Auftakt mit Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang

Klangmalerei aus der Mongolei beim Festival „Folk im Park“ in Bad Wildungen

Mongolische Steppensongs im Kurpark: Eknhjargal Daandarvanchig und Purevdoj Battungalag beim Auftaktkonzert am Freitagabend.
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Mongolische Steppensongs im Kurpark: Eknhjargal Daandarvanchig und Purevdoj Battungalag beim Auftaktkonzert am Freitagabend.

Das Festival „Folk im Park“ in Bad Wildungen begann mit Klangmalerei aus der Mongolei.

  • Das Festival „Folk im Park“ begann am Freitagabend im Bad Wildunger Kurpark mit Klangmalerei aus der Mongolei.
  • Eknhjargal Daandarvanchig und Purevdoj Battungalag präsentierten Klangwelten aus der mongolischen Steppe, präsentiert mit Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang.
  • Das Festival der Weltmusik war am Wochenende die erste größere Veranstaltung seit über einem Jahr in Bad Wildungen.

Bad Wildungen – Mongolische Steppensongs und musikalische Naturschauspiele ertönten am Freitag Abend im Musikpavillon der Wandelhalle. „Subtile Klänge“ – so fasste Gereon Schoplick als Veranstaltungsleiter des Stadtmarketings seine Eindrücke zum Abschluss des vielschichtigen Programms von Eknhjargal Daandarvanchig und Purevdoj Battungalag zusammen.

Solo-Programm: So klingt ein Fluss vom Quell bis zur Mündung ins Meer

Der mongolische Schamane entwickelte mit Pferdekopfgeige (Morin hoor), Gitarre, Loop-Station und überaus variabel eingesetztem Kehlkopf ein umfangreiches Klangspektrum. Im Anschluss an ein vier Stücke umfassendes „Soloprogramm“, das eine Brücke zu westlichen Hörgewohnheiten bildete, setzte die Zither-Fee zusätzliche bezaubernde Akzente an der Yatga.

Sein Solo-Programm mit Pferdekopfgeige und Kehlkopfgesang eröffnete der Virtuose mit einem großen Naturschauspiel. In seiner Biographie eines Flusses zeichnete er sämtliche Stationen leicht nachvollziehbar auf. Das Entspringen am Quells erschloss sich den Zuhörern ebenso leicht, wie den Weg, den sich das Rinnsal zwischen Ästen und Steinen bahnen muss. Der Dialog von Ober- Unterstimmen beschreibt das Miteinander der Menschen am und auf dem Fluss, ehe sich der mächtige Strom zum Delta erweitert und und ins Meer fließt.

Klangwelten wecken Assoziationen an Indianermusik und Liebeswerben eines Ochsenfroschs

Auf die mongolische Klangpoesie folgten drei kürzere Werke, die auf die eine oder andere Art Klangmuster und Motive integrierten, die westlichen/europäischen Hörgewohnheiten entgegen kamen. Im der Mutter gewidmeten Ständchen spielte er zunächst ein kurzes, eingängiges Motiv à la Beethoven „Für Elise“ mit der Gitarre für die Loopstation ein und wechselte zum Hauptinstrument und dunkel-atmosphärischen Strichen mit dem Bogen, während die liebliche Miniatur als Begleitstimme den Wechselgesang begleitete.

Einen ebenso leichten Zugang bot das heiter gestimmte Heimkehrerlied, das die frohen oder auch bangen Erwartungen eines jungen Mannes nach fünf Jahren Militärdienst, denn die Reitermusik entführte in ähnliche Klangwelten wie die „Indianermusik“ in alten Western. Im Verlauf des Rittes ins Heimatdorf weckte der Kehlkopfgesang nicht nur Assoziationen an die Gesänge der Stämme, beim zweistimmigen Kehlkopfgesang mit Ober- und Untertönen klang auch das Liebeswerben eines Ochsenfroschs mit an.

Liebeslied mit der Zither

Die Kompositionen mit Harfe im Mittelteil wie „Blaue Berge“waren anders strukturiert, steigerten nach leichter, gemächlicher Eröffnung die Intensität und das Tempo und steuerten auf einen Gipfel von klanglicher Verdichtung und Intensität zu. Ein vertrautes Muster für Weltmusik und Crossover-Routiniers, bei den Harmonien dürften sich auch Freunde des französischen Impressionismus à la Debussy und Ravel wie daheim fühlen.

Die Populär-Musik der Renaissance der traditionellen Instrumente in den Siebzigern bildete einen weiteren gern gehörten Schwerpunkt, in dem sich Klangmalerei und Melodieseligkeit mischten. So in der schwermütigen Ballade „Der erste Schnee“, zu dessen Beginn auf den 21 Saiten der Yatga die Flocken fielen, ehe der Bogen der Pferdekopfgeige mit düsteren Strichen das Stimmungsbild grundierte und stetig die Intensität steigerte, Gipfelpunkt war der Aufschrei des Soloinstruments.

Blieb die Zither in diesem Stück noch auf die Begleitrolle der fallenden Flocken beschränkt, so entwickelte sich im Liebeslied der 70-er ein echter musikalischer Dialog mit dem Wechsel der Stimmen bei Melodie und Begleitung.

Die Begeisterung der Zuhörer, die nach gut einem Drittel immer wieder begeistert Beifall geklatscht hatten, erreichte beim Finale ihren Gipfel. (Armin Hennig)

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