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„Wildungens Ehrenbürger“: Sonderausstellung und Buch mit Lebensgeschichten

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Wildunger Ehrenbürger: Die ehemaligen Bürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff (links) und Reinhard Grieneisen (Dritter von links) mit Kulturamtsleiterin Lisa Beutler und Bürgermeister Ralf Gutheil bei der Ausstellungseröffnung.
Wildunger Ehrenbürger: Die ehemaligen Bürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff (links) und Reinhard Grieneisen (Dritter von links) mit Kulturamtsleiterin Lisa Beutler und Bürgermeister Ralf Gutheil bei der Ausstellungseröffnung. © Barbara Liese

„Bad Wildungens Ehrenbürgern“ ist eine Sonderausstellung in der Wandelhalle gewidmet, außerdem hat Kulturamtsleiterin Lisa Beutler ein Buch mit deren Lebensgeschichten verfasst.

Bad Wildungen – Vor gerade mal zehn Monaten hat Lisa Beutler, als Nachfolgerin von Bernhard Weller, die Leitung des Kulturamtes und der Städtischen Museen übernommen. Keine lange Einarbeitungszeit, um die Wildunger und ihr Interesse an Kunst und Kultur zu verstehen.

Randnotiz spornt an zur Spurensuche

Schon die Vorstellung aller Museen mit einer Ausstellung in der Brunnenallee, die Gedächtnisausstellung mit Bildern des Heimatmalers Paul Münch und die Präsentation mit Zeichnungen des Hobbykünstlers Marco Kerkmann fanden große Anerkennung und reges Interesse. Mit der gerade eröffneten Sonderausstellung und dem Buch „Bad Wildungens Ehrenbürger“ aber wird es ihr gelingen, nicht nur die kunstinteressierten Bürger für ihre Arbeit zu gewinnen, sondern auch die Herzen vieler Wildunger.

Es war eine Notiz über Adolf Klapp, Justizrat und von 1893 bis 1908 Abgeordneter im Landtag des Fürstentums Waldeck Pyrmont, der als Ehrenbürger der Stadt fast nebenbei erwähnt wurde. Gerade diese Beiläufigkeit weckte ihre Neugier und sie begann, kaum im Amt, zu recherchieren.

Wie beim Stifter damals ein Sommerfest mit Zuckerbrezeln

Auf der Spur der Ehrenbürger, die 1879 mit Friedrich Sigismund Weber begann. Ihm, dem Förderer und Begründer, haben Bad Wildungen und die Waldecker Region den ersten Kindergarten zu verdanken. Bis heute feiert „Webers Kindergarten“ begeistert eine von ihm angestoßene Tradition: Ein Sommerfest und wie bei der ersten Begegnung Webers mit den Kindern werden Zuckerbrezeln verteilt.

Der Weg führte weiter zu Georg Höbener, dem zweiten Ehrenbürger der Stadt. Fritz Appel und Otto Radtke, dem ersten hauptamtlichen Wildunger Bürgermeister. Ihnen allen ist es zu verdanken, dass sich schon in der Zeit von 1879 bis 1931 mit öffentlichen Einrichtungen, einer entsprechenden Verwaltungs- und Infrastruktur der kleine Ort Niederwildungen schließlich das „Prädikat Heilbad“ führte.

1933 beginnt Politisierung der Ehrenbürgerschaft

Im Mai 1933 begann mit Adolf Hitler die Politisierung der Ehrenbürgerschaft. Ihm folgten in kurzer Abfolge Hermann Göring, Paul von Hindenburg, Wilhelm Frick und Karl Litzmann. Bis auf Hindenburg wurde allen, wenn auch die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod erlischt, symbolisch diese Ehre offiziell aberkannt.

Die NS – Zeit, das weiß auch Bad Wildungens Kulturamtsleiterin Lisa Beutler, ist noch immer in allen Städten ein schwieriges Thema. „Aber auch diese Zeit ist ein Teil der Stadtgeschichte. Sie zu verschweigen wäre wissenschaftlich nicht korrekt und vor allem nicht ehrlich, sagt die Buchautorin.

