Niederländerin empfängt mit Thüringer HC die HSG Bad Wildungen

Miranda Schmidt-Robben spielt erstmals gegen die Vipers

Nichts verlernt: Miranda Schmidt-Robben wirft auch für den Thüringer HC ihre Tore. Die Vipers hoffen erstmals, dass die ehemalige Teamkollegin heute leer ausgeht.
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Nichts verlernt: Miranda Schmidt-Robben wirft auch für den Thüringer HC ihre Tore. Die Vipers hoffen erstmals, dass die ehemalige Teamkollegin heute leer ausgeht.

Nicht in jedem Karriereende liegt ein neuer Anfang. Miranda Schmidt-Robben hat sich bereits zweimal aus der Handball-Bundesliga verabschiedet und spielt immer noch in der höchsten deutschen Liga.

Bad Wildungen – Die Niederländerin hat aber mittlerweile das Trikot der Wildunger Vipers gegen das des Thüringer HC getauscht. Nur ein befristetes kurzes Gastspiel. Die 34-Jährige hilft dort seit August mal wieder aus, genau wie sie bei den Vipers 2020 als Aushilfe zurückgekehrt war, nachdem sie neun Jahre lang das Gesicht des kleinen Vereins aus der Badestadt war, der mit kleinem Budget seit Jahren Großes im deutschen Handball leistet.

Schmidt-Robben hatte gehofft, dass ihre Aushilfstätigkeit auf dem linken Flügel in Thüringen am 30. Oktober bereits beendet sein würde, denn an diesem Tag steht die Partie Thüringer HC gegen die Wildunger Vipers auf dem Spielplan. Doch daraus wurde nichts.

Thüringer Trainer Müller: „Miranda ein absoluter Glücksgriff“

„Ich spiele am Samstag gegen die Vipers.“ Wenn die Niederländerin diesen Worte zu sich selbst sagt, steigt in ihr schon ein mulmiges Gefühl auf. „Das ist wirklich ein komischer Satz für mich. Ich haben ihn ganz lange vor mir hergeschoben, und gedacht, darüber will ich nicht so viel nachdenken.“ Doch jetzt muss sie darüber nachdenken. Heute ist es soweit. „Es ist für mich auch deshalb ein komisches Spiel, weil sogar mein Mann auf der Gegenseite ist“, erzählt die zweifache Mutter. Thomas Schmidt ist der Physiotherapeut im Team der Vipers mit ihrer Trainerin Tessa Bremmer.

Der Ehemann schaltet sich nun lauthals in das Telefongespräch mit ein: „Die haben keine Chance am Samstag.“ Das kostet seiner Ehefrau nur ein müdes Lächeln. „Wir ziehen uns wegen diesem Spiel immer mal wieder gegenseitig auf, aus Spaß“, erzählt die Niederländerin. Sie setzt sich gedanklich mit dieser Situation auseinander, die sie heute erwartet, auch, um sie besser meistern zu können: „Klar, wird es komisch für mich, die Mädels sehen, die Bank mit Tessa und jetzt als Co-Trainerin auch noch Sabi (Red.: Sabine Heusdens), aber das ist Leistungsport, ich muss diese Gedanken ausschalten und denken, das ist ein Spiel wie jedes andere auch.“

Wie sehr Schmidt-Robben an diesem Verein hängt, weiß natürlich auch ihr neuer Trainer Herbert Müller. „Er hat mich auch schon gefragt, wie es mir geht, wenn ich gegen Wildungen spielen muss“, erzählt die 34-Jährige.

Der THC-Coach bezeichnet die Neue aus Wildungen als „absoluten Glücksgriff“ für den Verein. Spielerinnen wie sie, die Handball mit viel Leidenschaft, Kampf und Emotionen spielten, hätten es beim Thüringer HC schon immer leicht gehabt, lobt der Coach. Und obwohl Müller die Vipers bereits sehr gut kennt, will er das Insiderwissen von Schmidt-Robben bei der taktischen Abschlussbesprechung auf jeden Fall in seinen Matchplan mit einfließen lassen. Da würden Tessa Bremmer und ihre Spielerinnen bestimmt gern Mäuschen spielen.

Doch Schmidt-Robben wiegelt ab. „Ich glaube, dass ich nicht viel Neues beitragen kann. Da wir immer auf jene Mannschaft treffen, gegen die die Wildunger zuletzt spielten mussten, haben wir schon viele Videos von den Vipers-Spielen gesehen.“

„Ich hatte nicht mit so viel Spielzeit gerechnet“ 

Das Lob ihres Trainer gibt die Niederländerin sofort zurück. „Ich bin beim THC super nett empfangen worden, von den Spielerinnen, Trainern und dem Management.“ Sie wisse es besonders zu schätzen, dass die neuen Vereinsverantwortlichen viel Rücksicht auf ihre familiäre Situation nehmen würden.

Die 34-Jährige, die mit ihrer Familie weiterhin in Höringhausen wohnt, setzt sich donnerstags ins Auto, fährt nach Bad Langensalza und kommt nach dem Spiel zurück.

Handball-Wunsch ging in Erfüllung

In dem Angebot des mehrfachen deutschen Meisters war keine Stammplatzgarantie enthalten. So stellte sich natürlich auch diese Frage: Lohnt sich der enorme Aufwand, wenn ich kaum Spielzeit bekommet? Die Antwort darauf ist positiv: „Mit so viel Spielzeit hatte ich gar gerechnet.“ Ihr Trainer weiß, schon, warum er sie aus dem handballerischen Ruhestand geholt hat. „Miranda ist immer motiviert und sofort im Spiel.“

Auch wenn ihr Gastspiel in Thüringen in der Winterpause wieder enden sollte, hat sich die Niederländerin noch einen Handball-Wunsch erfüllt. Sie wollte noch einmal international spielen. Leider ist das THC-Team bereits in der Qualifikation an Molde (Norwegen) gescheitert. „Es war trotzdem ein tolles Erlebnis“, sagt die Niederländerin.

Nun gilt ihre volle Konzentration der Partie gegen ihre ehemaligen Teamkolleginnen. Jetzt mal Hand aufs Herz, Frau Schmidt-Robben. Wenn die Vipers eine Überraschung gegen den THC schaffen, sind Sie dann traurig? - „Ja,natürlich!“ Das muss sie jetzt so sagen. rsm

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