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Dach des Turms der Stadtkirche Bad Wildungen muss für Millionenbetrag saniert werden

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Von: Matthias Schuldt

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Marodes Schieferdach des Turms der Stadtkirche Bad Wildungen vom Hubsteiger aus mit Schloss Friedrichstein im Hintergrund
Vom Hubsteiger aus offenbarte sich vor zwei Jahren das Ausmaß der Schäden am Schieferdach. © Büro Albrecht-IBB Kassel/pr

1,4 Millionen Euro kostet nach erster Berechnung von Bauingenieur Holger Albrecht (Kassel) die Sanierung des Turms der Stadtkirche Bad Wildungen. Er stellte die Analyse im Luther-Haus vor.

Bad Wildungen – „Wenn man von unten schaut, sieht das Dach eigentlich ganz gut aus“, fasste er seinen ersten Eindruck von der Begutachtung vor zwei Jahren zusammen. Als die Experten vom Büro Albrecht-IBB in Kassel unter seiner Leitung jedoch mit Hilfe eines großen Hubsteigers von außen und sodann bei der Begehung innen genau hinsahen, offenbarte sich Schritt für Schritt ein katastrophaler Zustand der erweiterten Konstruktion.

„Wenn wir Schiefertafeln anfassten, hatten wir sie in der Hand. Es gab keine Nägel mehr“, schilderte der Ingenieur dem rund 30-köpfigen Publikum, das der Einladung des Kirchenvorstands gefolgt war. Das Auge der Crew fiel in schwindelerregender Höhe auf viele Lücken und Löcher, durch die über lange Zeit Regen zur darunter befindlichen Schalung, zu Pfosten, Sparren, Deckenbalken, kurz, zur gesamten Holzkonstruktion durchgedrungen war. „Der Eichenporling, ein Pilz, wächst in den historischen Eichenbalken“, führte Albrecht ein bezeichnendes Beispiel für die Folgen der steten Feuchtigkeit an. Fäulnis regiert überall im Gebälk des historischen Baus.

Zwei Kilogramm schweres Gegengewicht der Kirchturmspitze drohte abzustürzen

Die großen Schäden betreffen damit nicht allein die Dachhaube, „Welsche Haube“ genannt, sondern auch den Unterbau, der sie trägt. An vielen Stellen ist die Statik unsicher. Konsequenz daraus war, dass vor knapp zwei Jahren die Schieferdeckung im oberen Bereich abgenommen wurde, da die Schindeln in die Tiefe zu stürzen drohten. Mit einer Folie wurde das Dach notfallmäßig gesichert, der Vorplatz gesperrt.

Wahrzeichen der Stadt: das Dach des Wildunger Kirchturms samt Unterkonstruktion ist kaputt.
Wahrzeichen der Stadt: das Dach des Wildunger Kirchturms samt Unterkonstruktion ist kaputt. © Matthias Schuldt

Ein grünes Netz verhindert, dass sich weitere Schieferplatten lösen. Verschwunden ist die Kirchturmspitze mit eiserner Fahne und kugeligen Gegengewicht. „Es hing nur noch an einem dünnen Draht“, sagt Albrecht. Nicht auszudenken, wäre das zwei Kilogramm schwere Teil herunter gefallen.

Sanierung des Turms der Stadtkirche Bad Wildungen auf zwei Bauabschnitte angelegt

Die Sanierung ist auf zwei Bauabschnitte angelegt. Ab Juli 2023 steht der Unterbau auf dem Programm. Die Holzkonstruktion muss umfänglich saniert und statisch ertüchtigt werden. Dann kann sie das Dach auf Dauer weiter tragen und erst dann bietet sie einen Anker für das Gerüst, von dem aus im zweiten Bauabschnitt das Dach instand gesetzt wird.

Vielerlei zusätzliche Dinge gilt es zu beachten. So nisten Wanderfalken im Turm. Sie beim Brüten zu stören, ist verboten. Deshalb beginnen die Arbeiten nicht vor Juli, schilderte Albrecht. Im Turm befinden sich Anlagen der Mobilfunkanbieter, ohne die Handyempfang in weiten Teilen von Bad Wildungen unmöglich wäre. „Die Anlagen müssen für die Sanierung aus dem Turm heraus und werden am Gerüst befestigt“, erläuterte Holger Albrecht.

Absicherung zu komplex und teuer: Öffentliche Führungen im Turm der Stadtkirche Bad Wildugnen wird es nie geben

Last not least hat der Denkmalschutz einen genauen Blick auf das Projekt. Die Planer müssen sich eng mit der Behörde in vielen Details abstimmen. So muss die alte hölzerne Treppe ebenso erhalten bleiben, wie die Türmerstube.

Es gibt viel Interessantes dort oben zu sehen, aber eine Hoffnung nahm der Ingenieur auf Nachfrage gleich: öffentliche Führungen im Turm werde es nie geben. „Der Aufwand wäre viel zu hoch, die nötige Sicherheit durch Umbau herzustellen.“

Förderkreis für Sanierung des Turms der Stadtkirche Bad Wildungen gegründet

Pfarrerin Andrea Hose-Opfer rief einen Förderkreis für die Turmdachsanierung ins Leben, als Fachausschuss des Kirchenvorstands. Aktive Mitglieder wirken mit, so lange sie das möchten. Passive Mitglieder beteiligen sich durch Spenden. Jahresbeitrag: 24 Euro. Mitglied können nicht nur natürliche Personen werden, sondern auch Institutionen wie Unternehmen. Das Aufnahmeformular ist erhältlich in den Kirchen, im Luther-Haus und unter www.bad-wildungen-evangelisch.de. Erste Mitglieder trugen Mittwoch deutlich höhere Jahresbeiträge freiwillig ein. Zudem gab es eine Spende über 1000 Euro.

Ein ermutigender Start, denn die Gemeinde als Eigentümerin und Bauherrin kann das Vorhaben nicht allein stemmen. Zumal auch das Dach des Kirchenschiffes in nicht allzu ferner Zukunft erneuert werden muss.
Die Stadt hat ihre einstigen Pflichten zur Beteiligung am Bau-Unterhalt Kirche längst abgelöst. „Wir werden trotzdem unterstützen, allein schon durch Hilfe bei der Suche nach Fördermöglichkeiten“, versprach Bürgermeister Ralf Gutheil. (Matthias Schuldt)

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