Kehrtwende nach Dürresommern

In Bad Wildungen soll die in 2019 abgeschaffte Zisternensatzung wieder eingeführt werden

Regenwasser sammeln: Das soll in Bad Wildungen wieder Pflicht werden beim Neubau von Häusern.
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Regenwasser sammeln: Das soll in Bad Wildungen wieder Pflicht werden beim Neubau von Häusern.

Wer in Bad Wildungen baut, soll künftig wieder eine Auffanganlage für Regenwasser in seinem Garten installieren.

  • Im Frühjahr 2019 wurde in Bad Wildungen die Zisternensatzung abgeschafft, um Bauherren nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten.
  • Am 1. November 2021 beschloss die Stadtverordnetenversammlung im Altwildunger Bürgerhaus auf Antrag der Grünen eine Wiedereinführung der Satzung.
  • Die aktuellen Folgen des Klimawandels mit Dürresommern vergangener Jahre, aber auch Starkregenereignisse waren Anlass für die Kehrtwende im Parlament.

Bad Wildungen – Im Frühjahr 2019 wurde die Zisternenpflicht für Neubauten abgeschafft, um Bauherren nicht zusätzlich mit dem Einbau von Regenwasserspeichern finanziell zu belasten. Am Montagabend leitete die Stadtverordnetenversammlung im Altwildunger Bürgerhaus eine Kehrtwende ein. Eine hauchdünne Parlamentsmehrheit beschloss die Wiedereinführung der Satzung.

Sparsamer mit Trinkwasser umgehen

Seit 1998 existierte eine Zisternensatzung. Sie wurde in 2019 abgeschafft, um das Budget von Häuslebauern nicht mehr als nötig zu strapazieren. Mit Blick auf aktuelle Folgen des Klimawandels setzte aber inzwischen ein Umdenken ein. Die trockenen Sommer vergangener Jahre boten neuen Diskussionsstoff über einen sparsameren Umgang mit Trinkwasser.

Die Grünen beantragten am Montag die Wiedereinführung der Zisternensatzung. Fraktionsvorsitzender Klaus Stützle regte gleichzeitig an, die Grundstückseigentümer bei der Anschaffung von Zisternen oder anderen Regenwasserspeichern zu fördern. „Katastrophale Überschwemmungen und sinkende Grundwasserspiegel im Paket mit der Klimakrise gefährden unseren Wasserreichtum“, begründete Stützle den Antrag.

Laut Statistik verbrauche jeder Bürger täglich 127 Liter Trinkwasser – zwei Drittel davon stamme aus dem Grundwasser. In vielen Regionen seien Grundwasserspiegel aber selbst nach andauerndem Starkregen unter ihrem üblichen Niveau, und manchen Kommunen gehe schon heute das Wasser aus. Zisternen und andere Regenrückhalteeinrichtungen leisteten Unterstützung beim sparsamen Umgang mit Trinkwasser und pufferten bei Starkregen die Kanalnetze ab.

Vaupel: Keine Probleme mit Trinkwasser in Wildunger Region

Die CDU – in 2019 treibende Kraft bei der Abschaffung der Zisternensatzung – riet von einer Wiedereinführung ab. Fraktionsvorsitzender Marc Vaupel warnte angesichts ohnehin schon explodierender Baukosten vor einer weiteren Belastung Bauwilliger. Probleme mit Grundwasser gebe es in der Wildunger Region nicht, betonte Vaupel.

Für die SPD hingegen drängte Axel Finger zum Handeln. „Wir müssen das Thema anders denken und auch Starkregenereignisse in die Überlegungen einbeziehen.“ Die SPD unterstütze die Einführung der Zisternensatzung. Was genau darin geregelt werde, das könne der zuständige Parlamentsausschuss in der Beratung klären.

Mit einer Stimme Mehrheit für Rückkehr zur Zisternensatzung

Ebenso wie die CDU hatten Freie Wähler und FDP in 2019 für eine Abschaffung der Satzung gestimmt. Am Montagabend begrüßte Bernd Zimmermann seitens der FDP den Kurswechsel. „Wenn man sieht, was in den Sommermonaten an Wasser aus der Wasserleitung verwendet wird, um den Garten zu sprengen, dann kann man dem Antrag nur zustimmen.“ Die Freien Wähler indes wollten von einem Zisternen-Zwang nichts wissen. „Die Möglichkeit einer Förderung hingegen unterstützen wir sehr“, stellte Kira Hauser klar.

Mit 16 Ja-Stimmen bei 15 Gegenstimmen wurde der Antrag auf Wiedereinführung der Satzung und die Förderung privater Grundstückseigentümer bei Erwerb und Betrieb von Regenrückhalteeinrichtungen beschlossen. Satzung und Förderrichtlinie sollen erarbeitet und dem Finanzausschuss zur Beratung vorgelegt werden. (Cornelia Höhne)

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