Barbara Pravi: On n’enferme pas les oiseaux

Pariserin singt mit Poesie - Chansons vom Leben

Barbara Pravi: On n’enferme pas les oiseaux
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Barbara Pravi: On n’enferme pas les oiseaux

Mit „Voilà“ landete Barbara Pravi auf Platz zwei beim Eurovision Song Contest. Der Hit eröffnet ihr neues Album „On n’enferme pas Les Oiseaux“.

Die Pariserin nennt sich Pravi – abgeleitet vom Wort Prava, das ist serbisch und bedeutet „authentisch“. Die 28-jährige Französin, die eigentlich Piévic heißt und in einer Künstlerfamilie aufgewachsen ist, ist stolz auf ihre multikulturellen Wurzeln und liebt ihre Großväter. Den einen aus Serbien und den anderen aus dem Iran. Und ihre Großmütter stammen aus jüdischen Familien in Polen und Nordafrika. Wie ihr Künstlername schon sagt, erzählt und vertont sie möglichst unverfälscht eigene, echte Erlebnisse. Ihre zumeist gesellschaftskritischen Texte – etwa zu Gewalt gegen Frauen – hat ihr in Frankreich den Ruf der poetischen Aktivistin beschert. Sie vertont sie zauberhaft emotional, mit unbekümmert jugendlichem Charme in der Stimme. Tiefsinnige, fantasievolle Poesie klingt schon aus dem Albumtitel, der übersetzt heißt: „Man sperrt die Vögel nicht ein“.

Hörbar beeinflusst ist die Sängerin/Songwriterin von den Schallplatten ihrer Eltern und Großeltern, den großen, alten Chansonniers wie Barbara, Charles Aznavour, Georges Brassens oder Jaques Brel.

Mit Klavier und Streichern

„Voilà“ mit seiner eingängigen Melodie steigert sich nach der balladesk zarten Klavier-Eröffnung zu einem beschwingt drehenden, walzerähnlichen Refrain. Eine mit Streichern atmosphärisch dichte Vertonung von aufgewühlten Gefühlen. Der Titel hat bis heute über 35 Millionen Streams erzielt und Platz 62 der deutschen Singlecharts erobert.

Noch feinfühlend ruhiger sprudelt die Ballade „Le jour se lève“ – eine Geschichte, die in „L’homme et l’oiseau“ – dem wohl stärksten Chanson des Albums – eine Fortsetzung findet. Mit „Saute“ kommt der Umschwung: Dieser Song bittet plötzlich mit orientalischen Klängen und Discorhythmus zum Tanz – das könnte auch Musik zu einer jüdischen Hochzeit sein. Ein fröhlicher Stil mit folkloristischen Klängen, der sich mit „Je l’aime, je l’aime, je l’aime“ und „La femme“ fortsetzt. Dabei singt die Französin von der Rolle der Frau und vom Sinn für die kleinen Dinge im Leben, um danach mit dem gesprochenen „La vague“ über die Unklarheiten der Liebe zu philosophieren. Tiefsinnig-emotional, schön gesungen klingt das Album mit „Prière pour rester belle“ aus.

Musik zum Träumen, Texte zum Nachdenken – reduziert, feinsinnig, eindringlich und intensiv. Auch ohne Schulfranzösischkenntnisse hörenswert und eine besinnliche Streicheleinheit im Advent.

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