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„Projekt Zukunft“ in Bad Wildungen: Drei Fachbüros haben Ideen entwickelt

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Von: Cornelia Höhne

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Heilwasser als Werbeträger: Experten empfehlen, die Bad Wildunger Heilquellen aufzuwerten. Im Bild eine Szene aus dem Quellendom der Wandelhalle.
Heilwasser als Werbeträger: Experten empfehlen, die Bad Wildunger Heilquellen aufzuwerten. Im Bild eine Szene aus dem Quellendom der Wandelhalle. © Stadtmarketing/pr

Im Rahmen des „Projekts Zukunft“ haben drei Fachbüros Ideen und Perspektiven für die Stadt Bad Wildungen entwickelt.

Bad Wildungen - Im Herbst 2020 ist das „Projekt Zukunft“ gestartet, um ein Leitbild für die Entwicklung der Badestadt zu erarbeiten. Umfangreiche Daten wurden im Rathaus gesammelt. Anhand von Zahlen, Fakten, Analysen haben drei Fachbüros nun Ideen und Perspektiven entwickelt. Kulturamtsleiter Bernhard Weller stellte sie am Donnerstagabend (10. Februar 2022) vor. Das Hauptthema in der Sitzung des Planungsausschusses unter Leitung von Helmut Simshäuser lockt zahlreiche Besucher in die Wandelhalle.

Steuerungsteam begleitet als Arbeitsgruppe die Arbeit der Fachbehörden

Im Steuerungsteam als begleitende Arbeitsgruppe wirken neben Weller auch Bürgermeister Ralf Gutheil, Hauptamtsleiter Christoph Heiser und Stadtplaner Robert Hilligus mit. Eine umfassende Bestandsanalyse bildet den Auftakt. Das breite Themenspektrum reicht vom Strukturwandel über Gesundheitstourismus, Zielgruppen von Gästen bis hin zu Marketing und Digitalisierung. Interviewpartner aus Kliniken, Regionalentwicklung, Stadtpolitik, Ärzteverein, Stadtentwicklung und Architektur liefern wichtige Informationen.

Dies alles mündet in einer Ideenwerkstatt mit den Fachbüros, der Managementberatung Conos aus Wien, dem auf Gesundheitstourismus spezialisierten Büro Project M aus München sowie Kohl & Partner aus Bad Reichenhall, die Lebensraumkonzepte entwickeln.

Stärken und Schwächen der Stadt Bad Wildungen

Nach Ansicht der Experten hat Wildungen viele Stärken: Zentrale Lage in Deutschland, größter Standort für Rehabilitation und Anschlussheilbehandlung, Stadt mit den meisten gefassten Heilquellen, zwei Wandelhallen, Museumsvielfalt, zahlreiche Veranstaltungen, Europas größter zusammenhängender Kurpark, älteste Allee in einem deutschen Kurort, größte balneologische Bibliothek Europas und die Lage an Nationalpark und Edersee.

Die Schwächen: Fehlende Zielvorgaben, langwierige Entscheidungsprozesse, teils in die Jahre gekommene Infrastruktur in der Beherbergung, wenig auf Gesundheit ausgerichtete Betriebe, Defizite im örtlichen Erscheinungsbild, keine Lösung für das Kurhausareal, zunehmende Leerstände, touristische Aufgaben seien deutlich unterfinanziert.

Kernbotschaft: Bad Wildungen ist die Gesundheits- und Erholungsstadt

Das Entwicklungspotential wird grundsätzlich als gut eingeschätzt. Nötig ist aber laut Weller, „wenn durch Leitungskompetenz und schlüssige Organisationsstruktur eine mittel- und langfristige Strategie verfolgt wird“.

Die Kernbotschaft lautet: „Bad Wildungen ist die Gesundheits- und Erholungsstadt.“ Im Fokus stehen Gesundheit, Natur, Urbanität und die Versprechen Erholen, Erfahren, Erlernen für die Gäste. „Wir haben eine Infrastruktur und Möglichkeiten, die größeren Städten zugeschrieben wird.“ Es werde eine zukunftssicheren Nachfrage nach Gesundheitsangeboten erwartet.

