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Wildunger Ärzteverein: 125 Jahre im Einsatz für Stadt und Patient

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Rückblick auf eine eindruckvolle Historie, niedergelegt in der Festschrift, die zum Jubliäum in der Wandelhalle aushing: (von links) Gastredner Professor Dr. Christoph Gutenbrunnern, Petra Schuster, die die Festschrift layoutet hat, und Ärztevereinsvorsitzender Dr. Hans Schultheis.
Rückblick auf eine eindruckvolle Historie, niedergelegt in der Festschrift, die zum Jubliäum in der Wandelhalle aushing: (von links) Gastredner Professor Dr. Christoph Gutenbrunnern, Petra Schuster, die die Festschrift layoutet hat, und Ärztevereinsvorsitzender Dr. Hans Schultheis. © Barbara Liese

„Vivat crescat floreat – er lebe, wachse, blühe“, eröffnete Dr. Hans Schultheis den Festakt „125 Jahre Wildunger Ärzteverein“ in der Wandelhalle.

Bad Wildungen – „Seit mehr als 600 Jahren kennt man in Wildungen die Heilkraft seiner Quellen.“ erzählte der Vereinsvorsitzende, bekannte Mediziner und Stadtverordnete. „Bis zu dem modernen Standort für Rehabilitation und Anschlussheilbehandlungen von heute war es ein weiter Weg. Dieser Weg war und ist noch immer gekennzeichnet von einem Miteinander ärztlicher Tätigkeit und den gesellschaftlichen, politischen Anforderungen“, unterstrich Schultheis. Ohne die Ärzte mit den unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten sei Bad Wildungen nicht denkbar. Ohne die Unterstützung von Kommune, Kreis und Land sei es nicht möglich, diesen außergewöhnlichen Standort zu erhalten. „Diesen Geist der Verständigung gilt es zu bewahren und zu fördern. Im Interesse aller und vor allem dem der Patienten. Denn ohne unsere Patienten ist unser Beruf sinnlos“, sagte Schultheis.

Die Idee des Miteinanders sei stetig gewachsen, vor allem in Folge der Gründung des Ärztevereins, an der Dr. Wilhelm Schultheis, Vater des heutigen Vorsitzenden, beteiligt war. Es sei schon etwas Besonderes, wie Politik und Ärzteschaft in Bad Wildungen gemeinsam ihre Vision von der Kurstadt der Zukunft verfolgten. Nicht immer gehe es ohne Reibungen ab: „Immer aber steht am Ende einer Auseinandersetzung ein gemeinsames Bier, und das soll auch so bleiben.“

Seit 125 Jahren gestaltet der Ärzteverein Bad Wildungen auch Stadtgeschichte

Es seien nicht nur 125 Jahre der Gestaltung des Gesundheitsstandortes, fasste Landrat Jürgen van der Horst zusammen: „Es sind auch 125 Jahre Gestaltung der Stadtgeschichte. Dies ist nur möglich im gegenseitigen Respekt und Anerkennung.“ Heute sei Bad Wildungen mit seinen großen Rehabilitationseinrichtungen, Kliniken und praktizierenden Ärzten eine Auszeichnung für den Landkreis und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region, der international ausstrahle.

„Wie sehr wir auch kämpfen, wir werden im Interesse der gemeinsamen Sache immer wieder zusammenfinden“, bestätigte Bürgermeister Ralf Gutheil „In der Wildunger Kliniksituation hat sich viel verändert und sie wird sich weiterentwickeln.“ Der Arzt behandele, die Natur heile: diese 2500 Jahre alte Erkenntnis setze sich bis heute in bahnbrechenden Heilanschlusshandlungen in der Stadt fort.

Bronzestatue als Zeichen der Verbundenheit von Stadt und Ärzteverein auf Wildunger Brunnenallee geplant

Der Bürgermeister übergab einen Scheck zum Jubiläum an den Ärzteverein und gab der Hoffnung Ausdruck, dass es zur Finanzierung einer Bronzestatue beiträgt. Diese werde voraussichtlich im November als Dank der Ärzte an die Stadt übergeben und symbolisiere an ihrem künftigen Platz in der Brunnenallee auch den Dank der Stadt an die Ärzte, die zum Wohle der Patienten gearbeitet hätten und weiterarbeiteten. „Die Wechselbeziehung zwischen Stadt und Ärzteschaft spielt für mich schon viele Jahre in der Politik eine große Rolle“, meinte auch Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal: „Tatsächlich waren schon immer Ärzte im Parlament aktiv und sind es bis heute. Ich wünsche mir, dass diese Tradition unserer Ärzte in den kommenden Jahren, gerne auch mit neuen Gesichtern, fortgesetzt wird. Sie ist hilfreich und tut der Stadt gut.“

Die Geschichte der Medizin und speziell der Urologie prägt als ein Thema das Wildunger Quellenmuseum, das einen tiefen Einblick auch in die Arbeit der Ärzteschaft gibt, die sich vor 125 Jahren im Ärzteverein zusammenschloss. Hier zu sehen das „Nierensteinpferd“, auf dem der Patient früher durchgerüttelt wurde im Kalkül, kleinere Steine so aus dem Körper hinaus zu befördern.
Die Geschichte der Medizin und speziell der Urologie prägt als ein Thema das Wildunger Quellenmuseum, das einen tiefen Einblick auch in die Arbeit der Ärzteschaft gibt, die sich vor 125 Jahren im Ärzteverein zusammenschloss. Hier zu sehen das „Nierensteinpferd“, auf dem der Patient früher durchgerüttelt wurde im Kalkül, kleinere Steine so aus dem Körper hinaus zu befördern. © Jörg Schade

Professor Christoph Gutenbrunner Chefarzt und Abteilungsleiter der „Physikalischen und rehabilitativen Medizin in Forschung, Lehre und Krankenversorgung“ an der Medizinischen Hochschule Hannover kennt Bad Wildungen aus früheren Berufsjahren und weiß um die Disziplinen übergreifende Zusammenarbeit gerade im Ärzteverein: „Eine multiprofessionelle Behandlung hat immer deutlich bessere Erfolge als eine rein klinische Behandlung.“ Die praktische Arbeit in Kliniken, Praxen und Rehakliniken sollte seiner Ansicht nach in Forschungsstudien aufgenommen werden. Hier gemeinsam mit der Forschung zu arbeiten sei eine Aufgabe für den Ärzteverein und seine Mitstreiter, „mit unserer Unterstützung“.

„Neues Wildunger Modell“ ins Gespräch gebracht

Gleiches gelte für Long-Covid-Patienten. Gerade sie könnten von einer Rehabilitationsmedizin mit ihrem Einfluss auf das ganze Körpersystem profitieren. Am Ende denkt Gutenbrunner „sogar an ein neues ‚Wildunger Modell’, das mit einem Konzept aus integrativer Medizin, und verschiedenen Versorgungsformen wichtige Lücken für Patienten schließt.“ Eine gelungene Reha oder Versorgung sei ein wichtiger Schritt für die Zufriedenheit und Gesundheit eines Menschen und wichtig für ein stabiles gesellschaftliches und politisches System.“

Einen informativen, unterhaltsamen Festvortrag hielt Eckhard Sander. Er beschäftigt sich seit 30 Jahren mit dem kurzen Leben der Margaretha von Waldeck, die einst auf Schloss Friedrichstein lebte, an den kaiserlichen Hof nach Brüssel geschickt wurde und dort starb. Ihr Leben und die Geschichte ihre Familie weisen Parallelen zur Schneewittchenfigur der Brüder Grimm auf. (Barbara Liese)

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