Streit bei Bad Wildunger Viehmarkt: Bierglas in Hals gerammt

Bad Wildungen/Kassel. Der erste Prozesstag am Landgericht Kassel um einen lebensgefährlichen Bierzeltstreit auf dem diesjährigen Wildunger Viehmarkt endete nach wenigen Minuten. Den Grund nannte Vorsitzender Richter Mütze: Die Gutachterin hatte keine Zeit.

Die Strafkammer beschränkte sich darauf, die Personalien des 29-jährigen Angeklagten zu klären und die Anklageschrift zu hören. Bislang wird der Mann bei den Behörden als algerischer Staatsangehöriger geführt. „Ich bin aber Palästinenser“, fügte er hinzu. Er sei verlobt, gab der Angeklagte auf Nachfrage zu seinem Familienstand an.

Außerdem erklärte er sich bereit, zu dem Vorfall am 18. Juli Stellung zu beziehen. Das soll allerdings im Beisein der Gutachterin geschehen.

Staatsanwältin Bring verlas, was dem 29-Jährigen, der in Bad Wildungen lebt, zur Last gelegt wird: versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung, begangen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Sie wies ausdrücklich auf die Möglichkeit hin, dass die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet werden könnte.

Alkohol spielte demnach ein entscheidende Rolle bei dem, was am Viehmarktssamstag in und vor dem Festzelt auf dem Schützenplatz geschah: Gegen 2.30 Uhr gerieten der 29-Jährige und ein zweiter Mann im Zelt heftig in Streit, beide unter starkem Alkoholeinfluss. Das 20-jährige spätere Opfer schlug dem Angeklagten dabei ins Gesicht. Beschäftigte der Sicherheitsmannschaft griffen ein und brachten den jüngeren Mann nach draußen, wo er sich niedersetzte.

Der Angeklagte griff sich im Zelt ein Bierglas und schlug es an einer Tischkante entzwei. Eine Bekannte entwand es ihm, doch der 29-Jährige bekam ein zweites Glas zu fassen und funktionierte es auf die gleiche Weise zur Waffe um, mit der er das Zelt verließ. Draußen suchte er seinen Kontrahenten, fand ihn am Boden sitzend und rammte ihm das Glas in einer Aufwärtsbewegung in den Hals.

Der jüngere Mann erlitt lebensgefährliche Verletzungen, darunter eine acht Zentimeter lange und 0,5 Zentimeter tiefe Halswunde. Ein Kopfwendemuskel wurde durchtrennt, und die Ärzte operierten einen 13 Millimeter langen Glassplitter heraus, der am sechsten Halswirbelkörper steckte.

Bevor er dem Attackierten weitere Verletzungen zufügen konnte, wurde der Angeklagte von zwei Zeugen überwältigt. Sein Blutalkoholspiegel lag zwischen 1,63 und 2.01 Promille.

Die Verhandlung wird am 30. November fortgesetzt. (su)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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