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Bad Wildungen: mit zwei Promille gegen Linienbus gefahren und Polizeistreife verletzt

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Schauplatz des Geschehens vor eineinhalb Jahren, das vor Gericht verhandelt wurde: der Busbahnhof am Wildunger Bahnhof.
Schauplatz des Geschehens vor eineinhalb Jahren, das vor Gericht verhandelt wurde: der Busbahnhof am Wildunger Bahnhof. © Matthias Schuldt/Archiv

Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Widerstands und tätlichen Angriffs gegen Polizeibeamte sowie Körperverletzung wurde ein 37-jähriger Wildunger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – „Es tut mir leid.“ Mit diesen Worten entschuldigte er sich vor dem Amtsgericht Fritzlar bei einer Polizei-Oberkommissarin und einem Kommissar, die er im Januar 2021 am Bahnhof der Kurstadt nach einer Trunkenheitsfahrt angegriffen und verletzt hatte. Die Freiheitsstrafe beträgt sechs Monate. Sie wir für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Den Polizei-Angehörigen, die als Nebenkläger auftraten, muss er jeweils 300 Euro Schmerzensgeld zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Am Ende der umfangreichen Beweisaufnahme sah die Staatsanwältin alle Anklagepunkte als erwiesen an. Der Anklage zufolge fuhr der Angeklagte „in erheblich alkoholisiertem Zustand“ Auto und verursachte einen Unfall mit einem Bus. Dessen Fahrer wurde in Folge der Kollision an Nacken und Schulter verletzt. Bei der Polizeikontrolle im Anschluss riss der Betrunkene einem Beamten das Funkgerät aus der Weste und schleuderte es ihm ins Gesicht. Eine Polizeibeamtin zog er er an den Haaren, trat und schlug sie. Ihre Halskette wurde dabei zerrissen. Ärztliche Bescheinigungen bestätigten dem Gericht die Verletzungen, die beide Uniformierten erlitten.

Gericht: „Finger weg vom Alkohol“ muss die Konsequenz lauten

Der Mann bat vor Gericht um Verzeihung dafür, was er den Polizisten angetan habe. Der Vater zweier Kinder, der in zwei Jobs arbeitet, ist nicht vorbestraft. Zu dem Unfall mit dem Bus gab es keine Erklärung. Laut Gutachten hatte der Angeklagte zur Tatzeit zwischen 1,75 und´2,09 Promille Alkohol im Blut.

„Finger weg vom Alkohol“ - das müsse doch die Konsequenz sein, sagte Richterin Corinna Eichler. Der ANgeklagte: „Ich trinke höchstens zweimal im Jahr, Neujahr und Ostern.“ Er habe zwei traumatische Erlebnisse gehabt, als sein Vater und sein Bruder in seinen Armen gestorben seien, sagte der Mann, der aus Georgien stammt.

Zeuge: Auto „krachte mit Riesenknall“ in Bus

Mit einem Riesen-Knall sei das Auto dmals in seinen Bus gekracht, berichtete dessen Fahrer (47), „ich zitterte an den Händen“. „Keine Polizei“ habe der Fahrer gefordert. „Ich war benebelt, der Blutdruck war bei knapp 200, ich bekam Infusionen“, berichtete der Busfahrer, „ich kämpfe seit einem Jahr um Schmerzensgeld“. Gegen die Polizeibeamten sei der Mann aggressiv gewesen.

Er habe um sich geschlagen und getreten, berichtete die Oberkommissarin. Mit Wucht sei der Mann gegen sie vorgegangen. Ihr Kollege berichtete: „Er hat massiven Widerstand geleistet, bevor wir ihm die Handfesseln anlegten, auf der Dienststelle hat er randaliert.“

Angeklagter reuig, nicht vorbestraft und seit dem Vorfall nicht mehr auffällig

Nach den glaubhaften Zeugenaussagen seien die angeklagten Taten als erwiesen anzusehen, erklärte die Staatsanwältin. Eine sechsmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung sei unumgänglich, „um ihn vor weiteren Straftaten abzuhalten“. Da er eine günstige Sozialprognose und einen Arbeitsplatz habe, könne er sich drei Jahre lang bewähren.

„Er arbeitet an sich, dass es nicht mehr vorkommt“, sagte der Verteidiger. Sein Mandant sei in einer gereizten Stimmung und in einem traumatisierten Zustand gewesen, er stelle sich seiner Verantwortung. Eine Geldstrafe sei ausreichend, „eine Freiheitsstrafe ist nicht geboten“. Der Anwalt verwies auf „eine aufrichtig ausgesprochene Entschuldigung“ gegenüber den Polizeibeamten, die angeklagte Trunkenheitsfahrt aber sei nicht zweifelsfrei bewiesen. Richterin Eichler sah das anders und folgte im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft. Da der Angeklagte einsichtig, reuig und nicht vorbestraft sowie eineinhalb Jahre nicht mehr aufgefallen sei, sei ein Fahrverbot nicht erforderlich. (Manfred Schaake)

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