Noch kein Anstieg der Fallzahlen in Waldeck-Frankenberg

Frauenhaus Bad Wildungen: Sorge vor häuslicher Gewalt in Corona-Krise

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Häusliche Gewalt wird durch die emotionalen Belastungen der Krise und die allgemeine Isolation ein schwer abzuschätzendes Problem. Das Frauenhaus steht bereit.

Bislang suchen in der Corona-Krise nicht mehr Frauen als sonst wegen häuslicher Gewalt den Schutz der Frauenhäuser – doch es gibt durchaus Grund zur Sorge.

Gewalt kann derzeit eher unbemerkt bleiben, wie das Team aus Bad Wildungen auf Anfrage unserer Zeitung erklärt. Und auch wenn in Hessen kein nennenswerter Anstieg der Anfragen festzustellen sei, sage das nichts über die Entwicklung in den nächsten Wochen aus: „Wir rechnen mit einer Zunahme der Anfragen, wenn die Corona-Krise abflacht – oder aber mehr zum Alltag wird.“

Wegen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen fehle es an sozialer Kontrolle: „Oft sind es Freunde, Bekannte oder Institutionen wie Schule oder Kita, die mitbekommen, dass es in einer Familie Gewalt gibt und die Betroffenen auf mögliche Hilfe hinweisen oder sie dazu ermutigen, sich Hilfe zu holen“, erklärt das Team. Derzeit sei es also eher wahrscheinlich, dass Gewalt an Frauen und Kindern unbemerkt bleibe. Betroffene hätten kaum Möglichkeiten, sich der Situation zu entziehen, sich Hilfe zu suchen oder sich bei Freunden und Verwandten in Sicherheit zu bringen: „Damit sind Frauen und Kinder ihren Tätern weitgehend ausgeliefert.“

Dass es aktuell in Sachen Neuanfragen ruhig sei, bedeute nicht, dass kein Beratungsbedarf bestehe. Betroffene Frauen fehle teils die Möglichkeit, Kontakt zum Frauenhaus oder der Beratungsstelle aufzunehmen: Sie seien der permanenten Kontrolle des Partners ausgesetzt, wenn dieser etwa von zuhause arbeite oder sich in Kurzarbeit befinde. Diese Umstände erschwerten, was sonst schon ein großer Schritt sei.

Mehrere Faktoren machen die Situation laut Frauenhaus schwierig: Die ständige Nähe in der häuslichen Gemeinschaft, verbunden mit Existenzängsten aufgrund von Kurzarbeit oder Verlust des Arbeitsplatzes, könne zu einer immensen emotionalen Belastung führen. Für Familien mit Kindern komme die Betreuung zuhause als Stressfaktor hinzu. „Aufkommende Unzufriedenheit und Hilflosigkeit verstärken noch einmal mehr die Eskalation von Konflikten und können eine Zunahme von häuslicher Gewalt zu Folge haben.“

Zu befürchten stehe auch, dass physische, psychische und sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen zunehme. Wer sich Sorgen um ein Kind macht, kann sich über die Beratungsstelle „LautStark“ telefonisch Unterstützung holen, um angemessen zu handeln.

Was tun bei häuslicher Gewalt im Umfeld?

Wer auf von Gewalt betroffene Frauen und Kinder aufmerksam wird, kann versuchen, telefonisch oder online Kontakt zu ihnen zu halten, rät das Frauenhaus. Wer Zeuge einer Gewalteskalation wird, sollte die Polizei verständigen. Diese hat nach dem Gewaltschutzgesetz die Möglichkeit, den Täter für eine gewisse Zeit der Wohnung und des unmittelbar angrenzenden Bereichs zu verweisen. Wer in seinem Umfeld häusliche Gewalt vermutet, kann sich mit Fragen ebenfalls an Frauenberatungsstelle und Frauenhaus wenden.

Hilfen bei häuslicher Gewalt in Waldeck-Frankenberg

Das Frauenhaus, die Frauenberatungsstelle und die Beratungsstelle „LautStark“ gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen sind auch weiterhin für telefonische Beratungen erreichbar: das Frauenhaus unter Telefonnummer 05621/3095, die Frauenberatungsstelle unter der 05621/91689 und „LautStark“ unter 05621/965758 und 05631/5049130. Und wenn es zu einer akuten Gewaltsituation kommt, sollte die Polizei alarmiert werden.

Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen und Personen, die sie in ihrem Umfeld vermuten, finden Informationen auf der Homepage der Initiative „Stärker als Gewalt“ des Bundesfamilienministeriums. Außerdem gibt es das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, welches unter Rufnummer 08000/116 016 rund um die Uhr erreichbar ist und Beratung in 17 Sprachen bietet. Weitere Informationen zur Unterstützung betroffener Kinder: www.kein-kind-alleine-lassen.de.

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