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Theatergruppe „Thespiskarren“ Bad Wildungen braucht neue Bleibe

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Von: Matthias Schuldt

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Bühne und Zuschauerraum im „ThaBu“.
Bühne und Zuschauerraum im „ThaBu“. © Katharina Jaeger

Die Theatergruppe „Thespiskarren“ Bad Wildungen könnte im „Glashaus“ unterhalb des Maritim neu unterkommen, doch das ist umstritten im Parlament.

Bad Wildungen – „Der Abschied vom ThaBu fällt uns schwer“, sagt Diana Ehl, neue Vorsitzende des Thespiskarren-Vereins. Aber ein Umzug sei unausweichlich; „das Gebäude ist ein Fass ohne Boden.“ Die Feuchtigkeitsschäden sind mit vertretbarem Aufwand nicht zu beheben. Man könne nicht einmal ausmachen, weshalb und wo überall das Wasser ins Innere dringe. „Plötzlich steht es wieder irgendwo auf dem Boden“, beschreibt die Wildungerin die feucht-traurigen Erlebnisse des Ensembles mit der geliebten Spielstätte.

Über die Jahre haben die Amateurschauspielerinnen und -schauspieler, ihr Technikteam und viele andere Freiwillige Geld und Zeit in die Ausgestaltung des „Theaters am Bunker“ gesteckt, ob etwa in die Bühnenelemente, die LED-Beleuchtung, einen Beamer für besondere Effekte oder den großen Fundus mit Kostümen und mehr, der zum Teil durch die Feuchtigkeit geschädigt ist. „Es steckt viel Eigenleistung und Herzblut darin“, sagt Diana Ehl.

Sanierung und Umbau das Glashauses für den Thespiskarren kostet 477 000 Euro

Am Montag diskutiert die Stadtverordnetenversammlung Bad Wildungen erneut den dort umstrittenen Vorstoß des Stadtmarketings, das Glashaus für knapp 477 000 Euro zu sanieren – bei 270 000 Euro Kostenzuschuss vom Land – und es an den Thespiskarren langfristig zu vermieten. „Als uns das Stadtmarketing das Glashaus als neuen Spielort vorschlug, sagten die meisten von uns spontan nein“, erinnert sich Diana Ehl.

Die Mannschaft des Thespiskarren konnte sich nicht vorstellen, wie Theater in der schlauchförmigen Architektur und mit den Glaswänden funktionieren soll, wie Garderobe und Fundus unterzubringen sein könnten. Doch nach eingehender Besichtigung und Besprechung änderte sich diese Einschätzung, berichtet die Vorsitzende.

Auch Landesgartenschaugelände um das Glashaus als Spielort für Thespiskarren nutzen

In der Investitionssumme enthalten sind 40 000 Euro zum Beispiel für Leichtbauwände, die den lang gezogenen Trakt in mehrere Räume unterteilen. Schwere Vorhänge stellen eine theatergeeignete Akustik her, sperren für Aufführungen Tageslicht aus und wirken schallisolierend nach außen.

Ein Teil der Technik aus dem ThaBu lasse sich mitnehmen und im Glashaus installieren, ergänzt Diana Ehl.. Außerdem betrachtet das Ensemble das Umfeld des Landesgartenschaugeländes als Spielort unter freiem Himmel für besondere Inszenierungen.

Thespiskarren will weiter Netzwerk für Kulturangebot in Bad Wildungen pflegen

Der Thespiskarren-Verein beansprucht das Glashaus trotz seiner Rolle als Mieter nicht exklusiv. Er setzt damit die Linie, die er im ThaBu stets fuhr, fort, erläutert Diana Ehl. Es gehe weiterhin darum, in einem Netzwerk mit möglichst vielen Partnern ehrenamtlich ein attraktives Kulturangebot in der Stadt Bad Wildungen zu unterbreiten. Es richtet sich in erster Linie an die heimische Bevölkerung mit all ihren Generationen.

