Entführungsopfer Natascha Kampusch erzählte in Bad Wildungen über ihr Leben

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Im Gespräch: Natascha Kampusch unterhielt sich mit Buchhändler Matthias Flemming über ihr Leben und ihr neues Buch – 200 Besucher hörten interessiert zu.

Bad Wildungen. Mehr als 200 Gäste lernten in der Wildunger Buchhandlung Flemming Natascha Kampusch persönlich kennen. Die 29-Jährige stellte dort am Donnerstagabend ihr neues Buch vor: „10 Jahre Freiheit“.

Der Kampf der jungen Frau um ihre persönliche Freiheit dauert an wegen der steten Berichterstattung über ihre acht Jahre währende Gefangenschaft. Sie war 1998 entführt worden. Bei der Lesung in Bad Wildungen ging es natürlich auch um diese Zeit, aber auch um die Jahre danach – zurück in ein normales Leben.

Nach kurzem Smalltalk mit Matthias Flemming über die Widrigkeiten der Anreise nahm die junge Frau die ersten Fragen aus dem Publikum auf. Bereitwillig nahm Natascha Kampusch dazu Stellung. Besonders die Tatsache, dass rund zehn Tage nach der Flucht ein offener Brief an die Medien veröffentlicht wurde, wurde thematisiert. Sie wies explizit darauf hin, das Boulevardmedien vieles unrichtig, oder vielleicht sogar bewusst falsch dargestellt hätten. Man habe ihr keine Chance gelassen, nicht offensiv zu reagieren. „Bis heute verstehe ich nicht, dass Menschen so respekt- und pietätlos mit dem Schicksal Anderer umgehen“, zog sie Bilanz.

Vor ihrem Auftritt in Bad Wildungen haben wir für HNA Sieben mit Natascha Kampusch gesprochen. Das ganze Interview lesen Sie hier.

Natascha Kampuschs Geschichte hatte sich rasend schnell verselbstständigt. Lücken in der Darstellung wurden von Dritten mit phantasievollen, erfundenen Episoden gefüllt. Sie sei in der Gefangenschaft gebrochen worden, aber nicht an ihr zerbrochen, unterstrich sie. Ihre nachaußen hin sichtbare Stärke wurde und wird kritisiert. Sie sieht sich mit Vorwürfen und Mobbing konfrontiert. „Es belastet mich, dass Medien in ähnlichen Fällen immer auf meinen Namen zu sprechen kommen“, schilderte die junge Frau. Ihr Mitgefühl gilt Eltern, deren Kinder verschwunden sind und die die Hoffnung auf eine Rückkehr ihrer Liebsten nicht aufgeben. Dieses Mitgefühl hat sie veranlasst, sich für ein soziales Kinderkrankenhausprojekt in Sri Lanka einzusetzen. Die Frage, ob sie einen gezielten Fluchtplan hatte, verneinte sie. Ab einem bestimmten Zeitpunkt sei sie so zu sagen sensibilisiert gewesen und habe auf eine wirkliche Gelegenheit gewartet. Als sie sich bot, habe sie diese genutzt. Heute ist ihr klar, dass es ein tragisches Geschehen war, das ihr ihre Jugend raubte. Auch soziale Regeln musste sie neu erlernen. Nun sei sie innerlich gestärkt.

Wie Natascha Kampusch sich dem Publikum in Bad Wildungen präsentierte, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Von Heinz-Wilhelm Hilberg

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