Meike Liebertz wollte nach der Ausbildung die USA entdecken

Bad Wildungerin lebt als Au Pair ihren Traum in Texas

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Einmal Wild-West-Abenteuer, bitte: Meike Liebertz vor dem Geburtshaus von John Wayne in Winterset (Iowa).

Bad Wildungen. Noch keine Lust auf Studium und Ausbildung? Wir stellen in unserer Serie „Schule aus und was dann?“ Leute vor, die etwas anderes machen. Heute: Meike Liebertz arbeitet als Au Pair.

Dass sie irgendwann mal nach Amerika wollte, war für Meike Liebertz schon immer klar. Nur das Wann und Wie - darüber zu entscheiden, dauerte etwas länger. Schon als Kind habe sie ihre Eltern genervt: „Wenn ich einmal groß bin, dann geh´ ich nach Amerika. Ich werde mir ein Pferd und ein Gewehr kaufen und durch die Prärie reiten.“ Mit dem Ritt durch die Prärie hat es noch nicht geklappt, doch als Au Pair in Texas ist sie doch schon ein bisschen näher dran an der vermeidlichen Wild-West-Romantik als in Bad Wildungen.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Als Teenager sei erst einmal die Schule wichtiger gewesen, sagt die heute 21-Jährige. Auch das mit dem Englischlernen habe nicht so recht klappen wollen. Sie habe dann ihren Realschulabschluss gemacht und eine Ausbildung zur Krankenschwester begonnen. Zwischen Anatomie, Krankheitslehre und Schichtdienst sei sie aber dann doch wieder aufgekeimt, die Sehnsucht nach dem amerikanischen Traum.

Liebertz fing an, nebenher Englisch zu büffeln. Etwa ein halbes Jahr vor dem Staatsexamen zur Krankenschwester im Sommer 2016, habe sie sich ein Herz gefasst und die Online-Bewerbung bei der Austausch-Organisation Cultural Care ausgefüllt. „Viel schneller als gedacht, habe ich dann meine Gastfamilie in Texas gefunden. Sie haben drei Kinder im Alter von zehn Monaten, sechs Jahren und ein vier Jahre altes Kind mit frühkindlicher Hirnschädigung.“ Inzwischen hat sie die Gastfamilie gewechselt, da die ursprüngliche Familie aus beruflichen Gründen in die Nähe der Großeltern gezogen war. Auch in ihrer neuen Gastfamilie betreut Meike Liebertz drei Kinder im Alter von vier, fünf und acht Jahren.

Mit einem ihrer Gastkinder: Meike Liebertz in Spring.

Das ist mitunter anstrengend und bedeutet sehr viel Verantwortung. Trotzdem sagt Liebertz: „Ich habe hier Freunde fürs Leben gefunden und eine zweite Familie. Es sind Erinnerungen und Erfahrungen, die man niemals vergessen wird.“ Sie sei selbstständiger und selbstbewusster geworden und an ihren Herausforderungen gewachsen.

Neben dem Kinderhüten hat sie ihre Urlaubszeit zum Reisen genutzt. Unter anderem fuhr Liebertz mit dem Auto einmal quer durch die Mittleren Westen der USA. Von Texas durch Oklahoma über Missouri, Kansas, Iowa und Illinois führte der Weg nach Wisconsin und zurück. In Iowa kam sie dem Traum vom Cowboy-Dasein ganz nah. Einer der Stops war nämlich das Geburtshaus des Western-Helden John Wayne in Winterset (Iowa).

Und in Zukunft? Will sie da auch Kühe hüten oder vor der Kamera so tun wie John Wayne? Liebertz schmunzelt und sagt: „Nein, vielleicht verlängere ich oder versuche hier zu studieren. Aber fest steht noch nichts.“

Der typische Arbeitstag

Meike Liebertz beschreibt einen ihrer typischen Arbeitstage: „Um 6.30 Uhr fange ich an. Ich wecke die Kinder auf und bereite das Frühstück zu. Ich schmiere die Schulbrote und helfe beim Anziehen und Zähneputzen. Dann fahre ich sie zur Schule und zum Kindergarten. Zurück zuhause, mache ich dann die Betten, wasche die Wäsche der Kids und räume Spielsachen beiseite. Zwischen 10 Uhr und 15 Uhr habe ich frei. An zwei Tagen in der Woche besuche ich in dieser Zeit das College und mache einen Englisch-Kurs. An den anderen Tagen treffe ich mich mit Freunden und wir gehen Eis essen oder Ähnliches. Um 15 Uhr hole ich dann die Kinder wieder von der Schule ab. Ich fahre sie zu ihren Hobbys, die von Ballett über die Musik-Schule bis zu den Pfadfindern reichen. Wenn nötig, geht es zu Arztterminen. Dann mache ich Abendessen, helfe beim Duschen und Baden. Dann kommen meine Gasteltern von der Arbeit und wir essen alle zusammen zu Abend und lesen Bücher oder gucken einen Familien-Film.“

Um legal als Au Pair in den USA arbeiten zu können, benötigt man ein J1-Visum. Die Regeln für dieses legt das US-Außenministerium fest.

Anbieter: In den USA sind momentan 16 Organisationen akkreditiert. Diese arbeiten weltweit mit Trägern zusammen, die mitunter allerdings andere Namen tragen.

Voraussetzungen: Alter zwischen 18 und 26 Jahren bei Abflug, Schulabschluss, zwei Kinderbetreuungsreferenzen und eine Charakterreferenz, gute Englisch-Kenntnisse, polizeiliches Führungszeugnis, ein persönliches Interview mit der Organisation. Die Mehrheit der Träger verlangt außerdem mindestens 200 Stunden Erfahrung in der Kinderbetreuung.

Bewerbung: Zwölf bis zwei Monate vor der Abreise.

Dauer: Mindestens zwölf Monate. Der Aufenthalt kann einmalig um sechs, neun oder 12 Monate verlängert werden.

Kosten: Diese hängen vom Träger ab, ein Vergleich im voraus lohnt sich daher. Meike Liebertz Organisation Cultural Care verlangt zum Beispiel 1135 Euro (mit Versicherung). Mitunter bieten die Organisationen Rabatte für Menschen mit fachspezifischer Ausbildung oder besonders viel Erfahrung mit Kindern unter zwei Jahren an.

Leistungen des Programms: Vorbereitungskurs, Unterkunft und Vollverpflegung bei der Gastfamilie, 195,75 Dollar Taschengeld pro Woche, bis zu 500 Dollar für Collegekurse, zwei Wochen bezahlter Urlaub pro Jahr, Hin- und Rückflug.

Arbeitszeit: Maximal 45 Stunden pro Woche, nicht mehr als zehn Stunden pro Tag, 1,5 freie Tage pro Woche.

Weitere Infos: www.j1visa.state.gov unter Au Pair

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