„Bin einfach reingewachsen“

24-jährige Bad Wildungerin ist Maurer- und Betonbauermeisterin

Maurer- und Betonbauermeisterin: Jana Weber-Möller nimmt die Meisterurkunde von Ulrich Mütze (rechts), Kreishandwerksmeister und Obermeister der Bau-Innung entgegen; links Kreisgeschäftsführer Gerhard Brühl.
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Maurer- und Betonbauermeisterin: Jana Weber-Möller nimmt die Meisterurkunde von Ulrich Mütze (rechts), Kreishandwerksmeister und Obermeister der Bau-Innung entgegen; links Kreisgeschäftsführer Gerhard Brühl.

Eine 24-jährige Bad Wildungerin ist Maurer- und Betonbauermeisterin.

  • Jana Weber-Möller aus Bad Wildungen ist Maurer- und Betonbauermeisterin.
  • Damit gibt es bei der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg aktuell zwei Frauen mit dem Meistertitel im Maurer- und Betronbau.
  • Das Baugewerbe ist immer noch eine Männerdomäne: Die 24-jährige Maurermeisterin aus Bad Wildungen wird auf Baustellen meist für eine Praktikantin gehalten.

Bad Wildungen – Das Baugewerbe ist noch eine Männerdomäne: Wenn Jana Weber-Möller auf eine Baustelle kommt, wird sie meist für eine Praktikantin gehalten. Aber die 24-Jährige ist Zimmerer-Gesellin und hat gerade ihre Meisterausbildung zur Maurer- und Betonbauerin erfolgreich abgeschlossen.

Zimmererhandwerk in Löhlbach erlernt

Sie arbeitet im Familienunternehmen „Weber Bau“ tatkräftig mit, bedient auf den Baustellen Kran und Bagger und hat als einzige Mitarbeiterin den Führerschein für schwere Lkw. Die Wildungerin hofft, dass mehr Frauen den Weg ins vielseitige Baugewerbe finden, wo Maschinentechnik schwere Handarbeit zumeist abgelöst habe.

Jana Weber-Möller hat keine Mauerausbildung, sondern ist gelernte Zimmerin. Ihre Lehrzeit absolviert sie bei Joh. Wilhelmi Söhne in Löhlbach. Bei einem Praktikum während ihrer Schulzeit schnuppert sie in den Beruf hinein und fängt Feuer. „Das hat mir viel Spaß gemacht“, berichtet sie. Kurz nach der Gesellenprüfung wechselt sie in die Baufirma ihres Vaters Maik Weber im Bad Wildunger Industriegebiet.

Bedient Kran und Bagger und fährt den schweren Lkw

2019 beginnt die Handwerkerin den Meisterkurs an der Holzfachschule. Für die beiden weiteren Module in 2020/21 nimmt sie den Weg bis nach Arnsberg auf sich. „Spätestens jetzt stand für mich fest, dass ich den elterlichen Betrieb einmal übernehmen möchte.“ Ein Bürojob ist nicht ihr Ding. „Ich finde es cool, wenn es regnet und wenn die Sonne scheint, und wenn ich am Ende des Tages sehe, was ich geschafft habe.“

Jana Weber-Möller hilft bei allen Arbeiten auf der Baustelle, bedient Kran und Bagger. „Sie ist die Einzige im Betrieb, die den schweren Lkw fahren darf,“ sagt Vater Maik (49). Den Führerschein hat sie einen Tag vor ihrer Hochzeit gemacht, gleich nach dem Fest ging es mit der Meisterschule weiter.

Mehr Verantwortung übernehmen im Familienunternehmen

Ihren Mann Jens Möller hat sie während der Ausbildung in Löhlbach kennengelernt. Er ist selbst Handwerksmeister und stolz auf die Leistungen seiner Frau: „Das ist große Klasse.“

Die Wildungerin will nun ihren Vater entlasten und bei „Weber Bau“ mehr Verantwortung übernehmen. Laut Vater Maik (49) sind die Auftragsbücher voll, es wird noch ein Azubi gesucht. Tochter Jana hat noch mehr Pläne: „Mein Ziel ist es, das Baugeschäft später einmal zusammen mit meinem Bruder zu übernehmen.“ Er ist 15 Jahre und macht gerade seinen Realschulabschluss.

„Wir sind ein richtiges Familienunternehmen“, sagt die junge Meisterin. Großvater Gert Weber, der Gründer des rund 30 Jahre alten Unternehmens, helfe noch regelmäßig mit. Ihr Vater Maik wird von seiner Schwester Silke Dehnert im Betrieb unterstützt. Weber-Möller hofft, dass sich mehr junge Leute für das Baugewerbe interessieren und auch Frauen den Zugang zu den vermeintlichen Männerberufen finden. „Ich bin in die Arbeit einfach reingewachsen.“

Auf Baustellen meist für eine Praktikantin gehalten

Auf Baustellen werde sie meist für eine Praktikantin gehalten. „Wenn ich mit einem Gesellen vor Ort bin, wird er angesprochen, und nicht ich. Aber wenn ich dann mit dem Bagger um die Ecke komme, staunen die männlichen Kollegen nicht schlecht – und wenn sie hören, dass ich Gesellin bin und auch noch meinen Meister in der Tasche habe, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr raus.“

Maurermeisterinnen sind rar

Maurermeisterinnen im Waldeck-Frankenberger Bauhandwerk sind rar. Laut Gerhard Brühl von der Kreishandwerkerschaft ist Jana-Weber Möller eine von zwei Frauen im Landkreis mit diesem Meistertitel. „Wir brauchen Führungskräfte im Bau“, betont der Obermeister der Bau-Innung, Kreishandwerksmeister Ulrich Mütze.

Die Branche sei auch für Frauen attraktiv. Schwere Arbeit sei längst durch moderne Maschinentechnik abgelöst, betont Mütze.

80 Prozent der Azubis kommen über ein Praktikum in Berufe des Bauhandwerks

Das Handwerk brauche Nachwuchs, und das Baugewerbe biete auch Chancen für Mädchen, verweist der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl. Die Vergütung von 890 Euro im ersten Lehrjahr sei attraktiv. Dennoch fänden 80 Prozent nur über ein Praktikum den Weg in diese Berufe. Die Meisterprüfung berechtige auch zum Studium. Finanziell forderte Brühl eine Gleichbehandlung. Für die Meisterausbildung zahlte die Bad Wildungerin rund 10 000 Euro, die Studienkosten seien dagegen gering. (Cornelia Höhne)

Auf der Baustelle alles im Griff: Jana Weber-Möller bringt männliche Kollegen oft zum Staunen.

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