Geschichtskundige und Zeitzeugen erzählen

Historisches zur baufälligen Mauer am Schneewittchenschloss Friedrichstein Bad Wildungen

Historische Postkartenaufnahme des Schlosses Friedrichstein um 1900. Unten ein aktuelles Bild der sanierungsbedürftigen Mauer am Parkplatz unterhalb des Marstalls. Gut zu erkennen sind die Öffnungen, durch die früher Kinder zum Spielen in Kellerräume hinter der Mauer kletterten.
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Historische Postkartenaufnahme des Schlosses Friedrichstein um 1900. Unten ein aktuelles Bild der sanierungsbedürftigen Mauer am Parkplatz unterhalb des Marstalls. Gut zu erkennen sind die Öffnungen, durch die früher Kinder zum Spielen in Kellerräume hinter der Mauer kletterten.

Die Sanierung der Mauer an einem Parkplatz unterhalb von Schloss Friedrichstein beschäftigt die Museumslandschaften Hessen Kassel (MHK). Geschichtskundige und Zeitzeugen liefern Hintergründe.

Altwildungen –„Als Jungs sind wir über die kleinen Öffnungen, die man in der Mauer sieht, ins Innere geklettert“, erinnert sich der Altwildunger Jürgen Graul. Zumindest hinter Teilen der Mauer befand sich damals also umbauter Raum. Der Altwildunger Gästeführer Gerd Karges teilt diese Erinnerungen mit Graul: „ Inzwischen sind die Öffnungen vergittert. Wir haben in den Räumen als Kinder gespielt. Am Fuß der Mauer befanden sich damals Teiche, auf denen wir mit kleinen, selbst gebauten Flößen fuhren.“

Der Parkplatz existierte noch nicht. „Er wurde Ende der 1970er Jahre geschaffen im Zuge der Sanierung von Schloss Friedrichstein“, erinnert sich Karges. Wildunger bezeichnen das Schloss Friedrichstein auch als Schneewittchenschloss, weil es verblüffende Parallelen zwischen der Märchenfigur der Brüder Grimm und dem Leben einer Grafentochter aus dem 16. Jahrhunder gibt. Der Parkplatz sei Schauplatz der offiziellen Eröffnungsfeier mit den Altwildunger Vereinen gewesen, nachdem die Sanierung des früheren Schlosses Mitte September 1980 vollendet war, ergänzt Karges.

Abfolge von Bränden und Bauten unterhalb des Schneewittchenschlosses Friedrichstein Bad Wildungen

In der Zeit davor fanden sich auf dem heutigen Parkplatz eine Art Stall oder Scheune sowie Gärten zur Selbstversorgung von Altwildunger Familien. „Die Scheune stammte aus dem Jahr 1863“, berichtet Karges. Zuvor stand dort etwas Anderes: die so genannte Meierei, ein Fachwerkbau, wie der frühere Wildunger Stadtarchivar Manfred Hülsebruch weiß. Von dort wurden die Ländereien des Fürsten in der Altwildunger Gemarkung verwaltet. Die Meierei stammte aus dem Jahr 1763 und wurde 1862 bei einem Feuer vernichtet. Ihre Zerstörung führte zu der Entscheidung, eine neue Meierei zum Ende des 19. Jahrhunderts auf der „Domäne“ zu bauen, auf dem Gelände der heutigen Holzfachschule, schildert Hülsebruch. Seine Informationen entnimmt er historischen Rahmenplankarten.

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Ironie der Geschichte: Durch ein Feuer vernichtet, war die alte Meierei aus einem früheren Feuer erst geboren worden. Aus dem großen Altwildunger Brand von 1763, dem ein Vorgängerbau zum Opfer fiel: das 1594 errichtete „Burgmannenhaus“. Ein weiteres, zum Schloss gehöriges Burgmannenhaus existiert dagegen bis heute: der Sitz der stadteigenen Rudolf-Lorenz-Stiftung. Die Mauer selbst unterhalb des heutigen Parkplatzes sei wohl noch älter, offenbar ein Rest der früheren Altwildunger Stadtmauer, sagt Gästeführer Gerd Karges. Der steinerne Schutzwall wurde seines Wissens nach um 1450 gebaut. Das Stück des Gemäuers, das die MHK nun sanieren muss, überstand alle Katastrophen und sonstigen Fährnisse an diesem geschichtsträchtigen Altwildunger Fleckchen bis zum heutigen Tag. (Matthias Schuldt)

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