Andere Parteien reagieren sehr überrascht

SPD will neuen Jugendpark Bad Wildungen nach Altwildungen verlegen - es hagelt Absagen

Ungenutzt und brach liegt das Gelände oberhalb des Wildunger Stadions, das vom Jugendforum für die Errichtung des Jugendsport- und -kulturparks vorgeschlagen ist. Die Idee der SPD vom Dezember, das Projekt von hier ans Altwildunger Bürgerhaus zu verlegen, findet bislang keine öffentliche Unterstützung. archivfotos: Schuldt, pr
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Ungenutzt und brach liegt das Gelände oberhalb des Wildunger Stadions, das vom Jugendforum für die Errichtung des Jugendsport- und -kulturparks vorgeschlagen ist. Die Idee der SPD vom Dezember, das Projekt von hier ans Altwildunger Bürgerhaus zu verlegen, findet bislang keine öffentliche Unterstützung. archivfotos: Schuldt, pr

Die SPD Bad Wildungen hat alle überrascht mit dem Vorschlag, den geplanten neuen Jugendpark von der Ense nach Altwildungen zu verlegen. Aus den anderen Parteien kommt Ablehnung.

Bad Wildungen – Die Idee zu einem Jugendsport- und -kulturpark oberhalb des Stadions stieß bei Wildunger Politikerinnen und Politikern auf einhellige Zustimmung, als ein Team der Uni Kassel und das Jugendforum die Vorschläge Mitte Oktober öffentlich präsentierten. Angesichts der grob geschätzten Investitionssumme von fünf Millionen Euro machten die Anwesenden aus den Parteien und der Verwaltung zwar klar, dass nicht alles sofort zu verwirklichen sei, doch Standort und Grundkonzept stellte niemand infrage. Dazu zählt ein festes Gebäude, das unter anderem Treffen und Partys ermöglicht.

Zwei Monate später – im Rahmen der Haushaltsberatungen – unternahm Fraktionschef Walter Mombrei namens der SPD aber einen Vorstoß, das Vorhaben drastisch zu verändern: Der „Outdoorplatz“ lasse sich hinterm Altwildunger Bürgerhaus realisieren, das zu selten genutzt sei und zur Jugendbegegnungsstätte umgebaut werden könnte. Im Finanzausschuss ergänzte er, es biete sich an, das mit Plänen des TV-Friedrichstein für neue Umkleiden zu verknüpfen.

Jugendforum Bad Wildungen hat SPD-Vorschlag zum Jugendpark noch nicht beraten

Das Bad Wildunger Jugendforum hat diese Variante über den Jahreswechsel noch nicht beraten, erklärt Sozialamtsleiterin Annette Lambertz auf Anfrage unserer Zeitung. Aktuell sei Jugendkoordinator Manuel Schmidt erkrankt.

Als „sehr überraschend“ empfindet Erster Stadtrat Hartmut Otto (CDU) die SPD-Initiative. Otto nahm im Oktober an der Präsentation der Projektidee teil. Altwildungen hält er als alternativen Standort für ungeeignet: „Die Fläche ist viel zu klein.“Probleme mit der direkten Nachbarschaft in puncto Lärm seien am Bürgerhaus zu erwarten. Otto hält es außerdem für zu schade, dass das große Areal der Bolzplätze oberhalb des Wildunger Stadions dann weiterhin praktisch ungenutzt und brach liegen würde.

Jugendliche selbst haben Standort am Stadion Bad Wildungen für neuen Jugendpark vorgeschlagen

„Mich hat der Vorschlag der SPD sehr überrascht“, sagt auch Grünen-Stadtverordneter Thomas Buch, der im Oktober die Präsentation zum Jugendpark verfolgte. Die damals vorgestellten Ideen überzeugten ihn. Vom Änderungsvorschlag der SPD hält er nichts: „Das ist ein Projekt für die Jugend allgemein und sollte nicht der Sanierung von Vereinsfinanzen dienen.“ Auch aus seiner Perspektive ist die Fläche hinter dem Bürgerhaus zu klein, um in der Zukunft die vielseitige Weiterentwicklung eines Jugendsport- und -kulturparks zu gestatten.

