Bereits 870 Euro angezahlt

Reiseveranstalter pleite: Wildunger wartet auf sein Geld

Wartet auf sein Geld: Rolf Daschke aus Bad Wildungen mit dem Brief, der ihn im November über die Pleite des Reiseveranstalters informierte. Foto:  Schuldt

Bad Wildungen. Im November 2015 hatte Familie Daschke aus Bad Wildungen einen Sommerurlaub gebucht. Doch kurz noch der Anzahlung ging der Reiseveranstalter pleite.

Auch für die beliebteste Zeit des Jahres gilt: Vorfreude ist die schönste Freude. Allerdings währte sie für Rolf Daschke und seine Frau sehr kurz, als die beiden Anfang November 2015 ihren Urlaub im Süden buchten. Die kalte Dusche folgte per Einschreiben. „14 Tage später war unser Reiseveranstalter pleite - da hatten wir die 870 Euro Anzahlung längst überwiesen“, berichtet der Wildunger. Dasselbe passierte Schwiegersohn und Tochter, mit denen die Daschkes gemeinsam in die Ferien starten wollten.

Was wird aus dem Geld? Die „Mediwelt Reisen“ aus Essen, die im Logo „Mehr als Urlaub“ versprach, kündigte im Brief an, „zeitnah einen Liquidator bekannt zu geben, der die weitere Kommunikation veranlassen wird“.

Daschke telefonierte mit Monika Heß, über deren Wildunger Reisebüro er seit vielen Jahren bucht und die mit ihm das MediWelt-Angebot ausgesucht hatte. „Seit den 1990er-Jahren sind alle Reiseveranstalter gesetzlich verpflichtet, für solche Fälle in eine Versicherung einzuzahlen“, erklärt die Reisekauffrau. Über diese Versicherung würden die Daschkes ihr Geld zurück erhalten. Die Voraussetzung dafür bilde der „Sicherungsschein für Pauschalreisen“, den Reisebüros ihren Kunden im Zuge der Buchung aushändigen. „Wir machten unsere Ansprüche bei der Versicherung geltend“, schildert Rolf Daschke. Doch die Geduld der Familie wurde auf eine harte Probe gestellt: „Ein halbes Jahr lang hörten wir nichts. Es gab nicht mal eine Eingangsbestätigung.“ Daschke blieb beständig in Kontakt mit Monika Heß, doch auch sie brachte nicht mehr in Erfahrung. Sie sieht sich mit ihrem Reisebüro, das sie vor 15 Jahren gründete, erstmals mit einem solchen Fall konfrontiert. Die Wildungerin führt das darauf zurück, dass sie einer größeren Gesellschaft mit Sitz in Wuppertal angehört: der TMG. Die nehme Reiseveranstalter rasch aus dem Programm, wenn sich bei ihnen erste Probleme zeigten, etwa in Gestalt verzögerter Provisionszahlungen. Bei der MediWelt ging offenbar alles zu schnell.

Im Mai - endlich - lag Post von der Versicherung im Briefkasten der Daschkes mit der Nachricht: „Ihr Schadenfall wird bearbeitet.“ Allerdings goss das Unternehmen einen kräftigen Schuss Wermut in den ohnehin sauren Wein. Die Erstattung fälliger Beträge könne gemäß Gesetz erst nach Ablauf des Jahres (1.11. bis 31.10.), in dem der Versicherungsfall eingetreten sei, erfolgen. Vor November dürfen die verhinderten Urlauber also keinen diesbezüglichen Zahlungseingang auf ihrem Konto erwarten.

Rolf Daschke hat sich mit dem Malheur arrangiert, auch wenn die Familie den Sommer 2016 nun daheim verbringt. Sie beschäftigt sich mit Unterstützung von Monika Heß damit, wann und wie die Reise nachgeholt wird.

Von Matthias Schuldt

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