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„Insection“: Bad Wildunger Theatergruppe präsentiert ungewöhnliches Stück

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„Insection“ auf der Theaterbühne: Im Kompostclub wird viel gelacht und geflirtet.
„Insection“ auf der Theaterbühne: Im Kompostclub wird viel gelacht und geflirtet. © Barbara Liese

Die Bad Wildunger Theatergruppe „Thespiskarren“ feierte in der Reinhardshäuser Wandelhalle Premiere des ungewöhnlichen Stücks „Insection“.

Bad Wildungen – Sie flattern, surren, gaukeln und flimmern schon früh durch das Foyer der Wandelhalle in Reinhardshausen. Immer in Bewegung finden sie erst kurz vor Premierenbeginn ihren Platz auf der Bühne. Stillstehen wollen und können sie aber auch dort nicht. So sind Insekten eben. Für knapp zwei Stunden scheinen die Darsteller des Wildunger Thespiskarren-Ensemble ganz ihrem Insektendasein aufzugehen.

„Diese andauernde Bewegung zu finden und in der Rolle zu bleiben war tatsächlich am schwierigsten“. Erzählt Kristin Schäfer, die als Motte durch die Geschichte flattert. „Es sollte ja auch nicht zu viel sein und trotzdem Jeder hat deshalb für sich die passende Bewegung gesucht, die gleichzeitig auch den Charakter des Tieres widerspiegeln sollte.“

Grünschimmernd: Gottesanbeterin, Iris Schrei.
Grünschimmernd: Gottesanbeterin, Iris Schrei. © Barbara Liese

Der Nagelkäfer hat es besonders schwer

Ein Insekt mit Charakter? Insection lässt von Beginn an keinen Zweifel daran, dass auch die Insekten, von der Fruchtfliege bis zum veilchenblauen Wurzelhalsschnellkäfer, die nicht gerade zu den Sympathieträgern ihrer Spezies gehören, eigene Persönlichkeiten sind.

Der Nagelkäfer, die Figur von Klaus Stützle, machte es dem Schauspieler besonders schwer. „Er sitzt im Holz, egal ob morsch oder gesund, mümmelt vor sich hin und bewegt hin und wieder sein Hinterteil. Das lässt sich schwer spielen. Ich habe mich lange mit ihm beschäftigt, überlegt, wie er wohl sein könnte, dass er auch zu mir passt. Ich habe so meine eigene Wuseligkeit entwickelt, die ihm eine ganz besondere authentische Art geben sollte.“

Irgendwie schaffte es der eigentlich träge Käfer auf der unermüdlichen Suche nach einer Partnerin, so das Publikum und seine Gefährten immer auf Trab zu halten.

Stolzer Seidenspinner: Gabriele Goethe zeigt selbst gesponnen Seidenfaden.
Stolzer Seidenspinner: Gabriele Goethe zeigt selbst gesponnen Seidenfaden. © Barbara Liese

Nacheinander stellen sie sich alle Insekten vor, erzählen von ihrem Leben, ihrer Bestimmung. Mit Heiterkeit, Humor, aber auch sachlichen Informationen nehmen sie das Publikum schnell mit in ihre Welt. Alle gemeinsam machen sich dann in zwei Gruppen auf den Weg durch die Wandelhalle.

Sekt trinken und von Mehlwürmern naschen

Mit einem Glas Sekt konnten Zuschauer ein bisschen von Mehlwürmern naschen und schlenderte vorbei an einer Ausstellung mit Bildern von Schülern der gymnasialen Oberstufe und des amerikanischen Künstlers Steven Kutcher. Er betupfte Insekten mit Farbe und lockte sie mit Licht und Vibrationen über die Leinwand. Entstanden sind beeindruckende Farbspiele der Natur.

Ein Persönlichkeitstest offenbart, welches Insekt man in der anderen Welt wohl sein würde. Immer umschwirrt von den unermüdlichen Gastgebern ging es dann nach draußen zum Kompostclub, dem Ort, an dem man offen über Fortpflanzung und Sex sprechen kann. So lange bis ein Stück weiter der Rasenmäher die Idylle stört.

Auf jeden Menschen kommen 1,4 Milliarden Insekten

Regisseurin Annika Schäfer und ihrem Team ist es gelungen mit viel Fantasie ‚Insection’, die Idee der Autorin Hannah Zufall, eindrucksvoll, unterhaltsam, mit Gefühl und Sachkenntnis umzusetzen. Es wird viel gelacht und gestaunt an diesem Abend. Langer Applaus belohnt die Schauspieler und alle, die hinter den Kulissen zu dem Premierenerfolg beigetragen haben.

Auf jeden Menschen dieser Erde kommen rund 1,4 Milliarden Insekten. Es mag an dieser unerschöpflich scheinenden Masse liegen, dass das Insektensterben unserer Zeit noch immer wenig Beachtung findet.

Karl der Käfer, Bernhard Schäfer, als cooler DJ.
Karl der Käfer, Bernhard Schäfer, als cooler DJ. © Barbara Liese

Wieder zurück in der Wandelhalle richten deshalb alle noch einmal eindringenden Appell an das Publikum. „Achtet mehr auf uns, gebt uns Lebensraum und lasst uns einfach leben.“

Weitere Aufführungen im Mai

Weitere Aufführungen von „Insection“ in der Wandelhalle Reinhardshausen finden an den Wochenenden 14. und 15.Mai sowie 21. und 22. Mai statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es im Internet unter www.theaterambunker.de, im Bad Wildunger „Buchland“ oder an der Abendkasse der Wandelhalle. (Barbara Liese)

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