Künstler und Fürsten auf der "Grand Tour"

Barock-Festspiele sind ein Höhepunkt im Arolser Jubiläumsjahr

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Vorfreude auf 34. Barock-Festspiele im Jahr 2019: Die künstlerische Leiterin Dorothee Oberlinger (rechts) mit Bürgermeister Jürgen van der Horst  und Claudia Wagener vom städtischen Gästezentrum.

Bad Arolsen. Die barocke Residenzstadt der Waldecker Fürsten bereitet sich auf ihr 300-jähriges Stadtjubiläum im Jahr 2019 vor. Einer der Höhepunkte werden dabei die 34. Arolser Barock-Festspiele sein, die vom 29. Mai bis 2. Juni, namhafte Künstler aus ganz Europa an den Arolser Hof locken.

So war es schon im 18. Jahrhundert, als der Waldecker Fürst Anton Ulrich von einer seiner Reisen, die italienische Sängerin und Violinistin Maria Domenica Polón als Attraktion an den Arolser Hof mitbrachte.

Mit einer Hommage an diese venezianische Primadonna, die zunächst in Arolsen und später in Hamburg mit Telemanns Protektorat an der Gänsemarktoper Furore machte, werden die 34. Barock-Festspiele am Abend des 29. Mai, in der Fürstlichen Reitbahn eröffnet.

Dabei werden das La Folia Barockorchester und die amerikanische Solistin Robin Johannsen erstmals nach zwei Jahrhunderten wieder einige der Polón-Arien aus den Arolser Archiven zum Klingen bringen. Ebenfalls auf dem Spielplan stehen Telemanns berühmte Trios aus seiner Bad Pyrmonter Kurwoche.

Am zweiten Festspieltag, Donnerstag, 30. Mai, ist das Ensemble La Folia nochmals zu hören, und zwar in einem neuen Format, einer musikalischen Schachpartie mit sowie Stücke des französischen Komponisten André Danican Philidor, der als einer der besten Schachspieler seiner Zeit galt und 1752 für acht Monate in Arolsen Station machte.

Fester Programmpunkt bei den Festspielen am Himmelfahrtstag ist die Matinee junger Künstler, diesmal mit dem Ensemble „4 Times Baroque“ und ihrem Programm „Caught in Italian Virtuosity“.

Das Konzertprogramm am Feiertag endet mit dem Ensemble „Concerto Romano“, das in der evangelischen Stadtkirche unter dem Titel „Teatro Imaginato“ eine Reise durch die Höhen und Tiefen des Erdenlebens und weiter durch Himmel und Hölle intoniert. - Ein Theater ohne Bühne und Kulissen, erzählt und erdacht in kräftigen Farben mit sinnlichen Affekten des römischen Hochbarock von Meistern wie Graziani und Carissimi.

Am Freitag, 31 Mai, überbringen die Festspiele „Grüße aus Bad Pyrmont“, wenn das Ensemble Aurora mit dem Brüdern Enrico und Marcello Gatti (Traversflöte und Violine) Werke von Georg Philipp Telemann, Georg Friedrich Händel und Carl Philipp Emanuel Bach anstimmen. Im Mittelpunkt des Abends steht Telemanns Pyrmonter Kurwoche.

Das Abschlusskonzert mit dem „Ensemble 1700“ unter Leitung von Dorothee Oberlinger (Blockflöte) wird in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Leckerbissen: Zum einen wird vor dem Konzert wieder ein festliches Fünf-Gänge-Menü serviert, das allerdings extra gebucht werden muss.

Sie gestalten das Abschlusskonzert der Barockfestspiele 2019: - Das Ensemble 1700 unter Leitung von Dorothee Oberlinger (mit Blockflöte, 3. von rechts).

Zum anderen dreht sich alles um die „Grand Tour“, die Bildungsreise junger Adeliger im 18. und 19. Jahrhundert, bei der auch Fürst Anton Ulrich Europa kennenlernte. Geboten wird ein Pasticcio durch die bedeutenden Musikzentren des Barock: Von London nach Venedig, von Brandenburg nach Paris, Hannover und Hamburg. 

Die Komponisten des Programms waren oftmals sehr reiselustig und haben ihre vielfältigen Eindrücke der jeweiligen anderen Nationalstile in ihr eigenes Werk einfließen lassen. Vielseitig begabter Begleiter ist auf dieser Grand Tour der russische Stargeiger und Countertenor Dimitry Sinkovsky.

Was bieten die Barock-Festspiele für Nachtschwärmer?

Manche Dinge ändern sich nicht, werden zur Tradition. Dazu gehört auch das Eröffnungsritual der Festspiele: Auch im kommenden Jahr geben wieder die Garde-Grenadiere aus Altenbeken sowie das Parforcehorn-Bläsercorps Vöhl/Edersee auf dem Hof des Residenzschlosses ein Platzkonzert zur Eröffnung der Festspiele. Die Tänzer der Musikschule unter Leitung von Kirsten Schmidt führen die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi auf, nehmen aber Anleihen bei der Popmusik von Justin Timberlake. 

Die Nachtschwärmerveranstaltung unter dem Titel „Zauber des Varietés“ verspricht einen magischen, lustigen und zauberhaften Abend mit internationalen Künstlern. Außerdem gibt es Führungen durchs Waldecker Land, durch die Barockstadt und durch die Bibliotheken im Schloss. Am Samstagnachmittag spielt das Salonorchester Cappuccino im Garten des Welcome Hotels bei „Café und Musik“ auf. 

Der Barocksonntag bietet ab 11 Uhr in der Schlossstraße ein „Künstler-Open-Air“ und ab 13 Uhr den verkaufsoffenen Sonntag der heimischen Geschäftsleute.

Eintrittskarten für alle Konzerte der Barock-Festspiele sind im Touristik-Service Bad Arolsen, Große Allee 24, Tel. 05691 / 801-233, zum Preis von 14 bis 35 Euro erhältlich. Das Kombi-Ticket mit Fünf-Gänge-Menü im Steinernen Saal und Abschlusskonzert in der Reitbahn kostet 66 Euro und ist meist schnell vergriffen.

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