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Bad Wildungen: Der fast 90 Jahre alte Kur- und Verkehrsverein wurde aufgelöst

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Werben mit dem Wahrzeichen: Der Nymphenbrunnen in der Brunnenallee zierte etliche Werbeträger in der langjährigen Geschichte des Kur- und Verkehrsvereins Bad Wildungen.
Werben mit dem Wahrzeichen: Der Nymphenbrunnen in der Brunnenallee zierte etliche Werbeträger in der langjährigen Geschichte des Kur- und Verkehrsvereins Bad Wildungen. © Cornelia Höhne

Kurz vor seinem 90-jährigen Bestehen wurde der Kur- und Verkehrsverein in Bad Wildungen aufgelöst. Viele seiner bisherigen Aufgaben hatte das Stadtmarketing im Laufe der Jahre übernommen, nun läutete dazu noch ein Mitgliederschwund das Ende der langjährigen Vereinsaktivitäten ein.

Bad Wildungen – Gegründet wurde der Verein im Jahr 1933. In 1970 hat ihn Dr. Albrecht Lückhoff – damals neu als Bürgermeister in Bad Wildungen – aktiviert und auch Vertreter der Wirtschaft für die Mitarbeit gewonnen. Der Kur- und Verkehrsverein war seinerzeit die Interessenvertretung des Gastgewerbes und damit ein Mittler zwischen der Wirtschaft und der Stadt sowie den beiden früheren Kurverwaltungen.

Fast alle früheren Aufgaben an andere Träger übergegangen

Vorsitzende waren jeweils die amtierenden Bürgermeister. Die früheren Kurdirektoren waren Kraft Amtes Mitglied. Kontinuität prägte den Vorstand, dem Reckhard Pfeil seit 1983 angehörte – anfangs als Schriftführer, ab Mitte der 80-er Jahre als Geschäftsführer. Langjährig als Kassierer wirkten Otto Baumbach und Ulrich Heimann im Vorstandsteam mit.

Pfeil berichtet von etlichen erfolgreichen Aktivitäten zur Förderung von Kur und Tourismus sowie der heimischen Wirtschaft und insbesondere der Mitgliedsbetriebe des Kur- und Verkehrsvereins.

Inzwischen seien jedoch nahezu alle früheren Aufgaben des Vereins auf andere Träger übergegangen wie etwa die Stadt, das Stadtmarketing, die AWWiN oder auch Natur- und Nationalpark Kellerwald-Edersee. Zuletzt habe die Corona-Pandemie vielerlei Aktivitäten unmöglich gemacht oder stark behindert und die Mitgliedsbetriebe schwer belastet.

Inhaberwechsel und Geschäftsaufgaben setzten Kur- und Verkehrsverein zu

Erschwerend für die Vereinsarbeit komme hinzu, dass zuletzt die Sitze im erweiterten Vorstand nicht mehr besetzt werden konnten, die Bereitschaft der Betriebe zur Mitarbeit stark zurückgegangen sei und dass nun zwei der drei Vorstandsmitglieder bei anstehenden Wahlen nicht erneut kandidieren wollten.

Überalterung, Inhaberwechsel und Geschäftsaufgaben setzten dem Verein mächtig zu. Die Mitgliederzahl sei trotz einiger Neuanwerbungen kontinuierlich zurückgegangen auf zuletzt 43, sagte Pfeil. Der Vorstand hatte den Mitgliedern aus diesen Gründen die Auflösung des Kur- und Verkehrsvereins vorgeschlagen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung erläuterte der Vorsitzende, Bürgermeister Ralf Gutheil, ausführlich die Beweggründe. Am Ende beschloss die Versammlung die Auflösung des Kur- und Verkehrsvereins. Sie wurde inzwischen satzungsgemäß bekannt gegeben.

Vielfältige Aufnahmen übernommen

Die Aufgaben des Kur- und Verkehrsvereins waren vielfältig. Er unterstützte Werbung des Staatsbads, den Kauf von Sitzbänken an Wanderwegen und im Stadtgebiet sowie Workshops für Vermieter und Gastronomiebetriebe. Eine Rad- und Wanderkarte wurde herausgegeben. Und von Mitte der 1980-er bis Ende der 1990-er Jahre gab es regelmäßig Messebesuche. Ein Werbebus warb damals in Fußgängerzonen vieler Städte für Bad Wildungen.

Stadtführung mit „Nachtwächter“, „Waschweibern“ oder „Margaretha von Waldeck“

Mit bekannten Persönlichkeiten aus der Stadtgeschichte wurden die Stadtführungen neu belebt. Für die Rollen als Nachtwächter, Kräuterhexe, Waschweiber, Geister, Kammerzofen, Margaretha von Waldeck und das Schneewittchen ließ der Verkehrsverein Kostüme nähen. Eine Kooperation gab es auch mit der Märchenbühne in Bergfreiheit. Der Verein unterstützte die Präsentation der Gästeführer auf Hessentagen. Für das „Schneewittchenbuch“ von Erhard Sander wurden Planung, Produktion und Vertrieb übernommen.

Die Bunker wurden unter anderem mit Info-Tafeln ausgestattet, Souvenirs wie Schirm, Uhr, Taschen angeschafft und seit 2003 regelmäßig mit Stadtmarketing Informationsabende für Gäste veranstaltet.

Unterstützt bei Blumenkorso und Sambafestival

Der Kur- und Verkehrsverein unterstützte die Wirtschaftsvereinigung AWWiN bei vielen Veranstaltungen – vom Weihnachtsmarkt über Blumenkorso und Osterschmuck bis hin zum Sambafestival. Weitere Aufgaben: Altstadt-Schilder an historischen Objekten und blaue Hinweisschilder auf Kurviertel und andere Orte. Unter anderem engagierte sich der Verein auch bei Planung und Produktion der Imagefilme von Bad Wildungen sowie der Produktion von Kurzclips für Fernsehbeiträge.

Mehrfach wurden die Kosten zum Königinnen-Empfang des hessischen Ministerpräsidenten für Schneewittchen und Blumenkönigin übernommen. Beteiligt hat sich der Verein an der Schatzsuche-App der Grimm Heimat und stellte Preise für Gewinnspiele bereit. Neue Panoramakarten, Tafeln und Werbefilme wurden aus dem Vereinsetat mitfinanziert, und es wurden Kostenzuschüsse an Vermieterbetriebe für die Klassifizierung mit Sternen gewährt. (Cornelia Höhne)

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