Waren bestellt und nicht bezahlt

Bad Wildungen: Junge Mutter am Amtsgericht in Fritzlar wegen 41-fachen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
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Eine 31-jährige Waldeck-Frankenbergerin stand in Fritzlar vor Gericht.

Wegen 41-fachen gewerbsmäßigen Betrugs hat das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar eine 31 Jahre alte Frau aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt – auf drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung.

  • Eine 31 Jahre alte Frau aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg wurde am Schöffengericht des Amtsgerichts in Fritzlar wegen 41-fachen gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
  • Die Mutter von drei Kindern hat bei Versandhäusern Waren im Wert von 6591 Euro nach Bad Wildungen bestellt und nicht bezahlt.
  • Sie habe sich in einer schwierigen Lebenslage befunden, sagte die Angeklagte und beteuerte, den Schaden zu begleichen.

Bad Wildungen/Fritzlar – „Ich werde alles wieder gutmachen, ich will die Strafe abbezahlen“, versicherte die geständige Frau. Sie muss den von ihr angerichteten Schaden in Höhe von 6591 Euro bezahlen.

Urteil ist rechtskräftig, auf Rechtsmittel verzichtet

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger hatte 18 Monate auf drei Jahre Bewährung beantragt. Das Urteil ist rechtskräftig, weil Staatsanwältin und Verteidiger auf Rechtsmittel verzichteten. Mit einem deutlichen „Danke“ verließ die glücklich wirkende Frau lachend den Gerichtssaal. Für die Straftat sieht das Strafgesetzbuch Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren vor.

Der aus Italien stammenden Mutter von drei 13, 9 und 5 Jahre alten Kindern wurde vorgeworfen, Waren unter falschen Namen bei Versandhäusern bestellt zu haben, „obwohl sie nicht Willens oder in der Lage war, die Kaufpreisforderungen zu begleichen“. Die Staatsanwältin verlas alle Details der 41 Anklagen. Bei den nach Bad Wildungen gelieferten Waren handelte es sich unter anderem um Bekleidung, Bettwäsche, Haushaltswaren, medizinische Produkte, Autositz, Medikamente, Diät-Lebensmittel, Kontaktlinsen, Teppiche, Kommode, Truhe sowie Buggy und Babyphone.

Angeklagte: „Ich weiß, dass ich was falsch gemacht habe und übernehme die Verantwortung“

„Ich weiß, dass ich was falsch gemacht habe und übernehme die Verantwortung“, sagte die verheiratete Frau. Ihre kleine Tochter habe sie dazu gebracht, „nie mehr diese Fehler zu begehen“. Sie möchte, dass ihre Kinder „mit einer besseren, guten Mutter aufwachsen und nicht für meine Fehler bezahlen.“ Weil sich die Frau ihres Bruders das Leben genommen habe, habe sie sich sehr schlecht gefühlt. Sie habe das nicht verarbeitet. Wenn sie unter Druck sei, bekomme sie Panikattacken. „Meine Kinder haben mir mehr geholfen als Psychologen“, sagte die nicht vorbestrafte Frau.

Die Beschuldigte bejahte die Frage von Richterin Corinna Eichler, ob sie jede Menge offene Rechnungen habe. Ihr Mann zahle die Schulden ab, erklärte sie. Er habe einen festen Arbeitsplatz.

Verteidiger: „Es muss ein Rausch gewesen sein, ein Kick“

Die Angeklagte sei „nicht die, die ins Gefängnis gehört“, sagte die Staatsanwältin. Die 31-Jährige habe sich in einer schwierigen Lebenslage befunden. Sie habe eine positive Sozialprognose und „Schadenswiedergutmachung mit Kräften“ zugesagt. Daher lautete der Antrag auf 22 Monate Strafe auf Bewährung und 50 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Seine Mandantin habe bei der Aufklärung des Falles mitgewirkt und sei voll geständig, betonte der Verteidiger. Zu der Tat sagte er: „Es muss ein Rausch gewesen sein, ein Kick. Wenn sie ins Gefängnis müsste, wäre dies eine schreckliche Situation, sie wird nicht wieder straffällig werden.“ Sie habe von sich aus aufgehört mit den Taten.

Keine Arbeits-Auflage

„Sie waren in einer schwierigen psychischen Verfassung und haben sich Hilfe geholt“, erklärte Richterin Eichler bei der Urteilsverkündung. Darauf habe man bei dem Strafmaß Rücksicht genommen. Ein Bewährungshelfer sei nicht erforderlich. Da sie mit ihren Kindern genug zu tun habe, gebe es auch keine Arbeits-Auflage.

„Kümmern Sie sich um Ihre Kinder“, legte die Richterin der Frau ans Herz. Die nahm das dankbar an. (Manfred Schaake)

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