Prozess um häusliche Gewalt

Freundin getreten und geschlagen: Mann bekommt Bewährungssstrafe wegen „tätlicher Liebe“

Prozess wegen häuslicher Gewalt: Das Amtsgericht Fritzlar verhandelte einen Fall aus Bad Wildungen. Ein Mann soll seine Freundin getreten und geschlagen haben. (Symbolbild)
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Prozess wegen häuslicher Gewalt: Das Amtsgericht Fritzlar verhandelte einen Fall aus Bad Wildungen. Ein Mann soll seine Freundin getreten und geschlagen haben. (Symbolbild)

Ein junger Mann soll seine Freundin mehrfach geschlagen und getreten haben. In einem Prozess in Fritzlar wird er wegen häuslicher Gewalt verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Wegen vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen sowie versuchter Nötigung hat das Amtsgericht Fritzlar am Dienstag einen 22 Jahre alten Mann aus Bad Wildungen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.

Sie wird auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der berufstätige Verurteilte die Kosten des Verfahrens tragen und 1800 Euro an die Wildunger Tafel zahlen. Da der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschien, und die Oberstaatsanwältin auf Rechtsmittel verzichteten, hat das Urteil Rechtskraft. Die Anklage-Vertreterin hatte acht Monate Freiheitsstrafe und die Zahlung von 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung gefordert.

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Die Geldstrafe, für die der Angeklagte rechnerisch etwas mehr als einen Monat arbeiten muss, zahlt er in Raten. Dabei solle der junge Mann jedes Mal daran erinnert werden, „dass Sie Ihre Emotionen im Griff behalten müssen“, sagte Richterin Corinna Eichler in ihrer Urteilsbegründung. Während der knapp dreistündigen Verhandlung mit fünf Zeugenaussagen sprach die Richterin von „tätlicher Liebe“, und der Angeklagte nickte dazu. Die Anklageschrift beschrieb massive tätliche Angriffe:

Der heute 22-Jährige trat, schlug und würgte demnach im vorigen Jahr seine damalige Freundin. Als sie bei der Polizei Anzeige erstatten wollte, habe er gedroht, die Luft aus den Reifen zu lassen und die Autoschlüssel abzunehmen, damit sie die Wache nicht erreicht.

„Ich bereue es, es tut mir leid, es war dumm, es war Scheiße.“ So formulierte es der Angeklagte nach der ausführlichen Beweisaufnahme, in der er einen Teil der Vorwürfe zunächst bestritten hatte. Dann gab er aber zu, sich „nicht immer fair verhalten zu haben“. Seine Freundin sei fremd gegangen. Er habe sie aufs Bett geschubst und an den Haaren gezogen, aber nie mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er habe sie „mal getreten“, aber nie gewürgt. Er habe sich jedes Mal entschuldigt und sie zum Essen eingeladen. Schließlich sei er „mit ihr fertig gewesen, ich wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben.“

Opfer schildert Gewalt-Vorgänge im Prozess - „Ich hatte panische Angst“

Zeitweise unter Tränen schilderte die junge Frau aus Bad Wildungen im Zeugenstand die Vorgänge. Sie habe sich gegen die Angriffe nicht wehren können. Sie habe geweint, er immer nur gelacht. „Es wurde immer schlimmer“, sagte die Wildungerin. Und: „Ich hatte panische Angst. Die hat bis vor Kurzem angehalten. Es war so schlimm.“

Zwei Jahre habe die Beziehung gedauert. In einem ständigen Hin und Her wechselten sich Streit und Versöhnung ab. Sie habe im Guten mit ihm auseinandergehen wollen und sich deshalb noch einmal mit ihm getroffen, sagte die Frau aus. Der Angeklagte aber habe gesagt, das bestimme er. Auch habe sie Geld zurück haben wollen. Er habe sich oft entschuldigt, „aber es wurde zur Gewohnheit“, beschrieb die Frau, was sie erleiden musste. Deshalb erstattete sie Anzeige bei der Polizei.

Prozess in Fritzlar: Schläge und Bedrohungen - Angeklagter hat Gewalt-Vorgeschichten

Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die Wildungerin bereits einmal eine Anzeige gegen den Angeklagten zurückgezogen, berichtete ein Beamter dem Gericht. Als Jugendlicher verprügelte der Angeklagte einen Schüler, kam in der Beweisaufnahme zur Sprache. Ein Bekannter schilderte Übergriffe, Schläge, Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber der Frau. Einmal habe der heute 22-Jährige seiner damaligen Freundin ins Gesicht gespuckt.

Die Oberstaatsanwältin sprach am Ende der Beweisaufnahme und der Zeugenauftritte von „überwiegend geständigen Einlassungen“ des Angeklagten. Dieser habe eine positive Sozialprognose. Richterin Corinna Eichler mahnte den verurteilten und unter Bewährung Stehenden: „So was darf nie wieder passieren.“ Einen Bewährungshelfer für den 22-Jährigen bestellte das Gericht nicht. (Manfred Schaake)

Bis zum 10. Dezember machen die „Orange Days“ weltweit mobil gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. In Göttingen spielte Gewalt an Frauen im vergangenen Jahr bei vielen Prozessen eine zentrale Rolle.

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