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Antikriegsbotschaft: Ukrainerin zeigt preisgekröntes Fotoprojekt in Bad Wildungen

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Von: Cornelia Höhne

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Preisgekröntes Fotoprojekt: Zoya Shu, ukrainische Fotografin und Journalistin, eröffnet am Samstag eine Ausstellung in der Stadtkirche zum Titel Integrität. „Kriegswunden sind Wunden eines Jeden von uns.“
Preisgekröntes Fotoprojekt: Zoya Shu, ukrainische Fotografin und Journalistin, eröffnet am Samstag eine Ausstellung in der Stadtkirche zum Titel Integrität. „Kriegswunden sind Wunden eines Jeden von uns.“ © Cornelia Höhne

Die ukrainische Fotografin und Journalistin Zoya Shu zeigt in der Bad Wildunger Stadtkirche das preisgekröntes Fotoprojekt „Integrität“; die Ausstellung wird am 24. September 2022 eröffnet.

Bad Wildungen – Narben und Wunden eines Kriegs hat die ukrainische Fotografin und Journalistin Zoya Shu auf Fotos gebannt. Sie sollen zeigen, welche Schäden durch Menschen versacht werden und das Bewusstsein schärfen, um weitere Katastrophen zu verhindern. Für das Projekt „Integrität“ wurde der Ukrainerin in 2021 ein Internationaler Fotopreis in Tokio verliehen.Jetzt wird es in der Bad Wildunger Stadtkirche gezeigt.

Im März nach Bad Wildungen geflüchtet

Zoya Shu lebte in Kiew, hat als Journalistin und Fotografin für „Associated Press“ und dpa fotografiert, unter anderem im Wahlkampf des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im März 2022 – kurz nach Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – flüchtet ihre Mutter nach zweiwöchigem schweren Beschuss aus ihrer Heimat in der Donbass-Region. Zoya Shu verlässt mit ihr die Ukraine. Durch Bekannte in Deutschland kommen Mutter und Tochter nach Bad Wildungen.

In der Stadtkirche will die Ukrainerin nun eine starke Antikriegsbotschaft mit Kampfnarben eines verstümmelten und traumatisierten Landes vermitteln, erzählt sie in fließendem Englisch. Sie zeigt Wunden, die Menschen erlitten haben, die für die Verteidigung ihrer Heimat eingetreten sind. Es sind Folgen des russischen Überfalls in 2014, als die Krim besetzt und Teile der Oblaste Donezk und Luhansk besetzt wurden.

Gezeichnet von Verletzungen durch Minen, Granatsplitter, Kugeln

„Die Ukraine befindet sich seitdem in einem Zustand des physischen und hybriden Krieges“, skizziert Shu in 2021 ihr gerade fertig gestelltes Fotoprojekt. Da ahnt sie noch nicht, dass es noch viel Schlimmer kommt. Denn durch die den russischen Angriff im Februar 2022 hat ihr Projekt neue Aktualität erfahren. Die Fotografin zeigt großformatige Schwarz-Weiß-Aufnahmen – bedrohlich, schmerzhaft, gesichtslos und doch persönlich. In Gesichter blickt der Betrachter nicht, und es geht auch nicht um Einzelschicksale. So will Shu zeigen, „dass dieser Krieg uns alle betrifft“.

Es sind vor allem junge Leute – viele unter 30 Jahren – die von schweren Kriegsnarben gezeichnet sind, durch Minen, Granatsplitter oder Kugeln. Shu hat Soldaten mit Kopfverletzungen durch Sniper-Munition und mit amputierten Gliedmaßen besucht. Die Arbeit für die Fotoserie sei gleichzeitig auch Therapie beim Austausch über Schmerz, Trauer oder Verlust, reflektiert die Preisträgerin. „Meine Fotografien können als kollektives Porträt der Welt gesehen werden, in der es so wenig Liebe und so viele Möglichkeiten gibt, Schmerz zu verursachen.“

Ausstellung wird am 24. September in der Wildunger Stadtkirche eröffnet

Shu will aufrütteln mit ihren Bildern. „Kriege finden statt, um verschiedene Werte zu erhalten, der größte Wert ist jedoch das Leben.“ Die Katastrophe sei längst passiert, das Ende aber nicht in Sicht. „Wir müssen es stoppen, wir müssen Schlimmeres verhindern.“

Die Ausstellung von Zoya Shu wird am Samstag, 24. September, um 16 Uhr in der Bad Wildunger Stadtkirche mit Pfarrerin Kerstin Hartge und musikalischer Umrahmung durch Gereon Schoplick eröffnet. Die Fotoserie ist bis zum 23. Oktober während der Öffnungszeiten der Kirche zu sehen.

Bei der Eröffnung will sich die Ukrainerin für die Gastfreundschaft in Deutschland, und die große Unterstützung bedanken, die sie in Bad Wildungen erfahren habe. „Wir sprechen nicht die gleiche Sprache, aber wir lachen und weinen alle auf die gleiche Weise. Wir sind alle Menschen. Wir sind eins.“ (Cornelia Höhne)

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