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Hakenkreuzfahne aufgehängt: Bad Wildunger zu Geldstrafe verurteilt

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Justitia
Ein Bad Wildunger wurde vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Geldstrafe verurteilt. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Ein Bad Wildunger hatte eine Hakenkreuzfahne aufgehängt und wurde deswegen vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Geldstrafe verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – „Dümmer geht’s nimmer. Ich bin geläutert.“ Das sagte vor dem Amtsgericht Fritzlar ein 51 Jahre alter Mann aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg, der wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angeklagt war. Richterin Corinna Eichler verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je zehn Euro.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte 40 Tagessätze zu je 30 Euro beantragt.

Angeklagter räumt Vorwurf ein

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der Beschuldigte im Dezember 2020 in Bad Wildungen in seiner Wohnung eine Flagge, auf der ein Hakenkreuz abgebildet war, so aufgehängt, „dass sie für die Öffentlichkeit deutlich sichtbar war“.

Der Angeklagte räumte den Vorwurf ein und meinte: „Dummheit schützt vor Strafe nicht.“

Der 51-Jährige sagte, er habe am 20. April Geburtstag. Deshalb sei er immer wieder Sticheleien ausgesetzt gewesen und „als der A. bezeichnet worden.“ Als er einem Dartclub beigetreten sei, habe man ihn immer gehänselt, „da kommt er ja, der A.“ Das begleite ihn seit nunmehr 25 Jahren.

Richterin: „Schicksalhaftes Geburtsdatum“

Die Fahne mit dem Hakenkreuz sei ihm von Freunden geschenkt worden. Er habe sich dann „breitschlagen lassen“, sie im privaten Bereich aufzuhängen. Das tue ihm nun außerordentlich leid, sagte er vor Gericht. Das Fenster mit der Fahne habe aber „nur eine begrenzte Anzahl von Menschen“ einsehen können.

Gleichwohl räumte der Bad Wildunger den Fehler mehrfach ein. Es tue ihm auch deshalb leid, weil er Zeitsoldat gewesen sei und sich ein Tatoo „Blut und Ehre“ habe entfernen lassen. Dass sich „so was nicht gehört, ist ganz klar“, kommentierte er das Aufhängen der Fahne.

Wegen einer Handverletzung und einer Krankheit könne er derzeit seinen Beruf nicht ausüben und müsse von 424 Euro im Monat leben. Deshalb sei die Geldstrafe „das rechte Maß“, sagte die Richterin zu ihrem Urteil. Schon während der Beweisaufnahme hatte sie von einer „Riesendummheit“ gesprochen. Während der Urteilsverkündung sagte die Richterin: „Ein ganz besonderer Fall. Das Geburtsdatum ist was Schicksalhaftes.“ Der Angeklagte hätte die Fahne abhängen müssen. Da er „noch viele Euros“ in seine Behandlung stecken müsse, sei die Höhe der Geldstrafe angemessen. Er muss auch die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Oberamtsanwältin hatte zuvor von einer geständigen Einlassung des Beschuldigten gesprochen. Ihm sei klar geworden, „dass das nicht der richtige Weg ist.“ Der Mann nahm das Urteil an: „Ich habe mich so lange damit rumgeschlagen, jetzt muss endlich Schluss sein.“ (Manfred Schaake)

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