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Bad Wildungen: Ruine Katzenstein nach Kahlschlag ein Sanierungsfall

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Freischnitt mit Folgen: Nach den Pflegearbeiten an der Ruine Katzenstein werden erhebliche Schäden an dem Gemäuer sichtbar.
Freischnitt mit Folgen: Nach den Pflegearbeiten an der Ruine Katzenstein werden erhebliche Schäden an dem Gemäuer sichtbar. © Cornelia Höhne

Die Ruine Katzenstein in Bad Wildungen weist erhebliche Schäden auf. Das wurde bei einem Freischnitt der Anlage deutlich.

Bad Wildungen – Die seit Jahren zugewucherte Ruine Katzenstein ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Ein extremer Freischnitt rückt das einst beliebte Ausflugsziel wieder ins Tageslicht. Böse Überraschung: Nach der Beseitigung von Aufwuchs und wucherndem Grün werden erhebliche Schäden an dem Gemäuer sichtbar, die Treppe zur Aussichtsplattform ist aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Treppe verbarrikadiert: Nach dem Freischnitt im Frühjahr 2022 wurden erhebliche Schäden an dem Bauwerk sichtbar.
Treppe verbarrikadiert: Nach dem Freischnitt im Frühjahr 2022 wurden erhebliche Schäden an dem Bauwerk sichtbar. © Cornelia Höhne

Auf Nachfrage von Helmut Simshäuser (CDU) informiert Bürgermeister Ralf Gutheil in der Stadtverordnetenversammlung über den schlechten Zustand der über 140 Jahre alten künstlich angelegten Ruine oberhalb des Badehotels. Aufgefallen sei der schon vor den Aufräumarbeiten im Umfeld des Gemäuers. Seit dem Freischnitt sei das Ausmaß der Schäden deutlich sichtbar.

Simshäuser: „Wir hätten die Ruine besser so da stehen lassen...“

Die neue Rundumsicht nach dem Kahlschlag bleibt deshalb von der Aussichtsplattform bis auf Weiteres verwehrt, der Aufgang ist verbarrikadiert. Bürgermeister Gutheil setzt auf eine kurzfristige Lösung, um die künstlich angelegte Ruine wieder instand zu setzen für die touristische Nutzung.

„Von Weitem sieht sie wunderbar aus“, urteilt Simshäuser nach dem Freischnitt. Bei näherem Betrachten sei sie aber alles andere als einladend, Simshäuser spricht von einer „Katastrophe, was da verschandelt wurde“. Sein Fazit: „Wir hätten die Ruine besser so da stehen lassen wie bisher, denn dann hätte man das nicht gesehen.“ Er prangerte große, dunkle Absperr-Platten an. „Das sieht gruselig aus“, schimpft der Abgeordnete im Parlament.

Bis 2021 im Dornröschenschlaf: Die Ruine zugewuchert und versteckt.
Bis 2021 im Dornröschenschlaf: Die Ruine zugewuchert und versteckt. © Cornelia Höhne

Beliebt als Partyplatz, Fixerraum und Nachtquartier

Laut Bürgermeister Gutheil sei dies eine Reaktion auf erste Sicherungsmaßnahmen mit Absperrungen, die nicht eingehalten wurden. Besucher hätten sie ignoriert und seien trotzdem bis zur Aussichtsplattform vorgedrungen. „Dem galt es Einhalt zu gebieten.“ Die Anlage sei sehr baufällig und es bestehe Absturzgefahr. Großflächige Tafeln an der Treppe sollen nun den Zugang verwehren.

Die Ruine werde nicht nur von Spaziergängern angesteuert sondern sei auch beliebt für Partys, als Fixraum und als Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose. Als Anlaufstelle für Wanderer ist sie in den vergangenen Jahren zunehmend unattraktiver geworden.

Wieder frei: Der Aussichtsturm der Ruine Katzenstein.
Wieder frei: Der Aussichtsturm der Ruine Katzenstein. © Cornelia Höhne

Rainer Paulus (SPD) hat in 2021 den ungepflegten Zustand kritisiert: Zugewuchert von Gestrüpp nur noch mühsam zugänglich, Fernsicht kaum noch möglich. Das Parlament beschließt daraufhin, die Anlage wieder in ordentlichen Zustand zu versetzen.

Angelegt in 1876 auf einem Bergkegel beim Badelogierhaus

1876/77 wurde die künstliche Ruine Katzenstein auf der Kuppe eines Bergkegels errichtet. Sie war über einen Zickzack-Weg vom Badehotel (damals Badelogierhaus) zu erreichen und beliebtes Ziel von Kurgästen.

Die Planung ging auf die Neugestaltung des Kurparks ab Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Nach dem Vorbild der „Follies“ – zu deutsch etwa Narretei, Verrücktheit, nutzloses Gebäude – in englischen Landschaftsgärten markierte die Ruine einen besonderen Sichtpunkt. Sichtachsen ermöglichten den Blick zu Badehotel, Stadtkirche und Schloss Friedrichstein. Der Baumbewuchs lässt dies heute nicht mehr zu, auch die Kegelform des Felsens ist nicht mehr erkennbar. (Cornelia Höhne)

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