Gruppenliga: SG-Krise geht weiter

Wenig Genie, viel Wahnsinn: Altenlotheim in Bad Wildungen 6:4-Derbysieger

Ganz schön viel los vor dem Tor von Bad Wildungens Torhüter Christian Seibert. Er klärt hier gemeinschaftlich mit seinen Vorderleuten Tom Windhausen (links) und Kai Döhring gegen Altenlotheims vierfachen Torschützen Robin Wissemann.
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Ganz schön viel los vor dem Tor von Bad Wildungens Torhüter Christian Seibert. Er klärt hier gemeinschaftlich mit seinen Vorderleuten Tom Windhausen (links) und Kai Döhring gegen Altenlotheims vierfachen Torschützen Robin Wissemann.

4:6 gegen Altenlotheim – das Derby in der Fußball-Gruppenliga, das erste Spiel nach dem Rücktritt von Trainer Jörg Schäfer, war kein Wendepunkt für die SG Bad Wildungen/Friedrichstein.

Bad Wildungen – Was war denn da los? Mit einem Tennisergebnis endete das Derby der Gruppenliga, das die Sorgen der SG Bad Wildungen/Friedrichstein vermehrte und die Erfolgsbilanz des TSV Altenlotheim ausbaute. Das 6:4 (2:1) brachte der Oberbach-Elf die Punkte 11 bis 13 im „goldenen Oktober“ und ließ die Kurstädter weiter an Boden verlieren, da einige Teams aus der unteren Tabellenhälfte gewannen.

Nach 0:1-Rückstand führten die Gäste in Friedrichstein viermal und konnten erst nach Robin Wissemanns Strahl aus 25 Metern in den Winkel endgültig aufatmen. Es war der Abschluss eines Nachmittags, an dem sich Unzulänglichkeiten, Kampfgeist und individuelle Klasse abwechselten. Wobei der Wahnsinn gegenüber dem Genie klar in der Überzahl war.

Ball zu weit vorgelegt oder schlecht angenommen (oder beides), Pass zu lasch oder dem Gegner in die Füße (oder beides) – so sahen die ersten 20 Minuten aus, und der erste Schuss der Partie – abgefeuert von Altenlotheims Christian Schmid, war zwei Meter zu hoch und sechs Meter zu weit links, um ein „Torschuss“ zu sein.

Beide Teams legten sich viele Tore quasi selbst rein

Dann nahmen das Festival unter dem Motto „Wir legen uns das Ei selbst rein“ langsam Fahrt auf. Als die Chance schon vorbei war, machte Jan Kramer das Wildunger 1:0. Er stand goldrichtig, als Bruders Hereingabe und Eugen Rufs nicht richtig getroffenem Schuss die TSV-Abwehr nur mit einem Roller an den Sechszehner klärte (22.).

Schon fünf Minuten später das 1:1. Eine Schmid-Ecke ließ Christian Seibert im SG-Kasten mit Blick in die tief stehende Sonne passieren, das Leder prallte am langen Pfosten an zwei Wildungern ab, und aus fünf Metern fand Robin Wissemann den Weg ins Netz.

Auch Manuel Neuschäfers Schuss knapp vorbei – Seibert war noch dran – entsprang einem Missverständnis in der Deckung (33.). Und das 1:2 ging wieder auf die Kappe von Seibert, der einen schwarzen Tag erwischte. Einen langen Ball auf Patrick Wissemann erwischte der Altenlotheimer vor dem Wildunger Keeper, beide prallten zusammen und blieben liegen. Einige warteten auf einen Pfiff des Schiris, Robin Wissemann aber lief durch und drückte den Ball über die Linie (37.).

SG Bad Wildungen nach der Pause stärker

Pause. Sollte nun endlich eine Reaktion der SG Bad Wildungen/Friedrichstein kommen, deren Spieler beim Trainer-Rücktritt nicht gerade gut wegkamen? Durchaus. Vieles von dem, was in Durchgang eins fehlte, war nun zu sehen: Körpersprache, Emotionen auf und neben dem Platz, Zutrauen in eigene Aktionen, basierend darauf, dass die SG nun den Gegner früher anlief und mehr Zweikämpfe gewann. Die Heimelf wehrte sich: Als viele auf einen Handelfmeterpfiff warteten, nahm Florian Bruder den Abpraller direkt und wuchtete ihn unter die Latte ins lange Ecke – 2:2 (56.). Wenig später aber war bei einem Anspiel auf Gästeakteur Robin Wissemann die Hand von Johannes Süring im Weg.

Und auch danach wechselten sich aus Wildunger Sicht Hoffnung und Rückschlag ab. Nach zwei guten Chancen für die Gastgeber fiel das 3:3 – ein Billardtor. Zwei Schussversuche wurden abgefälscht bzw. abgeblockt, ehe der Ball vor Janis Schuldts Füßen landete (72.). Wildungen wollte mehr, aber Tim Krollpfeiffer verdaddelte den Ball im Vorwärtsgang. Im Zwei-gegen-zwei konterten die eingewechselten Rene Huneck und Marc-André Garte. Letzterer bekam den Ball zentimetergenau diagonal in den Lauf gespielt – 3:4 (78.).

Es folgten ein Übersteiger mit tollem Linksschuss oben rechts rein von A-Junior Björn Schnedler zum 4:4 (82.) und wenig später wieder eine kalte Dusche; diesmal nach dem Motto „wenn der Torwart ruf, muss er ihn auch haben“. Seibert Faustabwehr landete aber bei Robin Wissemann, dessen Volleyschuss sich ins leere Tor senkte (86.). Diesmal hatte Bad Wildungen keine Antwort mehr.

Das sagen die Trainer zum Gruppenliga-Derby

„Wir wollten die nötigen Tugenden mitbringen, aggressiv sein, auch von der Körpersprache her. Das kam aber nicht von Anfang an zum Ausdruck, man hat gesehen, dass viel Verunsicherung dabei war. In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass die Mannschaft lebt, das sie ein wirklich gutes Team ist. Zwei individuelle Fehler führten zum 3:4 und zum 4:5, das waren richtige Nackenschläge, so kannst du dann keinen Punkt mehr holen. Das wird ein paar Tage richtig weh tun.“, sagte SG-Coach Carsten Laun, der aber nicht mutlos nach vorn blickte: „Was wir auch fußballerisch in der zweiten Halbzeit gezeigt haben, macht Hoffnung. Wenn alle weiter 100 Prozent Gas geben und keine persönlichen Eitelkeiten an den Tag legen, bin ich mir sicher, dass wir aus dieser schweren Phase rauskommen.“

Robin Wissemann vom TSV sah ebenfalls zwei unterschiedlich gute Halbzeiten. In der ersten sei sein Team einen Tick besser gewesen und habe den besseren Fußball gespielt, meint Altenlotheims Spielertrainer. „In der zweiten Halbzeit hat man gesehen, dass Bad Wildungen nochmal alles versuchen will. Sie haben uns früher angelaufen, wir waren etwas ängstlich und haben das Fußballspielen ein bisschen eingestellt. Aber wir wussten, dass wir durch individuelle Qualität immer Tore machen können.“

Wissemann wusste: „Für Bad Wildungen war es eine spannende Woche mit dem Trainerwechsel. Da weiß man, dass eine Mannschaft im nächsten Spiel dann möglichst alles rausholt. Deshalb war es wichtig, dass wir dagegehalten und punkten. Das muss dann auch nicht schön aussehen.“(Dirk Schäfer)

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