Parlamentsbeschlüsse zur Sicherheitsinitiative „Kompass“

Bad Wildungen will Angst-Räume besser ausleuchten, Mülleimer besser verteilen und leeren

Das frühere Landesgartenschaugelände, hier der Pavillon der Königsquelle unterhalb von Schloss Friedrichstein, wird von Vielen in Bad Wildungen nach Anbruch der Dunkelheit gemieden, ergab die KOMPASS-Umfrage zu Sicherheit und Sicherheitsgefühl: ein „Angst-Raum“ also.
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Das frühere Landesgartenschaugelände, hier der Pavillon der Königsquelle unterhalb von Schloss Friedrichstein, wird von Vielen in Bad Wildungen nach Anbruch der Dunkelheit gemieden, ergab die KOMPASS-Umfrage zu Sicherheit und Sicherheitsgefühl: ein „Angst-Raum“ also.

Einstimmig hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung einen Katalog beschlossen, der mehr Sicherheit und ein größeres Sicherheitsgefühl in Bad Wildungen untermauern soll.

Bad Wildungen – Angst-Räume, also die berühmten dunklen Ecken einer Stadt, sollen vermieden oder verringert werden durch Umgestalten und kleinere Umbauten. Das beginnt beim Freischneiden von Straßenbeleuchtung unter Bäumen oder dem Schaffen von Mauerdurchbrüchen zwecks Laternenlichtfalls auf Flächen, die sonst weiter im Schatten liegen. Der geplante neue Outdoorplatz soll einen neuen Treffpunkt für Jugendliche schaffen. Ziel: Freizeitgestaltung kanalisieren und Rezepte gegen Langeweile außerhalb von Vereinen und Einrichtungen bieten.

Das Netz der Mülleimer soll verbessert und ihr Leeren effektiver organisiert werden, etwa durch Technik, mit der ein Abfallkorb selbst anzeigt, voll zu sein, eine Task-Force „Saubere Stadt” gegründet. Weitere Themen soll ein Präventions- und Sicherheitstag aufgreifen. Jede Fraktion der Stadtverordnetenversammlung benennt außerdem eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner für „Kompass“.

Bad Wildungen seit 2020 Teil der hessischen Sicherheitsinitiative „KOMPASS“

Bad Wildungen ist seit Februar 2020 Teil dieser von der Landesregierung ausgerufenen hessischen Sicherheitsinitiative, die ausformuliert „Kommunalprogramm Sicherheitssiegel“ betitelt ist. Zum Start wurde die Bevölkerung befragt.

Die Umfrage stammt vom Juni 2020. Professorin Dr. Britta Bannenberg vom Lehrstuhl für Kriminologie der Justus-Liebig-Universität Gießen begleitete sie und wertete sie aus. Von knapp 16 000 Personen über 14 Jahren wurden knapp 3800 nach dem Zufallsprinzip angeschrieben. Die Rücklaufquote von 25 Prozent fiel im Landesvergleich sehr hoch aus. Die Fragen zielten vielfach aufs Sicherheitsgefühl ab; 95 Prozent der Befragten fühlen sich tagsüber in der Stadt sicher, nachts sinkt das Sicherheitsempfinden auf 60 Prozent.

In der Kernstadt ist die Unsicherheit nachts größer als in den Stadtteilen

Die Befragten bewegen sich in der Kernstadt nachts mit einem mulmigeren Gefühl als in den Stadtteilen. 51 Prozent der Befragten aus der Kernstadt meiden nach Einbruch der Dunkelheit bestimmte Orte wie die Fürstengalerie, gefolgt von der Altstadt, dem ehemaligen Landesgartenschaugelände sowie dem Kurpark und Brunnenallee/ Brunnenstraße. Verfallende Gebäude, verlassene Grundstücke, Müll, Schmutz oder einfach Verhalten Anderer, das von der Norm abweicht, beeinträchtigen demnach das Sicherheitsgefühl. klassisches Beispiel: nächtliches Grölen.

Positiv: Die meisten Befragten denken selten oder nie daran, selbst Opfer einer Straftat zu werden. Jedoch haben knapp 40 Prozent manchmal oder häufig die Befürchtung, Opfer einer Sachbeschädigung zu werden, gefolgt vom Einbruchsdelikt mit 38 Prozent. Zum eigenen Schutz haben daher knapp 17 Prozent der Befragten ihr Eigenheim mit einem Einbruchschutz versehen.

Bereits etabliert für mehr Sicherheit: Freiwillige Polizei, Sicherheitsberater für Senioren, „Schutzfrau vor Ort“

Auf Grundlage einer eigenen Analyse dieser und weiterer Ergebnisse leitete das Arbeitsgremium „Kompass“ erste Schritte ein. Es besteht aus dem Fachberatungsteam, Mitgliedern der Stadtverwaltung und der Polizei.

Seit 2019 patrouilliert wieder der Freiwillige Polizeidienst durch Bad Wildungen. Es gibt einen Sicherheitsberater fur Senioren (SfS) und weitere sollen bald ausgebildet werden. Seit Februar 2020 geht Simone Feusner von der Polizeistation Bad Wildungen als „Schutzfrau vor Ort“ in direkten Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern, etwa in Sprechstunden im Rathaus. Diesem Paket gesellen sich die Beschlüsse der Stadtverordneten hinzu. Die Stadt hofft daher, das offizielle „Kompass“-Siegel vom Land Hessen zu erlangen.

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