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Zwei Trakte des Kurhauses Bad Wildungen sind im Frühjahr abgerissen

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Von: Matthias Schuldt

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Im Begriff zu verschwinden: Das Therapeutikum (links), während das Badehaus als Brandruine rechts noch auf den Bagger wartet. Oberhalb des Baggers rechts ist der verschlossene Arkadenausgang zu erkennen.
Im Begriff zu verschwinden: Das Therapeutikum (links), während das Badehaus als Brandruine rechts noch auf den Bagger wartet. Oberhalb des Baggers rechts ist der verschlossene Arkadenausgang zu erkennen. © Matthias Schuldt

Die zu Jahresbeginn gestarteten Abrissarbeiten am Kurhaus Bad Wildungen schreiten voran. Wenn alles weiter nach Plan verlaufe, „sind sie im März, April abgeschlossen“, sagt Bauamtsleiter Klaus Weidner.

Bad Wildungen – Aktuell legen die Bagger das frühere Therapeutikum am unteren Ende der Hufelandstraße nieder, dessen oberes Stockwerk einstmals die Wohnung des Kurdirektors einnahm. Das Therapeutikum war in den 1980ern saniert worden und nahm die Bäderabteilung auf. Knapp 190 000 Euro kostet das Beseitigen dieses Trakts.

Brandruine Badehaus ist älter das „Neue Kurhaus“ Bad Wildungen

Wie heute üblich, begleitet ein Schadstoffgutachter die Arbeiten. Vor dem Einsatz der Bagger wurden alle Materialien entfernt, die nicht als gewöhnlicher Bauschutt recycelt oder abgefahren werden dürfen, erläutert Weidner. Zu diesem Teil des Abrisses zählt eine gesonderte unterirdische Baustruktur. „Ein Bunker, dessen Notausgang an der Sonnenuhr lag. Dort kam auch ein Belüftungsrohr aus der Erde“, sagt der Bauamtsleiter. Die Konstruktion stamme wohl aus Zeiten des Kalten Krieges in den 1960er-/70er-Jahren, fügt Weidner hinzu. So wie die Lesesäle zwischen Kurhaus und „Haus Waldeck“ aus der Wirtschaftswunderzeit.

Älter als das in den 1980ern erbaute „Neue Kurhaus“ ist auch das Badehaus, das durch das Großfeuer im Juni 2020 zur Brandruine wurde. Seit der Sanierung des Therapeutikums in den 80ern habe es keine nennenswerte Funktion mehr erfüllt „und sollte meines Wissens kurz vor der Kommunalisierung des Staatsbades schon abgerissen werden“, meint Weidner. Das „Neue Kurhaus“ sei seinerzeit quasi um dieses Bestandsgebäude herumgebaut worden, was letzteres dem Blick entzog.

Trennschnitte vor dem Abriss des Badehauses nötig

Dieses alte Badehaus kommt als zweiter Abschnitt des Abrissprojektes an die Reihe, wenn das Therapeutikum verschwunden ist. Weitere rund 200 000 Euro kosten diese Arbeiten, ergänzt Klaus Weidner. Wieder müssen zuvor Schadstoffe herausgeholt werden. Im Vergleich zum Therapeutikum verlangt das Niederlegen des Badetraktes einen zusätzlichen Aufwand. Weil es integraler Bestandteil des Hauptgebäudes ist, muss die beauftragte Firma erst Trennschnitte vornehmen, bevor die Bagger sich mit der Brandruine beschäftigen, sonst würde der Restbestand mitbeschädigt. Im Anschluss wird der verbleibende Baukörper außerdem verschlossen. Bereits geschehen ist das am südlichen Arkadenausgang des Kurhauses, der mit rotem Backstein zugemauert wurde.

Enthalten in den Gesamtkosten von rund 400 000 Euro für beide Teilabschnitte des Abrisses ist das Herrichten der dann freien Fläche. Zunächst habe das Bauamt erwogen, den Bauschutt zum Auffüllen mit zu benutzen, „aber er hätte sich nicht genug verdichten lassen“, sagt Klaus Weidner. Darum werde das Areal mit Mutterboden aufgefüllt. Möglicherweise lege die Stadt auf der Fläche einige Parkplätze an, doch das stehe noch nicht fest.

Bunkeranlage am Kurhaus Bad Wildungen wirft Fragen auf

Die Bunkeranlage wirft Fragen auf. Von der Kubakrise 1963 bis 1967 lief ein teures Instandsetzungsprogramm bestehender Anlagen durch den Bund, das als zu kostspielig beendet wurde, berichtet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Neue öffentliche Bunker für die Bevölkerung wurden offenbar nicht errichtet. Stammt der Bunker am Therapeutikum doch aus dem Weltkrieg? Bekannt in der Badestadt sind 15 aus den 1930ern, von denen 13 noch existieren. Manche historische Quellen erwähnen aber 18 Bunker. Und: Zwischen 1969 und 1977 förderte der deutsche Staat nur private Schutzbunker, schildert der Verein „Schutzbauten Stuttgart“.

Ab 1977 wurden vor dem Hintergrund abgesenkter Anforderungen laut BBK 300 Bunkeranlagen durch Gemeinden und Private eingerichtet, vom Staat gefördert. Auch dabei ging es stets um die „Nutzbarmachung bestehender Anlagen“ inklusive „Mehrfachnutzung“, etwa, indem Bahnhöfe oder Tiefgaragen im Kriegsfall als Bunker dienen sollten. Wurde in Wildungen gar einer fürs Kurdirektorium oder hohe Gäste des Staatsbades vorgehalten, von dem in der Stadt kaum jemand etwas wusste?

Seit Jahren schwelt der Streit über Erhalt oder Abriss des gesamten Kurhauses Bad Wildungen.

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