Pierre Schäfers „ThalentBude“ etwa ist ein Teil dieses Netzes. Der Comedian kehrt Anfang November mit seinem Format erstmals nach der Corona-Zwangspause auf die ThaBu-Bühne zurück. „Wir haben viele Veranstaltungen mit Kindern und für Kinder in der Vergangenheit im ThaBu gehabt und wollen das im Glashaus fortsetzen“, nennt Diana Ehl ein weiteres Beispiel. Der Theaterverein sei für weitere Zusammenarbeit mit allen offen, die Interesse hätten, kulturell aktiv zu werden: ob andere Vereine, Gruppen oder Einzelne.

Kleine, feine Veranstaltungen für bis 100 Gäste

Der Thespiskarren und seine Partner bevorzugen einen Spielort, der – wie das ThaBu – „kleine, feine Veranstaltungen für bis zu 100 Zuschauer ermöglicht. Lieber mehrere Aufführungen vor kleinem Publikum als ein Auftritt vor großem“, fasst die Vereinsvorsitzende die Philosophie zusammen. Damit die zu so einem Theater oder zu Kleinkunst am besten passende Atmosphäre zu schaffen ist, darf der Raum nicht zu groß sein. Das Glashaus wäre auch in dieser Hinsicht ein geeigneter Nachfolger fürs ThaBu, schließt Diana Ehl.

Wandelhalle und Kurhaus Bad Wildungen scheiden aus

Die Wildunger Wandelhalle, der Bahnhof und gar die Sanierung der Kurhaus-Säle als Theaterspielort wurden aus Reihen der Stadtverordneten als alternative, neue Anlaufstellen für den Thespiskarren ins Gespräch gebracht. Die Wandelhalle scheidet aus. Sie verfüge über keine Räume, in denen Fundus, Technik und Garderobe stationär untergebracht werden könnten, teilt Bürgermeister Ralf Gutheil mit.

Die Kurhaus-Säle seien keineswegs für 500 000 Euro zu sanieren, wie es die Freien Wähler behaupteten. Das bestätigt Matthias Flemming, der seine Idee, als Käufer das Kurhaus zu erhalten, angesichts zu hoher, unrentabler Investitionen verwarf: „Allein Zu- und Abluft für die Säle einzurichten, würde eine Million Euro kosten.“

Bahnhof als dritte Alternative ist voll belegt

Die frühere Gastronomie des Bahnhofs hatte der Thespiskarren in früheren Jahren selbst schon ins Auge gefasst. Problem: Auch dort fehlt es aktuell an den weiteren, benötigten Räumen. Das Obergeschoss sei komplett dauerhaft vermietet. In den benachbarten Werkstätten seien Reparatur-Café und AWWiN untergebracht, berichtet Stadtmarketing-Chefin Ute Kühlewind. „Der Bahnhof wäre toll, aber wir möchten natürlich nicht, dass andere Engagierte wegen uns ihre Räume aufgeben müssen“, sagt Diana Ehl.

Geeignet, aber aus mehreren Gründen vorerst auch keine Alternative. Die frühere Bahnhofsgastronomie ist zur Zeit Impfzentrum.
Die frühere Bahnhofsgastronomie ist zur Zeit Impfzentrum. © Matthias Schuildt

Als alternative Nutzung fürs Glashaus hatten die Freien Wähler Pflanzennachzucht oder Orangerie vorgeschlagen, die CDU ein Café, weil es einen Interessenten mit diesem Plan gebe. „Wir sprechen am Montag mit diesem Gastronomen. Er will das Glashaus kaufen und es selbst sanieren“, teilt Bürgermeister Ralf Gutheil mit. Momentan stehen Pflanzen der Stadtgärtnerei zum Überwintern im Gebäude, statt im Gewächshaus des Bauhofes. Grund: Dort lässt man die Heizung aus, um Energie zu sparen. Das Glashaus muss ohnehin frostfrei gehalten werden, um Schäden an der Substanz zu vermeiden. Nach dem Neubau des Bauhofes wird das Glashaus zu diesem Zweck jedoch nicht mehr benötigt, sagt Gutheil. (Matthias Schuldt)

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