 30 Prozent kein Desaster mehr.“ Der Wind am Bau drehe gerade, ist Brand überzeugt. Er sieht erste Anzeichen für eine Trendumkehr aufgrund zurückgehender Auftragszahlen und ersten Preissenkungen bei Unternehmen der Branche.

Mehrheit gegen Fortsetzung der Planungen für 2,5 Millionen Euro

Wenn die Ausschreibungsergebnisse trotzdem zu hoch seien, könne die Stadt das Projekt immer noch stoppen, fügte er hinzu. „2,5 Millionen Euro Planungskosten sind dafür ein bisschen viel“, meinte nicht nur Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal.

Der Magistrat hätte dieses Geld noch in die Hand genommen. Die große Mehrheit der Stadtverordneten ließ sich darauf nicht ein.

„Es ist nicht peinlich“

„Es ist nicht peinlich. Wir müssen uns eingestehen, dass wir uns 3 Millionen Euro Defizit im Jahr nicht leisten können“, sagte Marc Vaupel, CDU-Fraktionschef. Das Moratorium sei der richtige Weg, „weil wir nicht in 20 Minuten über den Haufen werfen sollten, was wir in zwei, drei Jahren erarbeitet haben.“ Eine Million Euro als Jahresdefizit sei einmal angestrebt worden. Dann sei von 1,738 Millionen Euro die Rede gewesen und nun seien es, je nach Rechnung, rund 3,34 Millionen Euro. Willingen könne dank seiner vielen, zahlenden Bade-Urlaubsgäste trotz ähnlich enormer Investitionssumme mit 500 000 Euro Jahresdefizit kalkulieren.

„Wir müssen uns nicht schämen“, meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei und blickte auf die Ursachen der Entwicklung: „Wir alle haben profitiert von billigem russischen Gas: die Wirtschaft und jeder einzelne von uns.“ Die Stadt sei gerade wie mit 200 km/h auf der Autobahn im Nebel unterwegs. „Dann kommt im Radio der Hinweis auf einen Falschfahrer – und wir wissen nicht, ob dies nicht sogar wir sind.“ Die Energiepreise würden nicht so hoch bleiben, wie sie aktuell lägen, „aber sie kommen auch nicht mehr an, wo sie mal waren.“ Moratorium darum ja, aber Schmalspurvariante oder Sanierung nein, schloss Mombrei.

„Ehrlich mit sich selbst und dem Heloponte II sein“

„Wem nicht klar ist, dass sich die 42 Millionen Euro Baukosten weiter erhöhen, der geht nicht ehrlich mit sich und mit dem Heloponte II um“, meinte Horst Reis (Freie Wähler). Er selbst habe erst zu Abriss und Neubau tendiert, doch nun sei er, wie die gesamte Fraktion der Freien Wähler, für grundlegende Modernisierung und Sanierung. Das sei kostengünstiger und eine lange Schließungszeit vermeidbar. „Wir sparen Abrisskosten und Entsorgung“, ergänzte Fraktionschef Dr. Hans Schultheis: „Vergessen wir nicht die 40-Tonner, die das Abrissmaterial abtransportieren und Schäden an unseren Straßen verursachen, deren Höhe wir nicht kennen.“

„So ein energieverschlingendes Monster passt nicht mehr in die Zeit“, sagte Klaus Stützle, Vorsitzender der Grünenfraktion. Würde das Heloponte II in dieser Form beschlossen, „würde es andere Dinge blockieren, etwa den Outdoor-Platz für die Jugend.“ Die Grünen wollten ein Schwimmbad, in dem auch Kinder ihren Spaß hätten und in diesem Sinne eben ein Familienbad mit erschwinglichen Eintrittspreisen. Fraktionskollege Dr. Philipp Matthes hob auf das Argument ab, das Heloponte II nütze dem Tourismus in der gesamten Region. „Warum beteiligen sich dann andere Kommunen wie Edertal oder Fritzlar nicht daran?“, fragte er in Sorge um den städtischen Etat.

„Jeder hatte plötzlich Ahnung von Schwimmbädern“

„Wir sollten nicht den alten Wildunger Fehler machen, alles auf die lange Bank zu schieben. Ich bin Schwimmer und habe lange Schülerinnen und Schüler im Heloponte unterrichtet“, sagte der Liberale Bernd Zimmermann. Er hoffe, Kinder und Jugend lernten und trainierten bald Schwimmen in einem neuen Heloponte. „Jeder hatte plötzlich Ahnung von Schwimmbädern“, blickte Fraktionsvorsitzender Stefan Schraps auf zehn Jahre kraftzehrende Debatte zurück. „Nun haben wir eine tolle Planung, die leider nicht finanzier- und betreibbar ist.“ Trotzdem dürfe man keine weiteren zehn Jahre diskutieren. Das alte Helo halte so lange nicht durch.

„Das neue Außengelände fällt von den Zahlen her nichts ins Gewicht, weil die Unterhaltungskosten sehr günstig sind“, meinte Linken-Fraktionschefin Regina Preysing. Der Innenteil müsste aber so ausgelegt sein, dass er viele Gäste von außerhalb anlocke, die den Wildunger das Angebot durch ihre Eintritte finanzieren: „Als Bürgerbad ist das nicht bezahlbar.“ Fraktionskollege Daniele Saracino machte Misswirtschaft als Ursache für die Lage des bestehenden Heloponte aus und bezog das auch auf die seit Jahren still gelegte Eisbahn. „Die Menschen wünschen sich etwas anderes. Sie müssen befragt werden“, verlangte er mit Blick auf die Planungen. (Matthias Schuldt)

Das sind die auf Eis gelegten Pläne fürs Heloponte II

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