Mobile Mini-Häuser liegen im Trend

Ein Zuhause auf Rädern: In Tiny Houses werden nicht nur Aussteiger glücklich

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Macht überall eine gute Figur: Mini-Haus von Tischler Christian Bock aus dem Bad Wildunger Stadtteil Braunau.

In den USA sind Tiny Houses schon länger ein Trend. Nun erobern die winzigen Häuser mit zehn Quadratmetern Wohnfläche auch Deutschland. Pionier ist der Bad Wildunger Schreiner Christian Bock.

Die Traumwohnung von Frank Deltau ist nur 12,5 Quadratmeter groß und steht auf Rädern. Seit drei Wochen lebt der 46-Jährige aus Reichelsheim in der Wetterau in einem Tiny House, das ihm der Bad Wildunger Tischler Christian Bock gebaut hat. Das winzige Haus ist eine mobile Holzhütte und bietet alles, was Deltau zum Leben braucht: Küche, Bad, Arbeitsbereich sowie unter dem Dach einen kleinen Schlafraum.

Tischler Christian Bock

"Ich muss mich erst ein bisschen an die Dimensionen gewöhnen, aber es ist noch besser, als ich es mir vorgestellt habe", sagt der Geschäftsführer einer Vermarktungsgesellschaft für Bioprodukte. Nachdem Deltau und seine Frau sich getrennt hatten, suchte er eine Wohnung und erfüllte sich mit dem Tiny House einen Traum: "Ich komme aus der Landwirtschaft und wollte mehr in der Natur leben." Nun wohnt er auf einer Obstwiese eines Bauernhofs.

Möglich gemacht hat dies der Nordhesse Bock. Der Schreiner gilt als einer der Pioniere der Tiny-House-Bewegung, die in den USA schon seit einem Jahrzehnt immer beliebter wird und nun auch Deutschland erreicht. In seinem Berufsleben ist der 48-Jährige aus dem Bad Wildunger Stadtteil Braunau ziemlich rumgekommen. Aufgewachsen ist er im holsteinischen Eutin. Später arbeitete er in der Schweiz, der Türkei, auf Gran Canaria und in Skandinavien. Jedes Mal dachte er: "Ein mobiles Zuhause wäre schön." Bock experimentierte mit einem Bauwagen, ehe er auf die amerikanischen Tiny Houses stieß.

Als Begründer der Bewegung gilt der Designer Jay Shafer, der keine Baugenehmigung für sein kleines Haus bekam und es daraufhin einfach auf einen Doppelachsanhänger stellte. Seine Baupläne stellte er ins Netz. Nach der Immobilienkrise 2008 fand er immer mehr Nachahmer.

Hier geht es zur Webseite der Tischlerei Bock.

Wie Shafer hat sich auch Bock auf das Wesentliche konzentriert. Etwa 30.000 Euro muss man für sein mobiles Zuhause ausgeben. Nach oben gibt es praktisch keine Grenzen. Bei der Planung geht Bock mit seinen drei Gesellen und zwei Lehrlingen auf die Wünsche seiner Kunden ein. Zu denen zählen nicht nur Aussteiger, wie man meinen könnte. Ein Student wohnte während eines Auslandsemesters in einem Tiny House. Ein Schweizer Pendler bestellte eines, weil er nicht mehr zwei Wohnungen bezahlen wollte. Und ein Geschäftsmann lagerte sein Büro aus. Vor allem für Singles sind die Mini-Häuser attraktiv. „Auch zu zweit geht es, wenn man sich gut versteht“, sagt Bock. 

Geschlafen wird unterm Dach

Grenzenlose Freiheit bieten seine Bauten dennoch nicht. Ein normales Auto reicht nicht aus, um die zweieinhalb Tonnen schweren Häuser fortzubewegen. Man braucht schon einen ausgewachsenen SUV. Man kann sich auch nicht einfach auf Dauer irgendwo hinstellen. Wer in einem Tiny House wohnen will, muss die jeweiligen Bauordnungen der Länder, Städte und Gemeinden beachten. Das ist anders als in den USA. Dort gibt es auch im Straßenverkehr weniger Richtbegrenzungen, weshalb viele kleine Häuser dort größer sind.

Frank Deltau

Deltau indes braucht nicht mehr Wohnfläche. Er will auf Dauer in seinem Tiny House aus Bad Wildungen glücklich werden. Seinen Traum haben immer mehr. Bis zu acht Anfragen bekommt Tischler Bock jeden Tag. Er ist bis zum Herbst ausgebucht. Selbst in einem Tiny House wohnen wird der Vater zweier Kinder allerdings nicht: Für vier Personen ist ein winziges Haus definitiv zu klein.

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