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Brennholz-Boom im Bad Wildunger Stadtwald - Nachfrage extrem gestiegen

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Von: Cornelia Höhne

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Trockenheit und Sturm schädigten den Stadtwald: Am Pärner Weg im Revier Bad Wildungen sollen auf rund 26 Hektar geförderte Eichenkulturen angelegt werden.
Trockenheit und Sturm schädigten den Stadtwald: Am Pärner Weg im Revier Bad Wildungen sollen auf rund 26 Hektar geförderte Eichenkulturen angelegt werden. © Cornelia Höhne

Ernst ist die Lage im Bad Wildunger Stadtwald. Ein erheblicher Rückgang der Einschlagsmengen lässt Verluste von bis zu 200 000 Euro erwarten. Gleichzeitig ist die Wiederbewaldung eine Herkulesaufgabe.

Bad Wildungen – Erhebliche Investitionen in die Wiederbewaldung auf bis zu 300 Hektar sind notwendig. Forstleute gehen von 1,5 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren aus.

Martin Berthold und Philipp Möller und von der Kommunalwald GmbH erläuterten den Ausschüssen des Stadtparlaments die aktuelle Situation und zeigten Perspektiven auf. Aber die sind alles andere als rosig. Der Verlust an Fichtenflächen hat langfristig erhebliche Mindereinnahmen aus der Holzernte zur Folge, die Forstbeamten gehen bei dem aktuellen Preisniveau von einem Einnahmeverlust im Stadtwald von grob geschätzt rund 150 000 bis 200 000 Euro im Jahr aus – und zwar für die nächsten zehn bis 20 Jahre.

Rückblick auf das Jahr 2021 mit Holzverkäufen und Erlösen

Kalamitätsbedingt wurden 30 000 Festmeter eingeschlagen, das entspricht dem dreifachen Jahreseinschlag. 26 000 Festmeter entfallen auf Fichten und 3500 auf Buchen. Was davon noch verwertbar war für höherwertige Verwendung wurde verkauft. Den Erlösen in Höhe von rund 1,08 Millionen Euro stehen 780 000 Euro an Aufwendungen gegenüber. Erwirtschafteter Gewinn: 300 000 Euro.

Die Freiflächenerfassung ist bisher in einer Größenordnung von 213 Hektar auf 74 Einzelflächen erfolgt und wird weiter fortgesetzt. Ziel ist die Wiederbewaldung und Gliederung erster Freiflächen.

Ausblick auf 2022 bei der Bewirtschaftung des Bad Wildunger Stadtwalds

Der Planentwurf sieht ein Betriebsergebnis mit einem Minus von knapp 160 000 Euro vor als Ergebnis zurückgehender Holzgeldeinnahmen und erheblicher Kosten für die Walderneuerung.

Bei Frühjahrsstürmen glimpflich davon gekommen

Relativ glimpflich kam der Bad Wildunger Wald nach Angaben Bertholds bei den Frühjahrsstürmen in 2022 davon. Bäume mit etwa 2000 Festmeter Sturmholz sind gefallen – die Schäden konzentrierten sich nicht auf einen Schwerpunkt sondern verteilten sich über die gesamte Fläche. Leider seien dabei sehr viele Samenbäume verloren gegangen.

Laubholzeinschlag in geschädigten Bereichen

Im Fokus steht die Buche mit Schwerpunkt in den stark geschädigten Bereichen im Revier Bad Wildungen – Ohrberg, Nickelskopf inklusive Feldrand. Im Revier Edertal wurden geschlossene, weitgehend intakte Bestände nicht durchhauen.

Nicht soviel Brennholz verfügbar, wie nachgefragt

Bereits im vorigen Jahr stieg die Nachfrage nach Brennholz erheblich an, in der jüngsten Bestellperiode hat sie laut Berthold noch einmal extrem zugenommen. Die Nachfrage in dieser Größenordnung könne auf Dauer nicht bedient werden. „Da müssen wir uns gemeinsam Gedanken machen, wie wir das legitimieren“, gab Berthold den Ausschussmitgliedern mit auf den Weg.

Wiederbewaldung am Pärner Weg mit geförderten Eichenkulturen

Am Pärner Weg laufen aktuell Pflanzmaßnahmen auf 26 Hektar. Im Fokus sind geförderte Eichenkulturen. Im Stadtwald fanden Sponsoring-Maßnahmen mit unterschiedlichen Partnern statt, die sich bei Neuanpflanzungen engagierten. Berthold: „Das sind ganz tolle Projekte, die aber gelenkt und gesteuert werden müssen.“

Die Nordwestdeutsche Versuchsanstalt hat eine Karte erstellt mit Klimafaktoren und Standort. Danach eignen sich Eiche, Weißtanne, Lärche, Küstentanne, Elsbeere, Douglasie besonders für die heimische Region. „Wir versuchen ein möglichst buntes Portfolio auf die Fläche zu bringen.“ Bewässerung sei kein Thema. Berthold: „Um zehn Milliliter Regenwasser zu simulieren bräuchten wir Millionen Liter auf einem Hektar.“

Laut Philipp Möller ist die Verfügbarkeit am Pflanzenmarkt in ganz Mitteleuropa ein limitierender Faktor bei der Wiederbewaldung. Dazu komme der Preisanstieg. „Douglasien haben vor fünf Jahren 50 Cent gekostet pro Stück, jetzt 1,20 Euro.“

Wege in schlechtem Zustand

Wege sind nach Einschätzung der Forstleute in einem schlechten Zustand. Der Kurbereich wird vorrangig instand gesetzt. Übernommen wurden jedoch nur „einfache“ Wegepflege und Reparaturen nach Holzerntemaßnahmen. In den nächsten Jahren sollen Grundinstandsetzungen nach einem Prioritätenplan mit forstlicher Förderung abgearbeitet werden. (Cornelia Höhne)

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