Kurstadt zeichnet Alt-Bürgermeister aus

Reinhard Grieneisen ist neuer Ehrenbürger von Bad Wildungen

Der neue Bad Wildunger Ehrenbürger im Kreise der Gratulanten (von links): Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal, Bürgermeister Ralf Gutheil, Altbürgermeister Reinhard Grieneisen, Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg, Altbürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff und Landrat Dr. Reinhard Kubat.
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Der neue Bad Wildunger Ehrenbürger im Kreise der Gratulanten (von links): Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal, Bürgermeister Ralf Gutheil, Altbürgermeister Reinhard Grieneisen, Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg, Altbürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff und Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Mehr als 34 Jahre lang hat Reinhard Grieneisen die Wildunger Kommunalpolitik haupt- und ehrenamtlich mitgeprägt. Zum Dank ernannte ihn die nun Stadt zum Ehrenbürger.

Bad Wildungen – Die Urkunde überreichten Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal und Bürgermeister Ralf Gutheil dem Altbürgermeister am Samstag bei einem Empfang zu dessen 80. Geburtstag in der Wandelhalle.

Die Verleihung der Ehrenbürgerrechte in Bad Wildungen ist eine besondere und seltene Auszeichnung. Nur zwei verdienten Bürgern wurde diese Ehre nach dem Krieg zuteil. Einer von ihnen ist der frühere Bürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff, der seinem Nachfolger beim Geburtstagsempfang persönlich gratulierte.

1972 zog Reinhard Grieneisen in die Stadtverordnetenversammlung Bad Wildungen ein

Parlamentschef Dr. Schmal, langjähriger Weggefährte und persönlicher Freund des Jubilars, skizzierte in seiner Laudatio zunächst den beruflichen und politischen Werdegang des Landwirts aus Braunau. 1972 zog Reinhard Grieneisen als CDU-Abgeordneter ins Stadtparlament ein, von 1981 bis 1994 gehörte er dem Magistrat an, seit 1985 als Erster Stadtrat und Vizebürgermeister.

Seine Kandidatur ums Bürgermeisteramt löste laut Schmal anfangs Skepsis aus, die nach seinem Amtsantritt 1994 aber schnell wich. Dr. Schmal: „Durch Unbefangenheit und ohne juristische Scheuklappen ist er Themen angegangen und hat sie erfolgreich zu Ende gebracht.“

Privatisierung der Stadtklinik Bad Wildungen und Kauf des Staatsbades durch die Stadt Bad Wildungen

Mit vielfältigen Herausforderungen war Grieneisen in seiner 12-jährigen Amtszeit bis 2006 als Rathauschef konfrontiert. Mit der Kurkrise in den 90er Jahren zum Beispiel. „Die Stadt musst völlig neu aufgestellt werden, da waren Steherqualitäten gefragt“, sagte Schmal. Privatisierung von Krankenhaus und Helenenheim, Übernahme von Staatsbad und Bad Reinhardsquelle, Sanierung der Wandelhalle, Bau der Kläranlage, die Landesgartenschau 2006 oder sein Engagement nach einer persönlichen „Kehrtwende“ für den Nationalpark nannte der Stadtverordnetenvorstehers unter anderem als Beispiele erfolgreichen Mitwirkens Grieneisens.

Viele hätten Grieneisen dabei mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten geholfen -– insbesondere auch seine 2019 verstorbene Ehefrau Christa. Schmal bescheinigte dem früheren Bürgermeister Gestaltungswillen, Durchsetzungsfähigkeit, Beweglichkeit und eine gehörige Portion Optimismus. Und: „Er war der geborene Nichtbürokrat.“

Reinhard Grieneisen wurde erster direkt gewählter Bürgermeister von Bad Wildungen

Der amtierende Bürgermeister Ralf Gutheil dankte Grieneisen für alles, was er für die Stadt geleistet habe. „Er hat sich mit Herzblut und Engagement für seine Heimatstadt eingesetzt.“ Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg, CDU-Vorsitzende in Bad Wildungen, erinnerte an die innerparteilichen Bedenken, als sich Grieneisen seinerzeit „ohne Verwaltungsausbildung oder Doktor-Titel“ zur Kandidatur ums Bürgermeisteramt entschloss. Drei junge Mitglieder der Jungen Union ebneten schließlich den Weg, als sie eine Bürgerinitiative pro Grieneisen gründeten und „einiges in Bewegung brachten“.

So wurde der Braunauer Erster direkt gewählter Bürgermeister in der Badestadt. Ein Bürgermeister, der laut Ravensburg gar nicht erst versuchte, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten, sondern einen ganz anderen Stil hatte.
Ravensburg: „Der Landwirt, der auszog Bürgermeister zu werden und Spuren in der Stadt hinterlassen hat.“

„Es passierte unheimlich viel“ in der Amtszeit von Bad Wildungens Bürgermeister Reinhard Grieneisen

„Es war eine dynamische Zeit als Grieneisen in den 90er Jahren den Staffelstab von seinem Vorgänger übernahm“, erklärte Landrat Dr. Reinhard Kubat. „Es passierte passierte unheimlich viel. Und es ist vortrefflich geworden. Das alles trägt seine Handschrift“, betonte Kubat.

„Kein Mensch hat damals daran gedacht, dass ich einmal Bürgermeister werde, auch ich nicht“, meinte Reinhard Grieneisen zum Schluss der Feier. Es habe sich so ergeben, weil Politik einfach Spaß gemacht habe. Aufmerksam verfolgt er auch heute noch die Politik in der Badestadt. „Etwas mehr Schwung könnte nicht schaden“, meinte der Altbürgermeister mit Blick auf die letzten Jahre und wünschte allen politisch Tätigen ein kluges Händchen. Vor dem offiziellen Start der Feier überraschte der Musikzug der Feuerwehr Bad Wildungen unter Leitung von Christoph Jarkow den Jubilar mit einem kleinen Platzkonzert und einem Geburtstagsständchen. Musikschullehrer Bisser Genev umrahmte am Flügel mit seiner Musik den Festakt. (Jörg Schade)

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