Manuel Luxenburger nahm für die Wildunger FDP an der Oktober-Präsentation teil und sitzt außerdem für die Liberalen im Magistrat. Auch er lehnt die SPD-Initiative ab. Die Jugendlichen selbst hätten über das Jugendforum mit der Universität ihre Vorstellungen entwickelt: „Dass wir das als ‘alte Leute’ nun torpedieren, kann nicht sein.“ Außerdem müssten Sportanlagen über die gesamte Stadt verteilt und dürften nicht weiter in Altwildungen an einem Punkt konzentriert werden. Vor wenigen Jahren erst entstand dort zusätzlich der Kunstrasenplatz.

Neuer Jugendpark Bad Wildungen füllt große Lücke im Angebot der Stadt

Es gehe darum, mit dem Jugendpark-Projekt eine große Lücke im Angebot der Stadt zu füllen. Bad Wildungen bietet eine Menge für die älteren Generationen und vieles für junge Familien mit Kindern. Die Jugend aber finde sich jenseits der Vereine kaum wieder und vermisse einen Ort, an dem sie ihr Lebensgefühl und ihre Interessen verfolgen könne, ohne Andere damit zu stören.

Susanne Wagener von den Freien Wählern, die ebenfalls im Magistrat sitzt und wie Luxenburger bei der Oktober-Präsentation dabei war, stößt persönlich in dasselbe Horn: „Der Standort am Stadion ist optimal.“ Das große Areal an der Ense eröffnet sehr viele Möglichkeiten, das Konzept in der Zukunft weiterzuentwickeln und fortlaufend neue Anreize für die jeweils nächsten Jugendgenerationen zu setzen, meinen Manuel Luxenburger und Susanne Wagener übereinstimmend. Das Projekt stelle ein Alleinstellungsmerkmal für Bad Wildungen im weiten Umkreis dar, ergänzt der Liberale. Der Park könne darum auch helfen, einem Überaltern der Kurstadt entgegenzuwirken.

Oberhalb des Stadions Bad Wildungen beeinträchtigt der neue Jugendpark keine Nachbarschaft

Oberhalb des Stadions an der Ense läge der Jugendsport- und -kulturpark nicht in einem Siedlungsgebiet, sodass Jugendliche sich treffen könnten, ohne Andere zu stören. In Altwildungen wären Probleme mit der Nachbarschaft zu erwarten, wie Vergangenheit und Gegenwart zeigen. Das Gelände würde unmittelbar an das Altwildunger Bürgerhaus grenzen, in dem ein Nachbar vor zwei Jahrzehnten drastische Mittel gegen zu lautes Feiern gerichtlich durchsetzte. Wird ein bestimmter Pegel überschritten, geht im Saal gleißendes Licht an und die Musik wird abgestellt. Zum Tierheim hin musste vor Jahren ein hoher Wall nachgerüstet werden. Bellende Hunde hatten die Ruhe in der Nachbarschaft beeinträchtigt.

Zu Nachbarschaftsbeschwerden kam es auch an der Halfpipe für Skater neben der Helenentalschule. Grund: unter anderem laute Musik und die Geräusche der Räder auf der Bahn. Eine Skateranlage ist wesentlicher Bestandteil des geplanten Jugendsport- und -kulturparks. SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Mombrei unterbreitete seinen Vorschlag auch mit dem Motiv, Synergieeffekte zu erzeugen. Ziel: eine leichtere Finanzierung. Tatsächlich sei es nicht so einfach, für ein solches Vorhaben Fördermittel aus unterschiedlichen Töpfen einzuwerben, gesteht Sozialamtsleiterin Annette Lambertz zu. Sie hatte es bei der Präsentation des Projekts im Oktober ungeachtet dessen „als richtungweisend“ bezeichnet, „wie Jugend und Politik hier zusammenarbeiten.“ (Matthias Schuldt)

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