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Experte: Weidetiere fördern Artenvielfalt in Waldeck-Frankenberg

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Vorwärts mit einem Blick zurück: Wie wichtig die Bewirtschaftung von FFH-Mähwiesen mit Weidetieren ist, erläuterte Dr. Alois Kapfer vom Verein Naturnaher Weidelandschaften. Archiv
Vorwärts mit einem Blick zurück: Wie wichtig die Bewirtschaftung von FFH-Mähwiesen mit Weidetieren ist, erläuterte Dr. Alois Kapfer vom Verein Naturnaher Weidelandschaften. Archiv © Archivfoto: Höhne

Weidetiere wie Rinder, Pferde oder Schafe fördern auf extensiv genutzten Wiesen die Artenvielfalt. Das erläuterte ein Experte bei einem Vortrag des Landschaftspflegeverbands Waldeck-Frankenberg und des Nationalparks Kellerwald-Edersee.

Bad Wildungen – Überwältigende Resonanz erfuhr die Kooperationsveranstaltung des Landschaftspflegeverbands Waldeck-Frankenberg und des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Thema: Weidetiere auf Mähwiesen im Schutzstatus FFH – Flora, Fauna, Habitat.

Der europaweit forschende Beweidungsexperte Dr. Alois Kapfer vom Verein Naturnahe Weidelandschaften berichtete über das Management von FFH-Mähwiesen mit Weidetieren. Der Verein setzt sich dafür ein, die großflächige und extensive Beweidung, beispielsweise in Form der „Wilden Weiden“, als zentrale Strategie für den Schutz von Natur und Landschaft wieder in Politik und Gesellschaft zu verankern.

Weidetiere wirken vielfältig auf die Landschaft

Vor dem Hintergrund einer jahrhundertelangen Weidebewirtschaftung in der Landschaft mit Artenvielfalt in Mitteleuropa spannte der Landschaftsökologe den Bogen von Pflanzen und Pflanzenfressern über Dreifelderwirtschaft bis zum 18. Jahrhundert, einem Zeitalter mit maximaler Biodiversität, bis zur heutigen Zeit. Biodiversität beschreibt die biologische Vielfalt – Bewertungsmaßstab für die Fülle unterschiedlicher Lebewesen in einem Landschaftsraum.

Mit aktuellen Belegen dieser Hutweidelandschaft und Bildern seiner Forschung aus Süd- und Osteuropa fesselte Kapfer die Zuschauer mit seinen Ausführungen und erläuterte, wie vielfältig Weidetiere wie Rinder, Pferde und Schafe mit Fraß, Tritt und Wälzen sowie Dung und Aas auf die Landschaft wirken. Mit Blick auf FFH-Mähwiesen sagte der Experte, dass auch aktuelle Anforderungen an Pflege europaweit relevanter Lebensraumtypen ihre Historie in traditionellen Bewirtschaftungsweisen haben. Dabei spielten Vor- und Nachweiden, abhängig von der Witterung, sowie Nutzung von Brachflächen in der Dreifelderwirtschaft eine wichtige Rolle.

Enge Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen

Carsten Müller, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands, gab im Anschluss an den Vortrag einen Einblick in den Aufbau, die Struktur und Projekte des Vereins. Am Beispiel der Arche-Region Kellerwald wird versucht, die historischen Bewirtschaftungsweisen in Verbindung mit aktuellen landwirtschaftlichen Erfordernissen im Sinne der naturschutzfachlichen Anforderungen zu optimieren. Dabei sei enge Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und kommunalen Belangen entscheidend.

Die Veranstaltung brachte einen wichtigen Impuls für die Region und bildete den Auftakt für eine enge Zusammenarbeit von Landschaftspflegeverband, Nationalpark und den Partnern aus Landwirtschaft und Naturschutz. Weitere Informationen stehen im Internet auf der Seite des Nationalparks Kellerwald-Edersee.

Verein Naturnahe Weidelandschaften: Naturnahe Weiden für den Klimschutz

Bis vor 200 Jahren wurden Nutztiere von Hirten zur Weide getrieben. Mit Einführung der ganzjährigen Stallhaltung begann der Verlust der Tier- und Pflanzenwellt, informiert der Verein Naturnahe Weidelandschaften. Er fordert großflächige extensive Beweidung für den Naturschutz. Ein einziges Rind produziere pro Monat eine Tonne Dung, daraus könnten 100 Kilogramm Insekten entstehen, und aus ihnen wiederum zehn Kilogramm Wirbeltierbiomasse (zum Beispiel Vögel). Nach Angaben des Vereins speichern naturnahe Weiden mehr Kohlenstoff im Boden als Wald und stellen ein enormes Potenzial für den Klimaschutz dar..

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