In Bad Wildungen

Nachfahre deportierter Juden sucht Spuren seiner Familie

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Gäste in Bad Wildungen: Richard Oppenheimer und Margo Mohan

Bad Wildungen. Dass sie aufgrund ihrer jüdischen Religion in Konzentrationslager deportiert wurde, verschwieg Erika Oppenheimer (geborene Mannheimer) bis zu ihrem Lebensende.

Seither versucht ihr Sohn Richard Oppenheimer, viele Informationen zum Schicksal seiner Familie zu sammeln. Mit seiner Schwägerin Margo Mohan, beide leben in den USA, war er daher zu Besuch in Bad Wildungen. Im Interview berichten sie über ihre Erfahrungen.

Welche Verbindungen haben sie zu Bad Wildungen? 

Oppenheimer: Meine Mutter Erika lebte mit ihrer Familie in der Lindenstraße. Ihr Vater war Viehhändler von Beruf. Die Familie wurde in die KZs Kaiserwald, Riga und Stutthof verschleppt und ermordet. Nur meine Mutter und meine Großmutter Lina überlebten und wanderten nach Kriegsende in die USA aus.

Sie suchen nach Spuren Ihrer Vorfahren. Waren Sie erfolgreich?

Mohan: Oh ja! Meine Familie wanderte bereits Ende des 19. Jahrhunderts in die USA aus. Sie stammte aus Bremerhaven, Oldenburg und Borken. Dort haben wir Kirchen, Archive, Friedhöfe besucht und Dokumente gefunden.

Oppenheimer: Zum ersten Mal habe ich hier in Bad Wildungen die beiden Häuser betreten, in denen meine Vorfahren lebten. Die Inhaber haben mich freundlich empfangen und mich durch das Haus geführt. Ich hatte eine Gänsehaut und wurde sehr nachdenklich. Es tut gut, ist aber auch schwer, diese Eindrücke zu verarbeiten. Es war mein bislang bester Aufenthalt in Bad Wildungen.

Wie gefällt es Ihnen in Deutschland? 

Mohan: Ich bin zum ersten Mal in Europa. Die Reise hat mir die Familie von Richard zum Geburtstag geschenkt. Alles ist so sauber. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit.

Während Deutschland in der Nazi-Zeit Menschen jüdischen Glaubens verfolgte und aus dem Lande trieb, nimmt es heute viele Flüchtlinge auf. Was halten Sie davon? 

Mohan: Meine Vorfahren waren ja selbst Migranten und flohen aus der Armut. Sie waren jung, mussten in Nordamerika hart arbeiten und lebten zunächst in einem deutschen Viertel mit anderen Migranten. Ich kann die Flüchtlinge heute gut verstehen.

Oppenheimer: Das Leid vor allem der Syrer ist schlimm. Die Religion spielt dabei keine Rolle. Und ihr habt doch mit der deutschen Einheit schon einmal große Solidarität bewiesen. Allerdings muss man die Flüchtlinge auch registrieren und kontrollieren, um möglicherweise Kriminelle und Terroristen herauszufischen. Wenn sich alle an Eure Regeln halten, ist das ok.

Ist Ausländerfeindlichkeit in Deutschland ein Problem? 

Oppenheimer: So etwas gibt es auch in den USA, selbst Neonazis. Mich hat aber erschrocken, wie sehr jüdische Gotteshäuser und Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht in Deutschland polizeilich überwacht werden. Darüber bin ich besorgt. (nh/sch)

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