Staatsanwaltschaft fordert zwölf Jahre Haft

Bluttat in Kunoldstraße: Aus Mordanklage wird Totschlag

Die Staatsanwaltschaft hat eine Verurteilung wegen Totschlags beantragt: Der Angeklagte Rick T. hat gestanden, eine 49-jährige Frau in ihrer Wohnung an der Kunoldstraße getötet zu haben. Zeichnung: Reinckens

Kassel. Zwölf Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft Kassel für einen 23-Jährigen. Er hatte eine Bekannte mit 39 Messerstichen getötet. Vor Gericht zeigte er kaum Reue.

Aus Habgier hat der 23-jährige Rick T. am 12. Juni vergangenen Jahres eine 49-jährige Frau in deren Wohnung an der Kunoldstraße in Bad Wilhelmshöhe wohl nicht getötet. Zu diesem Ergebnis ist jedenfalls Staatsanwalt Matthias Blosche am Donnerstagmorgen in seinem Plädoyer vor der sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts gekommen.

Ob nun Habgier oder niedere Beweggründe - diese Mordmerkmale hätten in der Hauptverhandlung nicht nachgewiesen werden können, sagte Blosche. Von daher rückte der Staatsanwalt auch von der ursprünglichen Anklage wegen des Verdachts des Mordes in Tateinheit mit Raub ab. Stattdessen beantragte er für Rick T. eine zwölfjährige Haftstrafe wegen Totschlags und Unterschlagung.

Der Angeklagte hatte bereits zum Prozessauftakt eingeräumt, im Juni 2014 seine 49-jährige Bekannte mit Messerstichen getötet und anschließend 1300 Euro aus ihrer Wohnung und ihr Auto mitgenommen zu haben. Kennengelernt hatten sich beide nur wenige Monate zuvor im Herbst 2013 in der Psychiatrie in Merxhausen. Er habe aufgrund seines Drogenkonsums eine Psychose gehabt, sie sei manisch depressiv gewesen, hatte Rick T. erklärt. Als die 49-Jährige entlassen wurde, habe auch er die Klinik verlassen. Die beiden freundeten sich an und hatten auch ein intimes Verhältnis. Die Frau habe ihn „durchgefüttert“, sagte der Staatsanwalt. Der Angeklagte habe eine „dissoziale Persönlichkeitsstruktur“, das heißt, er habe keine Skrupel, Menschen, die ihm nahestehen, auszunutzen.

Rick T. hatte auch eingeräumt, dass er Anfang 2014 40.000 Euro aus der Wohnung der Frau gestohlen und innerhalb weniger Wochen verprasst hatte. Dieser Diebstahl hatte das Verhältnis der beiden belastet, die 49-Jährige hatte Rick T. deshalb auch angezeigt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau vor ihrem Tod nicht mehr damit gerechnet hatte, die 40.000 Euro von dem arbeitslosen Rick T. zurückzubekommen. Nachdem sie ihn in der Nacht zum 12. Juni gegen 3 Uhr in ihre Wohnung gelassen hatte, sei es zum Streit zwischen den beiden gekommen. Die 49-Jährige habe wohl davon Wind bekommen, dass Rick T. eine neue junge Freundin gehabt habe, die damals von ihm schwanger war, so der Staatsanwalt. Der Streit sei eskaliert. Rick T. habe das Opfer angegriffen, gewürgt und habe dann offenbar zu einem Messer gegriffen, das er im Messerblock sah. Der 23-Jährige stach laut Obduktionsbericht insgesamt 39 Mal auf die Frau ein. Er habe auch noch dann zugestochen, als sie Frau bereits wehrlos am Boden lag.

Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er die Tat später selbst bei der Polizei gemeldet und ein Geständnis abgelegt hat. Ansonsten spreche nicht viel für Rick T. Er habe vor Gericht keine „sonderliche Reue“ gezeigt und es versäumt, sich bei dem Sohn des Opfers zu entschuldigen. Am 13. April plädiert die Verteidigung.

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