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Wildunger schlägt Ehefrau und geht zwei Monate ins Gefängnis

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gericht.JPEG © Agentur, dpa

Wegen Körperverletzung hat das Amtsgericht Fritzlar einen 35 Jahre alten Wildunger zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt.

Bad Wildungen/Fritzlar – Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte ihm zur Last gelegt, im November 2021 während eines Streits seine damalige Frau an den Haaren gezogen und ins Gesicht geschlagen zu haben. Die Frau hat inzwischen die Scheidung eingereicht.

Mit einem Nein beantwortete der Beschuldigte die Frage von Richterin Corinna Eichler, ob die Vorwürfe zutreffend seien. Diese seien „nicht ganz richtig“, formulierte die Verteidigerin. Die Frau lag demnach im Bett. Der Mann, so hieß es während der Beweisaufnahme, habe sie gefragt: „Liebst Du mich noch?“ Sie habe ihn mit den Worten „Lass mich in Ruhe“ abgewehrt. Er habe sie an den Kopf gefasst und geschüttelt. Es habe eine kleine Rangelei gegeben, er habe ihr „eine kleine Backpfeife“ gegeben. Er habe lediglich wissen wollen, „ob sie noch was für mich empfindet oder nicht“, sagte der Angeklagte.

Ob denn Mitternacht dafür der richtige Zeitpunkt sei, fragte die Richterin. Am Tag sei er immer abgeblitzt, „sie hat mich völlig ignoriert“, antwortete 35-Jährige unter Hinweis auf den neuen Lebensgefährten im Zuschauerraum. Ihr Mandant habe die Frau nicht am Hals gewürgt, betonte die Verteidigerin. Der Angeklagte lüge nicht, er sei ein direkter Typ.

Die Frau schilderte das Ganze anders: Sie sei mit dem Kopf aufs Bett gedrückt worden, habe geschrien und sei dann mit der flachen Hand ins Gesicht und gegen die Oberschenkel geschlagen worden. Eine Platzwunde an der Lippe und Bluten aus der Nase als Folge einer Backpfeife beschrieb sie: „Er hat mich nicht einmal, er hat mich jahrelang geschlagen.“

Die Verteidigerin verwies auf Widersprüche in der Aussage der Frau. Im Polizeiprotokoll stehe, es habe keinerlei sichtbare Verletzungen gegeben. Es sei eine Körperverletzung gewesen, „die ein geringes Level hatte“. Die Frau sei nicht bewusstlos gewesen.

Der Angeklagte weist 14 Vorstrafen auf, unter anderem wegen Körperverletzung, Diebstahls, Bedrohung, Missbrauchs von Notrufen, Leistungs-Erschleichung, Beleidigung und Sachbeschädigung.

Zu der jüngsten Tat sagte die Staatsanwältin, die Anklage habe sich bestätigt. Der Angeklagte habe sich „geständig eingelassen“. Er sei von Natur aus impulsiv, habe zur Tatzeit unter Bewährung gestanden. Bei so vielen Vorstrafen helfe keine Geldstrafe mehr, eine positive Sozialprognose sei nicht gegeben. Die Anklagevertretung beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten und zwei Wochen ohne Bewährung.

Die Verteidigerin plädierte auf eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je einem Euro. Ihr Mandant habe überreagiert, der Frau eine Backpfeife gegeben. Ein heftiger Schlag, der zum Nasenbluten geführt haben solle, sei „nicht plausibel nachvollziehbar“. Außerdem beantragte sie ein Gutachten zur Schuldfähigkeit.

Das Gericht folgte in seinem Urteil im Wesentlichen der Anklage. Zwei Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung seien das rechte Maß, sagte Richterin Eichler. Von einer verminderten Schuldfähigkeit sei nicht auszugehen. Der Angeklagte nehme an keinem Anti-Aggressionstraining teil, habe immer Ausreden parat und die nun ausgeurteilte, neuerliche Tat 13 Tage vor einer Berufungsverhandlung in anderer Sache begangen. (Manfred Schaake)

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