Feuer in Mutter-Kind-Klinik

Nach Brand: Mütter und Kinder danken Ehepaar Kapouranis

Dankeschön: Bewohner der Mutter-Kind-Klinik Talitha und die Klinikleitung bedankten sich bei Dimitrios und Irini Kapouranis für ihre spontane Hilfe in der Brandnacht (kleines Foto). Foto:  Klein/nh

Bad Wildungen. Spontane Hilfe leisteten Dimitrios Kapouranis und seine Ehefrau Irini. Als die Mutter-Kind-Klinik wegen eines Brandes geräumt wurde, öffneten sie ihr Restaurant Santorini für die Evakuierten.

Diese Nacht wird vielen Bewohnern der Mutter-Kind-Klinik Talitha wohl für immer im Gedächtnis bleiben. Vergangenen Dienstag mussten 35 Mütter sowie 54 Kinder im Alter von sechs Monaten bis elf Jahren und das diensthabende Pflegepersonal die Klinik wegen eines vorsätzlich gelegten Feuers verlassen. Spontane Hilfe leisteten Dimitrios Kapouranis und seine Ehefrau Irini. Sie öffneten ihr Restaurant Santorini für die Evakuierten.

„Das war der Horror“, sagt Dimitrios Kapouranis, der das Feuer zuerst bemerkte und den Notruf wählte. Aufmerksam wurde er wegen eines Feuers an seinem Restaurant Santorini. „Wir waren in der Küche und haben es draußen Knistern gehört.“ Der Brandstifter hatte dort einen gelben Sack angezündet, der neben einem geparkten Auto lichterloh brannte.

Während Kapouranis das Feuer löschte rief er bei der Polizei an. „Die haben mir gesagt, dass die Feuerwehr unterwegs sei und das es auch an zwei anderen Stellen brennen würde. Dann habe ich gesehen, wie das Talitha brannte.“

Schreiend aus dem Haus

Kinder und Mütter seien schreiend und voller Panik aus dem Haus auf die Straße gerannt. „Viele hatten nur eine Unterhose an. Die Mütter und Kinder weinten.“ Dimitrios Kapouranis wollte helfen: „Ich wollte in das verrauchte Haus um noch weitere Personen herauszuholen. Doch die mittlerweile eingetroffene Polizei und die Feuerwehr haben mich davon abgehalten.“

Beim Anblick der Szenen in der kalten Nacht habe auch seine Ehefrau Irini geweint, gleichzeitig begann das Ehepaar zu handeln. „Wir haben unsere Restaurantgäste aufgefordert das Haus zu verlassen, damit genügend Platz für die Frauen und Kinder da war. Unsere Gäste hatten Verständnis. Wir haben von ihnen auch kein Geld für die Speisen verlangt.“

Bei den Evakuierten habe sich die Panik im Restaurant langsam gelegt, wenngleich sie etwa zehn Minuten lang unter starkem Hustenreiz litten. „Wir haben sie mit kostenlosen Getränken, belegten Broten und Keksen versorgt.“

Allmählich habe sich die Situation aufgrund der ausgezeichneten Betreuung von Ehrenamtlichen des DRK gelegt. „Einige Kinder begannen sogar zu spielen“, erinnert sich Irini Kapouranis. Großen Respekt zollt das Ehepaar dem DRK, Feuerwehr und den Polizeibeamten. „Das war großartig, wie sich alle Beteiligten um die hilflosen Frauen und Kinder kümmerten. In dieser Nacht hatte Menschlichkeit oberste Priorität.“

Irini und Dimitrios Kapouranis sind sich einig: „So etwas möchten wir nicht nocheinmal erleben. Glücklicherweise konnte der mutmaßliche Brandstifter in Tatortnähe festgenommen werden.“

Von Uli Klein

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