Gesundheitsmanager zur Fortführung der strategischen Ausrichtung

Wichtig aus Sicht der Experten: Das Bewusstsein für Bad Wildungens Alleinstellungsmerkmale sollte geschärft werden, denn es werde von der Bevölkerung gar nicht so wahr genommen. Unverzichtbar sei das Prädikat „Bad“, das nur rund 270 der rund 11 200 Orte in Deutschland im Namen führen. Um das zu erhalten, müssen auch andere Faktoren stimmen, wie die Zahl der Badeärzte. Weitere dringende Empfehlung: Die Bad Wildunger Heilquellen sollten in Wert gesetzt und zum Werbefaktor werden. Das Strategiepapier zeigt weitere „Leitplanken“ für die Entwicklung der Kurstadt auf. Im Fokus steht das Kurhaus-Areal (siehe Bericht unten).

Notwendig sei künftig eine Fortführung der strategischen Ausrichtung, bestenfalls in der Person eines Gesundheitsmanagers. Zunächst soll aber eine Diskussion in Gang kommen. Der rege Gedankenaustausch beginnt gleich nach Sitzungsende und wird nun auf politischer Ebene fortgeführt. Ziel: ein „Masterplan“ für die Zeit bis 2025 mit konkreten Handlungsanweisungen.

Vorschlag: Kompetenzzentrum Gesundheit auf Kurhaus-Areal

Ein Kernthema des „Projekts Zukunft“ ist die Nutzung des Kurhaus-Areals, erläutert Bernhard Weller. „Es muss schnell eine Perspektive für das Gebäude oder das gesamte Areal gefunden werden, um die emotionale Diskussion zu einem Ende zu führen.“ Der Standort sollte künftig so genutzt werden, dass die Kurstadt aufgewertet wird, heißt es in dem Strategiepapier der Fachbüros.

Sie schlagen vor: Ein Kompetenzzentrum für zukunftsweisende (kur)medizinische Qualifikationen, ausgestaltet als Gesundheitsakademie mit Aus- und Fortbildung von Fachkräften sowie als offene Bildungsstätte für Bürger und Gäste. Eine Zusammenarbeit mit Kliniken, Bildungsträgern und vhs ist möglich.

Interesse an „Landesamt Gesundheit“

Integrieren lasse sich ein Gesundheitshotel oder in Kombination mit Ausbildung in einem dualen Studium auch ein Internat. Weitere Idee: Forschung auf dem Gebiet der Kurmedizin. Das I-Tüpfelchen wäre indes ein Landesamt Gesundheit: Das Land Hessen überlege nach Erfahrungen aus der Pandemie die Einrichtung eines solchen Eigenamts. In der Kurstadt Bad Kissingen wurde gerade erst eine bayerische Außenstelle mit 120 Arbeitsplätzen geschaffen. Das Bundesland Hessen könnte mit einer ähnlichen Einrichtung nachziehen.

Wie Bürgermeister Ralf Gutheil gestern auf WLZ-Nachfrage mitteilte, wurde diese Botschaft sofort aufgegriffen. „Wir haben unmittelbar nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung in einem Brief an das Ministerium unser Interesse bekundet.“ Die Einrichtung des Landesamts sei aber derzeit noch nicht beschlossen. Laut Gutheil haben inzwischen mehrere Projektentwickler ihre Ideen für das Kurhausareal schriftlich eingereicht.

Der Ältestenrat werde dem Parlament empfehlen, welche davon in die nähere Auswahl kommen. Drei Vorschläge würden die Kurstadt nach Einschätzung des Bürgermeisters im Sinne des Strategiepapiers nach vorn bringen. Kurhaus und Zukunftspapier sind voraussichtlich im März/April Themen im Stadtparlament.

Zahlen zur Kur- und Gesundheitsstadt Bad Wildungen

Die Kurstadt Wildungen (18100 Einwohner) hat 20 Kliniken, drei Hotels und 50 kleinere Betriebe. 1887 Gästebetten werden nach Angaben von Bernhard Weller in Hotels und Pensionen sowie 4525 in Kliniken (mit Akutbetten) vorgehalten. 2018 wurden 136 120 Gäste mit 1,436 Millionen Übernachtungen gezählt. 80 Prozent verteilen sich auf Kliniken. Zur Finanzierung der Infrastruktur stehen 3,2 Millionen Euro Kurtaxe zur Verfügung, zudem gibt es den sogenannten „Bäderpfennig“, das sind etwa 3 Millionen Euro.  (Cornelia Höhne)

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