Vergangenheit möglichst lückenlos aufdecken

Das Ziel der Geschichtsschreibung ist es, die Vergangenheit möglichst lückenlos und chronologisch aufzudecken, um sie für die folgenden Generationen nachvollziehbar zu machen.

Im Sinne der Aufklärung ist es laut Beutler notwendig, das zuzulassen und die Ergebnisse, auch wenn sie aus heutiger Sicht nicht gefallen, zu akzeptieren. Man darf auch nicht vergessen, dass es Wildunger Bürgermeister, wie Johannes Nöldner oder Rudolph Sempf, waren, die diese Ehrenbürgerurkunden unterschrieben.

Und schließlich kamen zur Übergabe der Ehrenbürgerurkunde an Hermann Göring am 1. Juni 1933 rund 10 000 Menschen nach Bad Wildungen.

Manche hatten nie Wildunger Boden betreten

Während diese Ehrenbürger, bis auf Göbbels, niemals Wildunger Boden betreten hatten und schon gar nicht zum Wohle der Stadt handelten, erhielten im gleichen Zeitraum von 1936 bis 1939 weitere Wildunger, die sich tatsächlich für ihre Stadt engagiert hatten, diese Auszeichnung.

Dr. Ernst Waldschmidt als Leiter des Stadtarchivs und Heimatmuseums, Richard Kirchner, der Wildunger Mineralquellen AG, und Gustav Görner, der Entdecker der Reinhardsquelle, Förderer und Gründer des Kurbetriebes Reinhardshausen.

Ehrenbürger erinnern an die „schönen Tage der Urkundenübergabe“

Der erste Ehrenbürger der Nachkriegszeit war 1948 Dr. Carl Reichardt, Publizist mit den Schwerpunkten Stadt- und Landesgeschichte.

Nach den Erfahrungen der zwölf Kriegsjahre dauerte es dann dennoch 46 Jahre, bis Dr. Albrecht Lückhoff, Bürgermeister mit 24-jähriger Dienstzeit, eine Ehrenbürgerurkunde entgegennehmen konnte. Sein Nachfolger als Bürgermeister und Ehrenbürger, Reinhard Grieneisen, der erste direkt gewählte Bürgermeister der Stadt, ist der jüngste unter den Ehrenbürgern.

Als Ehrengäste der Ausstellungseröffnung versicherten sie beide, dass sie sich, wie damals bei der Amtsübergabe, noch immer sehr gut verstehen. „Für uns beide ist es wieder ein ganz besonderes Erlebnis noch einmal in einen zeitgeschichtlichen Kontext gestellt zu werden, mit allen politischen Höhen und Tiefen. Dieser Tag und vor allem das Buch holt noch einmal die schönen Tage der Urkundenübergabe zurück.“

Buch herausgegeben mit Lebensgeschichten der Ehrenbürger

Lisa Beutler hat in ihrem Buch „Die Ehrenbürger Wildungens“ Lebensgeschichten erzählt und sie in vielen Aspekten des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Lebens in die Historie der Stadt eingeordnet. Buch und Ausstellung gehen weit über die Ehrenbürgerschaft hinaus. Mit vielen, wie Erzählungen anmutenden Biografien, ist eine spannende Stadtgeschichte entstanden, die eine Verbindung schafft zwischen der Historie und der Gegenwart.

Das Buch zum Preis von Preis 24,90 Euro gibt es an folgenden Stellen: Buchland, Stadtmuseum, Quellenmuseum Infopoint und freitags bis sonntags im zweiten Obergeschoss der Wandelhalle bei der Ausstellung.

Bewegend war die Teilnahme an der Eröffnung auch für Nachfahren von bereits verstorbenen Wildunger Ehrenbürgern. (Barbara Liese)

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