Beschuldigter vor dem Amtsgericht Fritzlar: „Nichts entspricht der Wahrheit“

62-Jähriger wegen tätlichen Angriffs auf Polizisten angeklagt

Wegen des tätlichen Angriffs auf Polizisten in Bad Wildungen muss sich ein 62-Jähriger vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten.
+
Wegen des tätlichen Angriffs auf Polizisten in Bad Wildungen muss sich ein 62-Jähriger vor dem Amtsgericht in Fritzlar verantworten.

Wegen eines tätlichen Angriffs in Tateinheit mit versuchter Körperverletzung und Bedrohung muss sich ein 62 Jahre alter Mann aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg vor dem Amtsgericht Fritzlar verantworten. Weil am ersten Verhandlungstag ein wichtiger Zeuge fehlte, wird der Prozess am Dienstag, 1. Juni, ab 11 Uhr fortgesetzt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Die Staatsanwaltschaft Kassel wirft dem Angeklagten vor, im August vorigen Jahres in Bad Wildungen einen Polizeibeamten angegriffen zu haben, um ihn „von polizeilichen Maßnahmen“ gegen einen Mann abzuhalten.

Außerdem soll er einen weiteren Polizisten attackiert haben. Nach dem abgewehrten Schlag hat der Beschuldigte laut Anklage den Beamten mehrfach ins Gesicht geschlagen. Nachdem der Angeklagte gefesselt werden konnte, beleidigte er – so die Staatsanwaltschaft – die am Einsatz beteiligten Beamten und drohte einem von ihnen, ihn umzubringen. Ein weiterer Vorwurf: Einen Beamten versuchte der Angeklagte trotz angelegter Handfesseln gegen den Kopf zu treten.

Nach der Vernehmung von sieben Zeugen blieben Fragen offen. Vor Gericht nicht erschienen war der damalige Mitbewohner des Angeklagten. Dessen Wohnung sollte mit seinem Einverständnis im Zusammenhang mit einem Verstoß gegen das Betäubungsmittel durchsucht werden. Dieser Zeuge wurde nun erneut geladen.

Mehrere Polizeibeamte bestätigten die Inhalte der Anklage und sagten aus, vom Beschuldigten als „Wichser, Scheißbullen, Drecksbullen, Bullenschweine“ beschimpft worden zu sein. Auch habe er gedroht: „Ich mache Euch fertig, ich bringe Euch um.“

Der Angeklagte hingegen beteuerte mehrfach: „Ich habe nichts getan.“ Er sagte aber während der Beweisaufnahme zu den Vorwürfen auch, er habe „nur eine Abwehrbewegung gemacht“.

Während seines Dienstes als Bundesbahn-Beamter hätten ihm Polizisten auch geholfen, so der 62-Jährige. „Ich habe kein Feindbild gegen die Polizei, habe nie ein schlechtes Verhältnis zur Polizei gehabt.“ Er habe sie bisher als stets hilfsbereit erlebt.

„Nichts entspricht der Wahrheit. Was der Oberstaatsanwalt vorgelesen hat, ist eine Lüge.“ Das erklärte der Beschuldigte, nachdem der Oberstaatsanwalt die Anklage verlesen hatte. „Die Geschichte, die Sie erzählt haben, ist unglaublich“, sagte er zum Oberstaatsanwalt. Die Polizei habe nach einem Mann gesucht, „der schon längst nicht mehr bei mir wohnte“. Mehrfach habe er nach dem Durchsuchungsbeschluss gefragt, aber keine Antwort bekommen. Die Polizisten seien nicht als solche erkennbar gewesen. – Dem widersprachen mehrere Einsatzkräfte. Nur einer von ihnen sei in Zivil gewesen.

Zu dritt hätten sie ihn zu Boden geworfen, beklagte der 62-Jährige. „Ich hatte Angst, dass es Einbrecher sind“, weil sein ehemaliger Mitbewohner „dubiose Geschäfte“ gemacht habe. Er selbst habe bei der Auseinandersetzung „jede Menge Verletzungen“ an Händen und Armen erlitten. Er bedauerte, dass ein Pflichtverteidiger abgelehnt worden sei. Und wies darauf hin, dass er in der Region die Stiftung Glaube, Liebe, Hoffnung unterstütze, die unter anderem missbrauchte Frauen und Hartz-4-Empfänger unterstütze.

„Die Situation war bedrohlich“, beschrieb ein Polizeibeamter vor Gericht die damalige Lage. Der Beschuldigte sei sehr aggressiv und betrunken gewesen, habe bei der Festnahme „extreme Gegenwehr“ geleistet.

Ein zuvor vom Beschuldigten benachrichtigter Freund aus dem Schwalm-Eder-Kreis beschrieb im Zeugenstand eine andere Situation am Tatort. Die Polizeibeamten hätten sich trotz seiner Bitte nicht ausgewiesen. Er sei von der Polizei niedergeschlagen worden. Und: „Ich wurde aufs Revier gezerrt und sollte mich nackig machen.“

Die Polizisten hätten auch auf den Angeklagten eingeschlagen. Der habe niemanden angegriffen. Die Schläge auf den Beschuldigten habe er mit dem Handy fotografiert. (Manfred Schaake)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.