Sammlung in zehn Kartons

350 Mio. Jahre alte Panzerfische in Bad Wildunger Bunker entdeckt

Panzerfisch in der Hand: Der paläontologische Fachmann Hartmut Kaufmann präsentiert die Versteinerung eines Panzerfisches. Das Exemplar stammt allerdings nicht aus der Bad Wildunger Sammlung. Deren Funde sind noch nicht präpariert. Foto: Biedenbach

Bad Wildungen. In einem Depot des Bad Wildunger Stadtmuseums lagern - von der Öffentlichkeit unbeachtet - seit Jahrzehnten 350 Millionen Jahre alte Fossilien.

In den rund zehn Kartons der Sammlung befinden sich auch Teile des schon lange ausgestorbenen Panzerfisches.

Für Experten sind die Versteinerungen eine Sensation - schließlich sind sie 100 Millionen Jahr älter als der berühmte Ur-Dackel aus der Korbacher Spalte oder die bekannte Kornähre aus dem Steinbruch bei Frankenberg.

Aufgespürt haben diesen prähistorischen wissenschaftlichen Schatz der paläontologische Experte Hartmut Kaufmann (Burgwald) und Norbert Panek vom Geopark Grenzwelten. Kaufmann hatte von einer in einem Bunker lagernden Fossilien-Sammlung gehört.

350 Millionen Jahre alt: Dieses Fossil eines Panzerfisches wurde bei Bad Wildungen gefunden, es ist aber nicht Teil der jetzt entdeckten Sammlung, aber auch im Besitz der Stadt. Foto: Schade

Nach Absprache mit dem Bad Wildunger Museumsleiter Bernhard Weller bekamen sie Zugang zu dem als Außendepot genutzten Bunker und staunten nicht schlecht über die zahlreichen Teile von Panzerfischen und weitere Fossilien, wie Dreilappkrebse, Kopffüßer und Muscheln.

Wer die Sammlung angelegt hat und wie lange sie schon im Bunker lagert, das ist unbekannt. Sicher ist aber laut Kaufmann, dass die Fossilien aus Steinbrüchen bei Bad Wildungen kommen, wo viele Fossilien aus der Devonzeit (vor 420 bis 360 Millionen Jahren) liegen. „Das Gebiet ist vergleichbar mit der Grube Messel“, sagt Kaufmann

Er und Geopark-Chef Panek würden eine wissenschaftliche Aufarbeitung der Sammlung begrüßen. Die Fossilien sollten präpariert, bestimmt und katalogisiert werden, damit sie dann in einer Ausstellung gezeigt werden könnten - als ein weiterer Höhepunkt im Geopark.

Der Bad Wildunger Museumsleiter Weller machte gegenüber der HNA deutlich, dass die Stadt dies ohne finanzielle Hilfe nicht leisten könne. Im Etat 2015 sei kein Geld eingeplant.

Hintergrund: Panzerfische

Panzerfische sind eine ausgestorbene Klasse fischähnlicher kiefertragender Wirbeltiere. Sie hatten ihre Blütezeit vor zirka 350 Millionen Jahren (Devon-Zeitalter). Charakteristisch für Panzerfische ist, dass Kopf und Rumpf mit Knochenplatten gepanzert waren.

Die Panzerfische entwickelten als erste Wirbeltiere Kiefer. Da sie am Anfang der Fischevolution stehen, sind sie für die Forschung von großer Bedeutung.

Wichtige Fundstellen in Deutschland sind der Blaue Bruch und Schmidts Bruch im Ense-Gebiet bei Bad Wildungen, die unter Naturschutz stehen, sowie der Schiefer von Gruben im Hunsrück und bei Gummersbach.

Quelle: Wikipedia

Welche Ideen es gibt, wie der Fund für die Öffentlichkeit aufbereitet werden könnte und ein Porträt des paläontologischen Fachmanns Hartmut Kaufmann lesen Sie in der gedruckten Samstagausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

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