Statt Abrisses innovativen Weg gewählt

Friedenskirche Bad Wildungen wird Familienzentrum und bleibt zugleich Gotteshaus

Die bewegliche Trennwand, teilgeöffnet, mit Blick Richtung Altarraum: die erneuerte Friedenskirche.
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Die bewegliche Trennwand, teilgeöffnet, mit Blick Richtung Altarraum: die erneuerte Friedenskirche.

Kita-Kinder turnen, spielen und schlafen hier. Ihre Eltern treffen sich und sonntags hält die Gemeinde weiterhin Gottesdienst: die wundervolle Wandlung der Friedenskirche Bad Wildungen.

Bad Wildungen – „Die Friedenskirche abzureißen, war eine ernsthafte Überlegung, doch das wollten die Gemeindemitglieder nicht“, erinnert sich Pfarrer Hubertus Marpe. Statt dessen beschritt die Gemeinde mit ihrem Gotteshaus einen anderen Weg, der es heute neu und prall mit Leben füllt: als Mehrzweckhaus, das neben seiner Rolle als Sakralbau zum zentralen Bestandteil der Kita Friedenskirche geworden ist.„Eigentlich eine Art Familienzentrum“, fasst Marpe zusammen; einschließlich Fußbodenheizung und barrierefreier Toiletten.

Rund zwei Jahre dauerte die Verwandlung. Eine große Feier wäre aus Sicht aller Beteiligten und der Gemeinde angebracht gewesen, als das Werk 2020 vollendet war, doch Corona ließ das nicht zu. So entging der größeren Öffentlichkeit in Bad Wildungen der Einblick in das neue Nutzungskonzept für die Friedenskirche. „Kirche und Religion werden ganz selbstverständlich in den Alltag unserer Kinder integriert“, erzählt Kita-Leiterin Heidemarie Schween. Sie arbeitete gemeinsam mit Hubertus Marpe das Konzept federführend aus.

Gemeinderaum der Friedenskirche Bad Wildungen bietet der Krippengruppe Platz

Die Mädchen und Jungen der Kita turnen, spielen, ruhen und lernen vieles in der umgebauten, sanierten Kirche. Elternabende finden dort statt, kleine Andachten der Kita und weiterhin die normalen Gottesdienste der Kirchengemeinde. In den angrenzenden Gemeinderaum ist eine Krippengruppe eingezogen. Die Möblierung hat man aber so ausgestaltet, dass der Raum außerhalb der Kita-Zeiten bei Bedarf weiterhin von der Gemeinde der Friedenskirche Bad Wildungen genutzt werden kann.

Die multifunktionale erneuerte Friedenskirche Bad Wildungen mit mobiler Trennwand, Turnwand und rechts oben dem neuen Panoramafenster im Anschnitt.

Möglich wird die große Flexibilität durch eine kurvig gestaltete, mobile Trennwand aus Holz, die den Chorraum in zwei Hälften teilt. Auch die feste Trennwand zum Gemeinderaum lässt sich öffnen, sodass, je nach Bedarf, die gesamte Fläche oder nur Teile von ihr für den jeweiligen Zweck zur Verfügung stehen. „Wenn nur wenige Besucher sonntags zum Gottesdienst erscheinen, lassen wir die mobile Trennwand gerne stehen, weil die Atmosphäre dann schöner ist“, sagt Hubertus Marpe.

Friedenskirche Bad Wildungen einzigartig im Kirchenkreis Eder

Auf die grundsätzliche Idee für das neue Konzept kamen Heidemarie Schween und er, weil zwei Entwicklungen aufeinander trafen. Die Kirchengemeinde schrumpfte und mit ihr die Zahl der Gottesdienstbesucher und die Finanzkraft, während der Bedarf der Stadt Bad Wildungen an Kindergartenplätzen stieg – auch, weil mehr und mehr Eltern ihre Kinder weit jünger als erst im Alter ab drei Jahren in die Kita geben.

Aktuell sammelt die Gemeinde der Friedenskirche Spenden für ein weiteres Fenster, das so aussehen soll wie dieser Entwurf.

Vergleichbare Konzepte entstanden etwa in Berlin schon vor 20 Jahren. Im Kirchenkreis Eder steht die Gemeinde Friedenskirche Bad Wildungen mit so einem Ansatz bislang einzigartig da. „Wir haben die Gunst der Stunde genutzt. Die Landeskirche unterstützt solche Kita-Projekte inzwischen nicht mehr, weil ihre Mittel begrenzter sind und es so viele Kita-Projekte gibt“, schildert Marpe. Das beauftragte heimische Architekturbüro und heimische Handwerksbetriebe hätten mit ihrer Kreativität die Grundidee mitverwirklicht.

Neuer Lieblingsplatz in der Friedenskirche Bad Wildungen

1,2 Millionen kostete der Umbau der Kirche. Inklusive vorausgegangener Bauabschnitte in der Kita beliefen sich die Gesamt-Investitionen auf 2,2 Millionen Euro. Landeskirche, Stadt Bad Wildungen und Landkreis finanzierten kräftigst mit. Die Gemeinde steuerte erhebliche Eigenmittel bei, etwa durch Spenden.

Natürlich sei dem Team für seine Pläne zu Beginn auch Skepsis aus der Gemeinde entgegen geschlagen. „Aber inzwischen sind alle überzeugt und begeistert davon“, ergänzt der Seelsorger. Für manchen bilde die Bank an der mobilen Trennwand einen neuen Lieblingsplatz, der zum Entspannen und zur Besinnlichkeit einlade. „Man schaut durch die neue, große Fensterfront oben an der Rückseite direkt in den Himmel“, sagt Hubertus Marpe. Auch die Kinder genießen diesen Ausblick, den Altarraum mit Orgel und Kreuz im Rücken. (Matthias Schuldt)

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