Politiker wollen 5-Millionen-Euro-Projekt schneller angehen

Der Bauhof Bad Wildungen hat Not in jeder Hinsicht und muss neu gebaut werden

Stand der späten 1960er Jahre: Der Bauhof muss dringend neu gebaut werden.
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Stand der späten 1960er Jahre: Der Bauhof muss dringend neu gebaut werden.

Für fünf Millionen Euro muss der Wildunger Bauhof neu gebaut werden. Politiker drängen auf höherers Tempo bei den Planungen wegen miserabler Umstände für die Beschäftigten.

Bad Wildungen – Besser nächstes Jahr, als erst 2023: Am liebsten hätten Dr. Hans Schultheis (Freie Wähler) und Walter Mombrei (SPD) sofort den Startschuss gegeben für den Neubau des Städtischen Bauhofs, nachdem dessen Leiter Ralf Blümer dem Finanzausschuss einen ausführlichen Bericht zur Lage gegeben hatte. Sie ist sehr schlecht, was Gebäude und Ausstattung angeht. Beim Personal herrscht Mangel.

„Der Bauhof befindet sich nicht einmal auf dem Stand der 1970er Jahre, sondern eher auf dem der 60er“, diagnostizierte Mombrei aus eigener Anschauung heraus. Ralf Blümer benannte Details, an denen sich das ablesen lässt. „Wir haben keinen Schwarz-Weiß-Bereich“, erklärte er. Schwarz steht für den Raum, in dem Arbeitskleidung an- und abgelegt wird. Weiß repräsentiert den Raum, den Beschäftigte nur in der eigenen Straßenkleidung betreten. Dazwischen liegt ein Sanitärtrakt mit Duschen.

Beim Arbeitsschutz in den Werkstätten weit vom modernen Arbeitsschutzstandard entfernt

Moderner Arbeitsschutz ist ebenso in den überalterten Werkstätten ein Fremdwort: „In der Kfz-Werkstatt dürften wir eigentlich keine Reparaturen mehr machen“, sagte Blümer. Lackierarbeiten sind auf gutes Wetter angewiesen, weil sie draußen erledigt werden müssen: Es fehlt unter anderem an vorgeschriebener, moderner Be- und Entlüftung in den Bauten. Die Freiflächen sind kaum befestigt mit allen daraus sich ergebenden Folgen..

„Was müsste passieren, damit der Bauhof wieder einen Arbeitstrupp zur Straßenreparatur bilden kann, wie wir ihn eine Zeit lang hatten?“, wollte Walter Mombrei wissen. „Eine unbesetzte Stelle müsste mit einem Straßenbauer besetzt werden und wir bräuchten eine zusätzliche Stelle“, antwortete Blümer. Der Stamm würde dann 60 statt der bisher 59 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassen.

Seit Jahren fünf Stellen im Wildunger Bauhof nicht besetzt

„Das reicht aus“, fügte der Bauhofleiter hinzu, aber: seit Jahren seien fünf Stellen unbesetzt, vorrangig wegen Elternzeit und Krankheit. „Das ist äußerst problematisch. Es muss schnell neu besetzt und Krankheitsvertretung sichergestellt werden“, betonte Blümer.

Die Aufgaben des Bauhofes wuchsen im Lauf der Jahrzehnte, schilderte Blümer. Der Klimawandel lässt die Bäume kranken, so dass sie beständig zu kontrollieren und in wachsendem Maße zu beschneiden oder gar zu fällen sind, um die Sicherheit von Menschen und Verkehr zu wahren. Die Pflege der Kur-Infrastruktur gesellte sich mit der Kommunalisierung des Staatsbades hinzu. Sowohl die Zahl städtischer Gebäude als auch die Größe der zu hegenden Gesamtfläche stiegen. „Wir werben mit dem größten Kurpark Europas. Dann müssen wir ihn auch pflegen“, unterstrich Blümer.

Es fehlt an 450-Euro-Kräften in mehreren Stadtteilen von Bad Wildungen

Umweltschutzauflagen stellen das Team vor neue Herausforderungen. „Wir dürfen keine Pestizide mehr einsetzen und das ist auch gut, aber wir können deshalb nicht alles vom Bewuchs frei halten.“ Das stoße in Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis, was auch für die zurückhaltende Pflege etwa von Wiesen gelte. Der Bauhof mulcht sie mit Blick auf den Schutz von Insekten und anderen Arten nicht mehr, sondern mäht sie ein bis zwei Mal pro Jahr. Der Aufwand schrumpft dadurch nicht zwingend, weil das Gemähte beispielsweise abgefahren werden muss. Beschwerden erreichen per Telefon den Bauhof und müssen im Gespräch geklärt werden.

Zusätzliches Problem: Früher übernahmen Landwirte oder 450-Euro-Kräfte in allen Stadtteilen die Pflegearbeiten. Für Mandern, Odershausen und Braunau hat sich niemand mehr gefunden, also muss der Bauhof ran.

Neubau des Bauhofs Bad Wildungen erst ab 2023 und dann noch in zwei Abschnitten

Für fünf Millionen Euro soll ab 2023 am jetzigen Standort in zwei Bauabschnitten ein neuer Bauhof entstehen. Der Etat 2022 enthält nur die Planungskosten. „Die Planung muss schneller gehen“, verlangte Schultheis. Jeder Monat früher sei ein gewonnener Monat. Dann müsse man sich eben höher verschulden.

Dem stehe das Haushaltsrecht entgegen, mahnte Bürgermeister Ralf Gutheil. „Dann riskieren wir eben den Gang vors Verwaltungsgericht“, hielt Mombrei dagegen. Kreditzinsen seien niedrig und „für unser Erspartes zahlen wir Strafzinsen. Auf das Gerichtsurteil bin ich gespannt.“ Einzig Marc Vaupel (CDU) war skeptisch. Er will erst einmal genau Aufgaben- und Organisationsstruktur des Bauhofes geklärt wissen. „Das kann ihnen Herr Blümer in einer stillen Stunde erklären“, riet Mombrei. (Matthias Schuldt)

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