Verdacht auf Brandstiftung

Mutter-Kind-Klinik evakuiert - Verdächtiger festgenommen

Bad Wildungen. Wegen eines Feuers ist eine Mutter-Kind-Klinik an der Stöckerstraße am Montagabend evakuiert werden. Die Polizei Bad Wildungen nahm noch in der Nacht einen 54-Jährigen fest.

„Er steht unter dringendem Tatverdacht“, erklärte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Der Mann, der aus Kassel zugezogen sei und in der Bad Wildunger Brunnenallee wohnt, sei wegen ähnlicher Delikte stark vorbelastet. Kurz nach dem Feuer an der Mutter-Kind-Klinik habe der Verdächtige erneut versucht am Hotel Isabell in der Richard-Kirchner-Straße zu zündeln. „Dabei haben wir ihn erwischt und festgenommen“, sagte der Beamte. Wegen verschiedener Brände in der vergangenen Woche, patrouillierte die Polizei verstärkt im Stadtgebiet. „Wir hatten eine zusätzliche Zivilstreife im Einsatz.“ Der Haftrichter beim Amtsgericht Fritzlar hat gegen den mutmaßlichen Brandstifter am Dienstag Untersuchungshaftbefehl wegen „Schwerer Brandstiftung“ in mehreren Fällen erlassen. Er wurde in eine Justizvollzugsanstalt überführt.

35 Mütter und 54 Kinder hatten den Gebäudekomplex, der zentral nahe der Brunnenallee nicht weit von anderen Kliniken liegt, wegen Rauchentwicklung im Gebäude verlassen müssen. Verletzt wurde nach Angaben der Feuerwehr vor Ort niemand.

Das Feuer sei gegen 22 Uhr in einem Müllraum des Gebäudekomplexes ausgebrochen, der von außen zugänglich ist, erklärte Stadtbrandinspektor Ralf Blümer der HNA am Einsatzort. „Es gab dort offenes Feuer“, sagte Udo Paul, Pressesprecher der Wildunger Wehr. Rauch sei über einen Lüftungsschacht ins Gebäude eingedrungen. Dessen Brandmeldeanlage habe ausgelöst. Dementsprechend sei die Evakuierung eingeleitet worden. Diese habe vorbildlich funktioniert, sagte Paul weiter.

Zuletzt aktualisiert um 17.07 Uhr

Ein Einsatzwagen der Feuerwehr war ganz in der Nähe, als der Alarm kam. Eine halbe Stunde zuvor habe am nahegelegenen Krankenhaus nämlich bereits ein Müllcontainer gebrannt, berichtete Udo Paul. Und auch Müll direkt gegenüber der Mutter-Kind-Klinik brannte nahezu zeitgleich.

Daher wollte die Polizei auf Anfrage Brandstiftung nicht ausschließen. Zumal es in den vergangenen Tagen immer wieder zu Bränden von Mülltonnen und -containern in Bad Wildungen gekommen war. Erst am Wochenende hatte es mehrere Fälle gegeben, erklärte Udo Paul.

Und auch nicht lange zurück liegt ein Vorfall mit mehreren tausend Euro Schaden: Am 11. November war bei einem Feuer spätabends die Fassade eines Elektromarktes in der Itzelstraße beschädigt worden. Nach ersten Erkenntnissen vor Ort ging das Feuer vom Umfeld des Geschäftsgebäudes aus, wo Alt-Elektrogeräte abgestellt waren. Kurz zuvor war aus der nicht weit entfernten Richard-Kirchner-Straße eine Altpapier-Tonnenbrand gemeldet worden. Die Polizei ging in beiden Fällen von Brandstiftung aus.

Mutter-Kind-Klinik in Bad Wildungen evakuiert

Am Montagabend nun rückte ein Großaufgebot an Einsatzkräften an, als die Alarmierung kam. Feuer und Rauch in einer Mutter-Kind-Klinik: Bei einer solchen Meldung gehen die Retter auf Nummer sicher. Sie wissen schließlich anfangs nicht genau, wie sich die Situation entwickeln wird.

Drei Dutzend Einsatzkräfte mit sieben Fahrzeugen rückten allein von der Feuerwehr an. Dazu mehrere Rettungswagen, Notarzt, Bergwacht und Mitglieder einer Schnellen Eingreiftruppe des Deutschen Roten Kreuzes. Auch Bürgermeister Volker Zimmermann war zum Ort des Geschehens geeilt.

Während die Feuerwehr mit Lüftern das Gebäude vom Rauch befreite, waren die Mütter und Kinder in einem benachbarten griechischen Lokal untergekommen. Dessen Betreiber hatten ihnen spontan Zuflucht geboten. „Das muss man auch wirklich mal lobend erwähnen“, sagte Kai Scheller, Leiter der Schnellen Einsatzgruppe des DRK. Diese hatte für die Betroffenen Tee und Decken vorbereitet.

Gegen 23.30 Uhr, eineinhalb Stunden nach der Alarmierung, öffneten sich dann die Türen des Restaurants. Langsam, manche mit Kind auf dem Arm, andere mit Kindern an der Hand, gingen die Mütter ins Freie - sie durften wieder zurück in die Klinik. (mam)

Die Brandserie in Wildungen

Die Brandserie in Bad Wildungen begann vor 14 Tagen, als in der Richard-Kirchner-Straße eine Altpapiertonne angezündet wurde. Kurze Zeit später brannten in der Itzelstraße vor einem Elektromarkt abgestellte Geräte. Die Flammen griffen auf die Außenfassade über und entzündeten auf dem Dach verlegte Teerbahnen.

Am Samstag, 22. November, kam es gegen 23 Uhr zu drei weiteren Bränden in der Bad Wildungen Innenstadt. In der Brunnenallee entzündete der Brandstifter drei Wertstoffsäcke. Zu einem größeren Schaden kam es nicht, weil der Geschädigte das Feuer rechtzeitig bemerkte und mit einem Feuerlöscher löschen konnte. Auch bei den beiden weiteren kleineren Bränden in der Brunnenallee, die sich kurze Zeit später ereigneten, entstand kein größerer Sachschaden.

Am Montag, 24. November, ging die Brandserie weiter. Von 21.37 Uhr bis 22.15 Uhr musste die Bad Wildunger Feuerwehr zu insgesamt vier Bränden in der Laustraße, zweimal Brunnenallee und in die Stöckerstraße ausrücken. (nh/ukl)

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