Männer erzählen vom Schäferhund-Angriff in Bad Wildungen

Mädchen vom eigenen Hund angegriffen: Dank an die Lebensretter

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Bedankte sich im Namen der Stadt und ihrer Gremien: Bürgermeister Volker Zimmermanns (rechts) mit den Altwildunger Brüdern Nikolaj (26) und Dennis (17) Gebert.

Bad Wildungen. Kurz vor Weihnachten wurde in Bad Wildungen ein Mädchen vom Schäferhund der eigenen Familie angegriffen. Jetzt wurden ihre Retter, Nikolaj und Dennis Gebert, geehrt.

„Sie haben unter Einsatz Ihrer eigenen Gesundheit das Leben des Mädchens gerettet. Dieser Mut, diese Zivilcourage verdient große Anerkennung.“ Mit diesen Worten bedankte sich Bürgermeister Volker Zimmermanns seitens der Stadt mit einem kleinen Präsent bei den Altwildunger Brüdern Nikolaj (26) und Dennis (17) Gebert.

Mit ihrem beherzten Eingreifen bewahrten beide vor wenigen Wochen ein kleines Mädchen vor dem Tod, das vom Schäferhund der eigenen Familie auf der Straße angegriffen und schwer verletzt wurde. Nikolaj, ein junger Mann von großer Statur, gesteht, dass ihm noch jetzt die Knie weich werden, wenn er sich an den dramatischen Vorfall erinnert.

„Ich saß in meinem Zimmer an meiner Projektarbeit“, berichtet der Maschinenbaustudent, „als ich ein Auto hupen hörte. Bestimmt eine Minute.“ Zu lange, als dass sich dort jemand über einen anderen Fahrer aufregte. „Ich habe das Fenster geöffnet und hörte Schreie.“ Nikolaj Gebert überlegte nicht mehr lange, bewaffnete sich geistesgegenwärtig mit der Metallstange zum Öffnen der Dachbodenluke und eilte die Treppe hinunter. Sein jüngerer Bruder Dennis hatte das Hupen ebenfalls gehört. „Ich dachte, vielleicht eine Hochzeit“, erzählt er, doch als Nikolaj an ihm vorüber nach draußen hastete, lief er mit. Wenige Meter vom Haus entfernt bogen die beiden um die Straßenecke, wo sich ihnen ein schockierendes Bild bot. Drei Frauen und ein Jugendlicher standen starr vor Schrecken vor einem schreienden Mädchen, das ohne T-Shirt und Jacke am Boden lag, angegriffen von einem Schäferhund über sich.

Nikolaj sah, wie das Tier in den Kopf seines Opfers biss, zögerte aber den Bruchteil einer Sekunde, auf den Hund loszugehen, denn es sah so aus, als sei dessen Leine um den Hals des Mädchens gewickelt. „Ich war froh, dass ich meinen Bruder dabei hatte“, sagt der junge Mann. Denn Dennis sprach sofort das Mädchen an und bat es, die Leine vom Hals zu nehmen, was die Kleine schaffte. Nikolaj vertrieb den Schäferhund mit Hilfe der Metallstange in Richtung Feldweg, doch das Tier versuchte, zurückzugelangen.

Dennis rannte zum nahe liegenden Wäldchen, während sich die anderen Passanten um das schwer verletzte Mädchen kümmerten. Der jüngere Bruder griff sich einen Ast und hielt dann Seite an Seite mit Nikolaj den Schäferhund auf Abstand. „Da war auch schon die Polizei hinter uns, schickte uns weg und erschoss den Hund“, schildert der ältere Bruder.

Rettungskräfte versorgten das Kind. „Ich war sehr erleichtert, als ich hörte, dass es ihr besser geht“, sagt Nikolaj Gebert. Er erinnert sich noch, dass das Mädchen sein Gesicht mit dem Arm bedeckte und jammerte, dass der Hund von Zuhause davon gelaufen sei und sie ihn habe zurückholen wollen.

Wie schwer das Mädchen verletzt wurde, erfuhr der Bürgermeister kurz nach dem Vorfall: „Den Bissspuren zufolge war das Tier dabei, sich zur Kehle vorzuarbeiten.“

Nikolaj und Dennis Gebert kamen sich vor wie in einem schlechten Film, meinte der ältere Bruder. Selbst mit großen Hunden als Kind vertraut, hätte er nie gedacht, dass er so etwas einmal erleben würde.

Für den Angriff gibt es nach wie vor keine Erklärung. Das Tier, einer von zwei Schäferhunden der Familie, war zuvor nicht als aggressiv aufgefallen.

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