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Nicht schön - aber kein Verschotterungsverbot für Wildunger Gärten

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Von: Cornelia Höhne

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Steinreich vor der Haustür: Für die einen sind Schottergärten das Mittel der Wahl, um einen Vorgarten pflegeleicht zu gestalten, für andere sind es tote Flächen. SYMBOL
Steinreich vor der Haustür: Für die einen sind Schottergärten das Mittel der Wahl, um einen Vorgarten pflegeleicht zu gestalten, für andere sind es tote Flächen. (Symbolbild) © Annette Riedl /dpa (Symbolbild)

An Schottergärten reiben sich die Fraktionen in der aktuellen Sitzung des Bad Wildunger Stadtparlaments.

Bad Wildungen – Aus Gründen des Klimaschutzes und der Biodiversität fordern die Grünen ein Verschotterungsverbot für private Gärten und öffentliche Grünflächen. Diese Einflussnahme auf Privateigentum von Hausbesitzern geht anderen Abgeordneten zu weit.

Kaum Unterschlupf und Nahrung in Steinwüsten

„In Zeiten von Klimakrise, Artenrückgang und Insektensterben kommt jedem Quadratmeter begrünter und bepflanzter Fläche eine stärker werdende Bedeutung zu“, sagt Fraktionssprecher Klaus Stützle (Bündnis 90/Die Grünen). Leider sei ein Trend zur Verschotterung von Gärten zu beobachten. Dies sei weder klima- noch insektenfreundlich.

Nur wenige Tiere finden auf kahlen, verdichteten und versiegelten Flächen Nahrung und Unterschlupf. Schottergärten beeinflussen laut Stützle das Mikroklima an Gebäuden und das Stadtklima, denn Pflanzen senken Temperaturen, filtern Staub und Lärm, spenden Sauerstoff. Kurzum: Sie dienen der Gesundheit aller Bürger. „Der Antrag ist ein Schritt in eine bessere Zukunft,“ meint daher Stützle.

„Lieber mit Anreizen arbeiten anstatt mit Verboten“

In der Diskussion stören sich mehrere Redner an der Formulierung „Verbot“. „Schottergärten sind mit Sicherheit nicht schön“, wirft Marc Vaupel (CDU) ein. Es gebe aber auch noch andere Schutz- und Rechtsgüter. Der Schutz der Privatautonomie werde gar nicht angesprochen. Vielmehr soll Häuslebauern verboten werden, Teile ihres Grundstücks so zu gestalten, wie sie es möchten. „Wir wollen lieber mit Anreizen arbeiten anstatt mit Verboten.“ Weiteren Handlungsbedarf, etwa zu versiegelten Flächen, sieht Vaupel nicht, da die Stadt bereits eine Niederschlagsgebühr erhebt.

Dr. Hans Schultheis (Freie Wähler) argumentiert ähnlich: „Uns gefällt nicht die Vokabel „Verbot“. Wir wollen die Bürger anders überzeugen.“ Regina Preysing (Linke) gibt zu Bedenken, dass ein Verbot auch Senioren treffe, die intensive Grünflächenpflege nicht mehr leisten können oder um Familien, die Stellplätze für Fahrzeuge benötigen. Sie fordert auf, „nicht mit der Keule auf kleine Spatzen zu hauen“. Vielmehr sei es an der Zeit, auf Einfamilienhäuser zu verzichten und nur noch Mehrfamilienhäuser zuzulassen.

„Rauchverbot war auch ein Eingriff“

Auch Stefan Schraps (FDP) lehnt ein Verbot ab: „Lieber aufklären, informieren, sensibilisieren.“ Sein Fraktionskollege Bernd Zimmermann verweist auf Beispiele an etlichen Bauten, wo durch Auflagen und Schutzmaßnahmen Projekte verhindert oder unverhältnismäßig überteuert würden. Für die SPD quittiert Walter Mombrei kopfschüttelnd die Begründungen seiner Vorredner. Wer bauen will, unterliege auch anderen Beschränkungen. „Wir wollen doch nicht tun, als ob das den Niedergang des Abendlandes einläutet, wo wir alle vergewaltigen mit irgendwelchen Rechtsvorschriften, die woanders schon lange gang und gäbe sind.“

Das „Rauchverbot war auch ein Eingriff in die Privatsphäre“, sagt Dr. Philipp Matthes (Grüne) an regt mit seiner Fraktionskollegin Angela von Heyden an, mutig für eine bessere Umwelt abzustimmen. Die Überzeugungsarbeit gelingt nicht, der Antrag wird mehrheitlich abgelehnt.

Statt eines Verbots kommt eine Empfehlung heraus. Mit 20 Ja-Stimmen, bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen wird ein Änderungsantrag der Freien Wähler beschlossen: „Die Stadt Bad Wildungen spricht sich dafür aus, dass private Gärten und öffentliche Grünflächen, Parks und Grünanlagen bienen- und insektenfreundlich bepflanzt und gestaltet werden. Gleichzeitig spricht sich die Stadt gegen die Verschotterung von Vorgärten aus.“ (Cornelia Höhne)

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