Familie lebte in der Altstadt

Bad Wildungen: Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus mit Richard Oppenheimer aus den USA

Schmerzliche Erinnerungen: Richard Oppenheimer ist Nachfahre ehemaliger jüdischer Einwohner. Er erzählte bei der Gedenkfeier, wie seine Familie 1938 aus Bad Wildungen „entfernt“ wurde.
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Schmerzliche Erinnerungen: Richard Oppenheimer ist Nachfahre ehemaliger jüdischer Einwohner. Er erzählte bei der Gedenkfeier, wie seine Familie 1938 aus Bad Wildungen „entfernt“ wurde.

Bei der Bad Wildunger Gedenkfeier zur Pogromnacht vor 83 Jahren erinnerte Richard Oppenheimer (USA) an das Schicksal seiner Familie.

  • Bei einer Gedenkfeier auf dem Postplatz in Bad Wildungen gedachten zahlreiche Menschen den Opfern des Nationalsozialismus.
  • Richard Oppenheimer aus den USA, Nachfahre ehemaliger jüdischer Einwohner Bad Wildungens, erinnerte an das Schicksal seiner Familie in der Pogromnacht am 9. November 1938.
  • Seine Familie wurde vor 83 Jahren aus der Bad Wildunger Altstadt „entfernt“, der Großvater wurde ins KZ Buchenwald gebracht.

Bad Wildungen – Die Worte von Richard Oppenheimer bei der Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus gehen unter die Haut. In der Pogromnacht vor 83 Jahren wird seine Familie aus der Altstadt „entfernt“, Möbel werden auf die Straße geworfen, der Großvater wird ins KZ Buchenwald gebracht.

Oppenheimer: „Meine Mutter wollte nie wieder deutschen Boden betreten“

Oppenheimer – Nachfahre von Wildungern jüdischen Glaubens – erzählt auf dem Postplatz vom erschütternden Schicksal seiner Familie.Mutter, Geschwister und der Vater sind in Bad Wildungen geboren. „Meine Familie wurde 1941 in das Getto Riga deportiert, wo mein Großvater, meine Tante, mein Onkel und meine vierjährige Cousine ermordet wurden.“

Mutter und Großmutter überleben den Holocaust und kehren kurz nach Wildungen zurück. 1946 wandern sie in die USA aus. Die Erinnerung an das Erlebte ist allgegenwärtig. „Ich durfte kein deutsches Spielzeug kaufen, meine Mutter wollte nie wieder deutschen Boden betreten.“

Die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten

Nach dem Tod der Eltern beginnt der Nachfahre der Familie Mannheimer nach seinen Wurzeln zu suchen, hat in Deutschland über zehn Generationen seiner Familiengeschichte erforscht. „Die Nazis haben mir mein deutsches Erbe nicht nehmen können, und ich fühle mich bei jedem Besuch in Deutschland wie zu Hause.“

Er habe die deutsche Staatsbürgerschaft zurück erhalten, die seinen Eltern weggenommen wurde. Da sich die politische Situation in den USA ändere, überlege er, in die Heimat seiner Vorfahren zu ziehen.

Verstehen, wie es dazu kommen konnte

Pfarrerin Johanna Rau betont, es sei wichtig zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass Menschen so gehandelt haben. „Manchmal braucht es viel weniger, um Menschen zu beeinflussen und Stimmungen zum Kippen zu bringen als wir gedacht hätten.“ Wie viele Wildunger hätten am Morgen des 9. November 1938 wohl damit gerechnet, was am Abend passiert ist – Gewalt, Schrecken und der Brand der Synagoge? Darauf gebe es keine Antwort.

Bürgermeister Gutheil: Erinnerung lebendig halten

Bürgermeister Ralf Gutheil fordert, die Erinnerung lebendig zu halten. Das Verlegen der Stolpersteine sei eine Möglichkeit. Es gebe den Menschen ein Gesicht. „Wir brauchen ein echtes Miteinander, Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und einen toleranten und freundlichen Umgang.“ Nur so lasse sich verhindern, dass sich wiederholt, was vor 83 Jahren passierte.

Der Posaunenchor der Kirchengemeinde umrahmte die Feier musikalisch. In einer Veranstaltung im Jugendzentrum berichtete Richard Oppenheimer am Abend ausführlich über das Schicksal seiner jüdischen Vorfahren. (Cornelia Höhne)

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