Corona-Alltag als Student in Marburg

Daniel Rick (20) aus Bad Wildungen: „Studieren verliert seinen Charme“

Blickt positiv in die Zukunft: Daniel Rick lernt aktuell von Bad Wildungen aus. Er hofft allerdings darauf, dass bald wieder ein halbwegs normales Studium möglich ist.
+
Blickt positiv in die Zukunft: Daniel Rick lernt aktuell von Bad Wildungen aus. Er hofft allerdings darauf, dass bald wieder ein halbwegs normales Studium möglich ist.

Studenten haben es aktuell nicht leicht. Daniel Rick aus Bad Wildungen schrieb sich mitten in der Corona-Pandemie an der Philipps-Universität Marburg ein. Im WLZ-Interview schildert der 20-Jährige den derzeitigen Alltag an einer Hochschule.

Herr Rick, inwieweit hat Sie die Corona-Pandemie schon bei der Studienplatzsuche beeinflusst?

Außer in Marburg habe ich mich unter anderem auch in Frankfurt und Berlin beworben. In eine Großstadt zu ziehen, war auf jeden Fall eine Option. Es hat sich dann allerdings schnell herausgestellt, dass Marburg die ideale Lösung ist. Die Universität ist gut, die Stadt ist schön und außerdem nicht so weit von Bad Wildungen entfernt, was aktuell sehr praktisch ist.

Wie lief der Einstieg in das Studium?

Im vergangenen Sommersemester habe ich mit dem Studieren begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war der Einstieg sehr schwierig, weil es beispielsweise keine Orientierungswoche gab. Deutlich besser lief es zum Start des Wintersemesters ab, das ich ebenfalls miterlebte, weil ich den Studiengang wechselte. Es war sehr gut organisiert, die Universität bot umfangreiche Online-Informationsveranstaltungen an. Außerdem hat die Fachschaft Spaziergänge durch Marburg geplant und somit unter Einhaltung der Corona-Regeln ein Kennenlernen der Kommilitonen möglich gemacht.

Wie haben Sie sich das Studentenleben vorgestellt, wie sieht es nun aus? Haben Sie überhaupt schon einmal einen Hörsaal von innen gesehen?

Die Frage habe ich schon häufig gestellt bekommen (lacht). Ja, wir haben bereits in großen Hörsälen Klausuren geschrieben. Das „normale“ Studentenleben habe ich natürlich noch nicht kennengelernt, allerdings haben mir einige Freunde, die schon länger studieren, darüber berichtet. Das Schöne am Studieren ist, dass man mit Menschen zusammenkommt, die sich für dieselben Themen interessieren. Man lernt Freunde kennen und hat natürlich auch mehr Freiheiten, den Tag zu gestalten. Wegen der Einschränkungen ist dies aktuell leider nicht möglich. Vorlesungen finden nur online statt. Der Kontakt zu anderen Studenten fehlt, der soziale Aspekt geht dadurch völlig verloren – und damit meine ich nicht das Feiern. Es fehlen die Treffen mit Kommilitonen, die Gespräche. Das gibt normalerweise zusätzliche Motivation und macht den anstrengenden Teil des Studiums leichter.

Wie gehen die Professoren mit der Situation um? Sind Sie damit zufrieden?

Anfangs gab es Startschwierigkeiten, allerdings auf allen Seiten. Ein Problem ist sicherlich, dass in Deutschland die Digitalisierung noch nicht so weit vorangetrieben wurde. Mittlerweile hat sich der Ablauf aber zum größten Teil eingespielt. Obwohl mein Studiengang komplett online abläuft, geben sich einige Professoren viel Mühe, Abwechslung hineinzubringen. Trotzdem verliert das Studium durch Online-Veranstaltungen seinen Charme.

Viele Studentinnen und Studenten beschweren sich, dass ihnen die Politik zu wenig Beachtung schenkt. Wie sehen Sie das?

Es war richtig, Vorlesungen und Seminare in den digitalen Raum zu verschieben. Das hat im vergangenen Herbst Sinn gemacht. Bedauerlich ist allerdings, dass es der Politik nicht gelungen ist, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Es wäre schön, wenn die Universitäten wenigstens zum Teil wieder öffnen dürften, damit das Miteinander, natürlich unter Einhaltung der Corona-Regeln, wieder gegeben ist.

Auch finanziell ist die Lage schwierig, oder?

Das stimmt, manche Studenten trifft die Situation hart, weil vor allem Nebenjobs im Bereich der Gastronomie wegfallen. Für mich ist die Finanzierung des Studiums zum Glück kein Problem. Da das Lernen vollständig online stattfindet, habe ich mich dazu entschieden, zurück in meinen Heimatort Bad Wildungen zu ziehen. Das haben einige Studenten gemacht, um Geld zu sparen. Für Klausuren wird dann gependelt.

Wie stark belasten Sie dieaktuellen Umstände? Was dient Ihnen als Ausgleich?

Anfangs konnte ich mit dieser Situation gut umgehen, ich war froh, zu Hause Platz zu finden. Bisher hat auch alles gut funktioniert. Das Studieren wird allerdings mit der Zeit immer belastender. Wir wenden so viel Disziplin auf, all die Einschränkungen, Veränderungen und Unsicherheiten auszuhalten, dass immer weniger Energie für das Studieren übrig bleibt. Ein wichtiger Ausgleich sind derzeit Online-Gespräche mit Freunden. Außerdem habe ich begonnen, meine Gedanken aufzuschreiben.

Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Dass die Zahlen weiter nach unten gehen und die Regeln eingehalten werden. Die Uni teilte bereits mit, dass aufgrund der niedrigeren Inzidenz bald wieder Präsenzveranstaltungen möglich sein könnten. Ich würde mich freuen, wenn ab Herbst ein halbwegs „normales“ Studieren möglich wäre.

Zur Person

Daniel Rick (20) ist in Bad Wildungen aufgewachsen und hat 2019 sein Abitur am Gustav-Stresemann-Gymnasium absolviert. Danach warer ein Jahr lang im Ausland und studiert nun in Marburg Lehramt mit der Fächerkombination Englisch und Geschichte. Er ist im zweiten Semester.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.