Neuer Bergesack mit pfiffigen Neuheiten

Neue Ausrüstung für Luftrettung der Wildunger Bergwacht

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Raffinierte Ausrüstung für Luftrettung der Wildunger Bergwacht

In Bad Wildungen wird die Bergwacht mit raffinierter Ausrüstung für die Luftrettung ausgestattet.  

  • Der neue Luftrettungs-Bergesack der Wildunger DRK-Bergwacht birgt interessante Neuerungen
  • Sie schützen den geborgenen Verletzten vor den Auswirkungen des von Hubschrauber-Rotoren ausgelösten, stürmischen Windes
  • Die Luftretter der DRK-Bergwacht erwarten für die Zukunft mehr Einsätze rund um den Edersee

Verletzte, die aus unzugänglichem Gelände per Hubschrauber ausgeflogen werden, sind darin sicher verpackt. Ein Bergwacht-Luftretter klinkt sich mit dem so geschützten Verunglückten gemeinsam in den Haken der Helikopter-Seilwinde ein und stützt dabei den Sack auf seine Oberschenkel, bevor die Pilotin die zweifache Last nach oben zieht. 

„Meistens wird der Bergesack mit dem Patienten dann in den Hubschrauber gehoben“, erklärt Luftretter Yannek Wagener. Bei manchen Maschinentypen oder wenn der Weg zum Rettungswagen kurz ist, fliegen Retterin und Verletzte aber nach dem Hinaufziehen außen am Helikopter mit.

Solche Bergesäcke haben eine Lebensdauer von zehn Jahren. Sie werden in engen Zeitabständen überprüft und gewartet. Das neue Modell eines spezialisierten Herstellers aus der Schweiz – praktisch der einzige auf dem Markt – weist zwei wesentliche Neuheiten auf: einen Gesichtsschutz für die Verletzten und am unteren Ende ein kleines, halbmondförmiges Segel zum Ausklappen nach oben.

Mit beiden Vorrichtungen hat das Unternehmen reagiert auf Rückmeldungen über das schwierige Hantieren mit dem Bergesack im sogenannten „Rush“. 

Damit ist der stürmische, nach unten gerichtete Luftstrom gemeint, den der kreiselnde Rotor eines Helikopters erzeugt. „Der Gesichtsschutz verhindert, dass dem verletzten Sand, Staub oder Steinchen ins Gesicht geschleudert werden“ erläutert Wagener.

Als geradezu geniale Lösung erscheint die Idee mit dem kleinen Segel. „Damit der Rush den Bergesack nicht in Rotation versetzte, musste früher ein zweiter Retter am Boden ein Seil auf Zug halten, das zusätzlich am Sack befestigt war“, berichtet Yannek Wagener.

Hierfür ist das kleine Segelchen 

Das Segelchen macht diese Prozedur überflüssig. Die Luftretterin, die mit dem Bergesack hinaufgezogen wird, stellt es mit einer Hand auf und bewegt es leicht hin und her. Das stabilisiert den Sack so in der Luft, dass er sich nicht um sich selbst dreht.

Er wird aber nicht nur in der Luftrettung eingesetzt, sondern auch in der „Höhenrettung“ ohne Helikopter, etwa aus den Steilhängen am Edersee. Ebenso eignet er sich dazu, Verunglückte aus Schächten zu bergen.

Die Herstellerfirma produziere das gesamte Rettungsutensil unter hohem Aufwand und größtenteils von Hand, fügt Michael Parlow von der Bergwacht hinzu. „Nach der Bestellung kann es darum ein halbes bis dreiviertel Jahr dauern, bevor der Bergesack geliefert wird“, sagt er.

So erkläre sich der Preis von 2500 Euro. Jürgen Trumpp vom Vorstand der Sparkasse Waldeck-Frankenberg übergab beim Wildunger Kreisverband des DRK einen Scheck über diese Summe, der den Kauf ermöglicht.

Viele Spezialisten 

Rund 20 Aktive zählt die Wildunger DRK-Bergwacht. Ein halbes Dutzend von ihnen hat sich auf die Luftrettung spezialisiert, darunter Yannek Wagener: „In den letzten drei Jahren hatten wir drei solcher Einsätze.“ Gemeinsam mit Michael Parlow erwartet er steigende Zahlen. Zuständig ist das Team für die Kreise Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. 

Ein Grund für ein mögliches Plus an Unfällen in unwegsamem Areal findet sich im wachsenden Publikumsverkehr auf den Routen im steilen Gelände rund um den Edersee. E-Biker dringen dank elektrischer Unterstützung in Bereiche vor, die sie mit normalen Rädern nicht angesteuert hätten. 

„Zumeist handelt es sich um Besucher, denn die Einheimischen kennen die kritischen Stellen“, sagt Parlow. Die Luftretter arbeiten mit den Helikoptern der Landespolizei aus Egelsbach und der Bundespolizei aus Fuldatal zusammen. In zeitlich aufwendigen und teuren Trainingseinheiten bereiten sich die Ehrenamtlichen auf diese ebenso anspruchsvollen wie Mut erfordernden Einsätze vor.

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